Erste Hilfe in Spandau: Ersthelfer bei Brand und Unfall – ein Rentner rettet Leben

Gordon Tiede ist seit vier Jahren registrierter Ersthelfer. Wenn sein Handy wegen zu einem Erste-Hilfe-Einsatz klingelt, lässt er alles stehen und liegen und eilt zum nahegelegenen Einsatzort.
Jessica NeumayerIn Notsituationen können wenige Minuten über das Leben eines Menschen entscheiden. Gordon Tiede aus Spandau ist registrierter Ersthelfer bei Katretter, einem Hilfe-System für gesundheitliche Notfälle. Der Ehrenamtler berichtet, wie es ist, an einen Unglücksort gerufen zu werden.
Bei vielen Rettungseinsätzen können Ersthelferinnen und Ersthelfer das Schlimmste verhindern. Damit die Hilfe schnell dort ankommt, wo sie gebraucht wird, gibt es eine Lebensretter-App. Wenn bei der Berliner Feuerwehr ein Herz-Kreislauf-Stillstand gemeldet wird, werden über das Katretter-System bis zu drei Helfende im Umkreis von einem Kilometer um Hilfe gebeten.
Erste-Hilfe-Einsatz in Spandau – schneller als die Feuerwehr
Wenn Tiedes Handy klingelt, hat er 30 Sekunden Zeit, um zu reagieren. Ist er nahe genug, nimmt er den Einsatz an. „Wenn eine Reanimation notwendig ist, zählt jede Sekunde“, weiß der ehemalige Feuerwehrmann.
Laut Feuerwehr-Jahresbericht 2023 braucht ein Einsatzwagen knapp elf Minuten, um am Notfallort zu sein. Ein Herzstillstand kann jedoch schon nach wenigen Minuten zum Tod führen. Durch die Umkreissuche der App kann Tiede als Ersthelfer besonders schnell am Ort des Notfalls sein.
Viele Male habe sein Handy seit seiner Registrierung vor vier Jahren geklingelt. 25 Einsätze konnte er annehmen. Oft erreichte er die Einsatzstelle zur gleichen Zeit wie die Feuerwehr. Doch er war auch schon früher vor Ort.
„Einmal wurde ich zu einem elf Monate alten Kind gerufen, das wiederbelebt werden musste. Als es wieder atmete, kam es mit einem Rettungshubschrauber ins Waldkrankenhaus.“

Der ehemalige Feuerwehrmann Gordon Tiede ist gerne für jeden Notfall gerüstet. Auch einen Defibrillator sowie einen Puls- und Sauerstoffsättigungsmesser hat er als ehrenamtlicher Erstretter bei seinen Einsätzen dabei.
Jessica NeumayerWährend seinen 17 Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr hat Tiede schon viel erlebt. Einsätze mit Kindern nehmen ihn jedoch noch immer besonders mit. Inzwischen ist er in Rente und genießt das Leben in seinem Schrebergarten in Wilhelmstadt. Dabei ist er immer noch allzeit bereit. „Bei meinem letzten Einsatz habe ich mir schnell einen Scooter gemietet und bin durch den Südpark gedüst.“
Wenn Tiede an einem Einsatzort ankommt, prüft er alle Punkte bei Notfällen. Eine der Fragen: Ist die Person ansprechbar? Überprüfen von Puls sowie Herzschlag und je nach Zustand die Reanimation beginnen oder in die stabile Seitenlage bringen. „Einmal Feuerwehrmann, immer Feuerwehrmann“, erklärt er knapp seine Motivation.
Ersthelfer in Spandau – Voraussetzungen und Nachsorge
Bei einem Einsatz hat er auch immer einen Defibrillator dabei. Der ist keine Voraussetzung, um Katretter zu sein. Um sich als Ersthelfer zu registrieren, ist in Berlin nur ein aktueller Nachweis über das Absolvieren eines Erste-Hilfe-Kurses, wie er beispielsweise beim Führerschein verlangt wird, nötig. Den Defibrillator hat er privat für 29 Euro im Monat gemietet. „Wenn er nur ein Leben rettet, hat sich das gelohnt.“
Checkliste für Ersthelfer bei Herz-Kreislauf-Stillstand
Prüfen: Atmet der oder die Betroffene noch? Durch Hören, Sehen und Fühlen prüfen, ob ein Lufthauch aus dem Mund zu fühlen ist oder sich der Brustkorb hebt und senkt.
Notfallnummer anrufen: Die 112 ohne Vorwahl wählen. Name und Adresse nennen. Schildern, was passiert ist und der Situation vor Ort.
Herzdruckmassage: Wenn keine Atmung festzustellen ist, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Den Handballen mittig auf den Brustkorb, auf das Brustbein legen. Beide Hände aufeinander stützen.
Durchgängig 100 bis 120 Mal/Minute mit gestreckten Armen das Brustbein etwa fünf bis sechs Zentimeter tief in Richtung Wirbelsäule herunterdrücken. Um im Takt zu bleiben, sind Lieder wie „Stayin‘ alive“ der Bee Gees oder andere Songs mit einem Tempo von 100 bis 120 beats per minute (bpm) hilfreich.
Beispiele: „Quit Playing Games (With My Heart)“ – Backstreet Boys, „Rock Your Body“ – Justin Timberlake, „Sorry“ – Justin Bieber, „Just Dance“ – Lady Gaga & Colby O'Donis, „Get Lucky“ – Daft Punk & Pharell.
Defibrillator: Wenn zwei Helfer am Unfallort sind, kümmert sich einer um die Herzdruckmassage. Der oder die Zweite holt einen automatischen externen Defibrillator (AED), sofern sich einer in der Nähe befindet. Das Gerät einschalten und den Anweisungen des Sprachmoduls folgen.
Quelle: Deutsche Herzstiftung
Einsetzen musst er den Elektroschocker fürs Herz noch nicht. Bisher ist er als freiwilliger Ersthelfer auch noch nie zu spät zu einer Person mit Herzstillstand gekommen. Doch auch in diesem Fall wäre für ihn vorgesorgt.
„Nach einem Einsatz gibt es immer einen Rückmeldebogen für die Ersthelfer“, sagt Daniel Faust, Gesamtprojektleiter für alle Kat-Projekte (Katretter, Katwarn, Kathelfer). Auch während eines Einsatzes sind die Ersthelfer über den Rettungsservice versichert.
Die App Katretter gibt es seit 2019. In Berlin sind derzeit fast 14.000 Personen bei der App registriert. Rund die Hälfte davon sei auch aktiv, sagt Faust. Genaue Erhebungen unterliegen jedoch dem Datenschutz, erklärt Vinzenz Kasch, Leiter Stab Kommunikation und Behördensprecher der Berliner Feuerwehr.
Ruhe und Professionalität im Notfall
Normalerweise erfahren die Ersthelfer nach einem Einsatz nichts mehr über die Person, der sie geholfen haben, berichtet Tiede. Doch manchmal gebe es Ausnahmen: „Die Oma, des Kindes, das reanimiert wurde, hat einen lieben Dankesbrief geschickt, der an mich weitergeleitet wurde.“
Oft werde ihm auch gesagt, dass er eine besondere Ruhe ausstrahlt, wenn er im Einsatz ist. In solchen Momenten weiß er, warum er auch im verdienten Ruhestand weiterhin Menschen helfen möchte.



