Eskalation
: Blutige Nasen nach dem Abiball

Eigentlich war es eine tolle Abi-Feier: schickes Hotel, flammende Reden, gutes Essen. Doch bei vielen Schülern des Neuenhagener Einstein-Gymnasiums überwiegen böse Erinnerungen.
Von
Maria Neuendorff
Berlin/Neuenhagen
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Das Atrium vom Estrel Berlin: Das Hotel kündigte an, die Vorwürfe so schnell wie möglich aufklären zu wollen.

Estrel Berlin/Luigi Lanzi

Draußen seien Wortgefechte gefolgt. "Allerdings standen wir nicht mehr auf dem Hotelgelände, sondern auf der Straße vor dem Zaun“, berichtet der 18-Jährige weiter. „Irgendwann hat die Security-Frau plötzlich das Tor wieder aufgemacht.“ Die Situation sei sofort eskaliert. Mehrere Wachmänner hätten sich auf einen 18-Jährigen gestürzt, der zuvor am lautesten mit der Security-Frau gestritten hatte.  "Sie schlugen und traten auf ihn ein, selbst als er schon am Boden lag.“

Die Berliner Polizei bestätigt den Vorfall, der sich in der Nacht zu Sonntag zwischen 2 und 2.30 Uhr vor dem Vier-Sterne-Hotel in Berlin-Neukölln zugetragen hat. „Es gab zwei Anzeigen von zwei 18-Jährigen mit blutigen Nasen gegen noch unbekannte Security-Leute“, sagt eine Polizeisprecherin. Auch die Security-Frau habe Anzeige wegen einer Spuck-Attacke erstattet.

Der verletzte Jugendliche fuhr später in die Notaufnahme des Unfallkrankenhauses Marzahn. Bei ihm wurden Prellungen und Hämatome im Gesicht und an den Armen diagnostiziert.

Mehrere Zeugen berichteten, dass das Wachpersonal schon den ganzen Abend über ungewöhnlich barsch und unprofessionell aufgetreten sei. „Freundlich waren sie definiv nicht“, erzählt eine Mutter, die selbst bis 1.30 Uhr mitfeierte. Mehrmals sei es am Einlass aus nichtigen Anlässen zu harschen Diskussionen gekommen. „Auch ich wurde nach jedem Klo-Gang so behandelt, als ob ich mich illegal auf die Party schleichen will, obwohl ich ein langes Ball-Kleid trug und die Toiletten in Sichtweite waren.“

Weibliche Zeugen berichteten zudem von anzüglichen Bemerkungen des Personals an der Garderobe. In den Toiletten sollen die Wachmänner die Privatsphäre missachtet haben, indem sie auf die Klo-Schüsseln stiegen, um die Nachbarkabinen zu kontrollieren.

Schon im vergangenen Jahr soll es Probleme mit dem Sicherheitspersonal gegeben haben, die allerdings nicht in Gewalt mündeten. Das Gymnasium im Berliner Speckgürtel hat einen Zehn-Jahres-Vertrag mit dem Berliner Hotel für seine Abi-Feiern abgeschlossen. Das Estrel ist eine der größten Feierlocations in Europa. Jährlich finden dort rund 2000 Veranstaltungen statt.

Am Sonnabend feierten im Saal gleich nebenan auch Berliner Gymnasiasten ihren Abschluss. Einer der Schüler klagte auf Facebook ebenfalls vom aggressiven Gebaren der Wachleute, nachdem um 2 Uhr die Musik ausgeschaltet und die Lichter angeknipst wurden.  „Innerhalb weniger Minuten wurden wir aus dem Estrel quasi herausgeschoben, parallel wurden wir immer wieder beleidigt“, berichtet Jonny Unionas auf Facebook. „Die Security schubste uns von der Straße, welche nicht mal mehr zum Gelände gehörte.“

Auch der Berliner bestätigt die Aussagen der Neuenhagener Schüler zu der Attacke der Wachleute auf den 18-jährigen Brandenburger. „Als ich versucht habe, diese daran zu hindern, wurde ich ebenfalls geschlagen und beleidigt. Es ist unfassbar, dass diejenigen, die einer Eskalation vorbeugen sollten, selbst der Aggressor waren.“

Die Organisatoren des Estrel Hotels haben nach den Beschwerden in den sozialen Medien Kontakt mit der Schulleitung des Einstein-Gymnasiums aufgenommen. Die Sicherheitsfirma sei ein externer Dienstleister, hieß es auf Anfrage. "Wir haben eine Stellungnahme angefordert und wollen uns noch in dieser Woche mit allen an einen Tisch setzen und die Vorfälle aufklären“, kündigte die Kommunikationschefin des Hotels, Miranda Meier,  an. „Wenn sich die Vorwürfe erhärten sollten, werden wir personelle Konsequenzen ziehen.“