Das Schwabenland hat seine Spätzle, die Bayern ihre Leberknödelsuppe und die Thüringer wissen, wie Bratwurst funktioniert. Kulinarische Traditionen sind fest in die Kultur einer Region eingewoben. Essen stiftet Identität und es verbindet – insbesondere, wenn die verbale Kommunikation aufgrund unterschiedlicher Dialekte vielleicht etwas hakt. Was ist also die Geschmacks-Visitenkarte von Brandenburg? Woran erinnern sich Touristen, wenn sie die Mark wieder verlassen? Tatsächlich sind die Fragen gar nicht leicht zu beantworten.

Essen gehen in Brandenburg – hat die Mark eine typische Küche?

Der Inhaber des Finsterwalder Restaurants „Goldener Hahn“, Frank Schreiber, sagte einst zu MOZ.de und LR.de, dass es die klassische Brandenburger Küche nicht gebe. Vielmehr seien es einzelne Produkte wie die Spreewaldgurke oder das Leinöl, welche charakteristisch für die Mark seien. Brandenburg ist viele Jahrhunderte ein Land der Migration gewesen: Flamen, Schweizer Kolonisten, die Hugenotten, Menschen aus Pommern und Schlesien.
Sie alle haben einen Teil ihrer Rezepte in der Region gelassen. Noch heute schmecken deren Klöße oder Buletten – auch außer Haus. Denn die zahlreichen Restaurants, Lokale und Wirtschaften haben die bodenständige und regionale Küche Brandenburgs perfektioniert. Für manch Lokal lohnt sich sogar eine weitere Reise.

Frischer Fisch mit Blick aufs Wasser

Am besten lässt sich gutes Essen vor einem schönen Panorama genießen. Davon hat die Mark, als eines der gewässerreichsten Bundesländer, reichlich. An zahlreichen Seen und Flüssen laden Wirtschaften zum Einkehren ein. Etwa an der Schwarzen Elster, im Südwesten Brandenburgs. Dort liegt das nach dem Fluss benannte Elsterstübchen. Selbstgebackene Torten von der Chefin, Fleisch vom Grill oder Forellen aus der Teichwirtschaft stehen auf dem Menü. Mit Fischspezialitäten werden normalerweise eher Küstenregionen verbunden, doch frischer Fisch hat in nahezu allen Regionen Brandenburgs einen hohen Stellenwert.
Fischereien betreiben oft ein zusätzliches Restaurant oder einen Hofladen wie die Familie Köllnitz in Storkow an der Groß Schauener Seenkette. Von Fischbrötchen auf die Hand bis zum Aal auf dem Teller – den Seeblick gibt es dazu. Besonders am Strand mögen Brandenburger ihr Essen gern rustikal und bodenständig. Am fast 100 Jahre alten Strandbad Bad Erna in Elbe-Elster serviert seit über zwei Jahren die Rollschänke Burger, Kesselgulasch, aber auch Curry-Wurst und Pommes.

Nicht nur bodenständig – in Brandenburg gibt es auch Haute Cuisine

Doch ist der Sonnenschirm verstaut, zieht es die Märker mittlerweile auch zum Fine Dining. In Brandenburg gibt es aktuell zwei Restaurants mit einem Michelin-Stern: Das Kochzimmer in Potsdam sowie seit diesem Jahr die Alte Überfahrt an der Uferpromenade der kleinen Havel-Insel. Noch häufiger ist Brandenburg im Gault-Millau vertreten. Zehn Restaurants tagen mindestens eine der begehrten vier Hauben des französischen Restaurantführers.
Im Schlossrestaurant „Lieschen und Louise“ am Schlosspark in Oranienburg ist die Speisekarte gediegener, doch das Ambiente historisch. Das Lokal ist ein Tribut an die Kurfrüstin Louise Henriette von Oranien – die Namensgeberin der Stadt in Oberhavel. Von der schattigen Terrasse aus kann man bei Kalbsleber oder Zanderfilet dem Schiffstreiben auf der Havel zuschauen.

Weißwürste essen in Bad Saarow

Liebhaber der Preußischen Küche kommen fast überall in Brandenburg auf ihre Kosten. Doch in Bad Saarow überrascht ein Restaurant mit Kulinarik aus dem Süden: Im Freilich am Scharmützelsee kann man ausprobieren, ob einem die berühmten Bayerischen Weißwürste doch schmecken. Der Freistaat ist zudem bekannt für sein Bier, doch auch in der Mark gibt es von der Uckermark bis in den Spreewald regionale Brauereien.
Allein schon für solche Spezialitäten lohnt sich eine Reise durch Brandenburg. Die Köstlichkeiten werden dabei immer exotischer: Mittlerweile gibt es Mozzarella aus Jüterborg und Safran aus der Lausitz – besten man geht selbst auf Entdeckungsreise.
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