Essen in Berlin-Spandau
: Burger-Laden im Vintage-Style – was im Cruise-In Diner geboten wird

Das Cruise-In ist nicht nur ein einfacher Burger-Laden. Das Restaurant in Berlin-Spandau wird von Oldtimer-Fans, Architektur-Studenten, Film-Crews und US-Rappern besucht. Die Gründe.
Von
Johannes Leichsenring
Spandau
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Essen in Spandau: Das Cruise-In Diner in Berlin-Spandau ist ein Treffpunkt für Oldtimer-Fans und Harley-Davidson-Fahrer. Willkommen heißt Inhaber Andreas Falkenhain aber jeden. Es gibt Burger und Tex-Mex.

Andreas Falkenhain

Der Cruise-In Diner in Berlin-Spandau ist eine Institution – nicht nur für Harley-Davidson-Fahrer, Rockabillys und Oldtimer-Fans. Seit 28 Jahren gibt es den Laden inmitten des Industriegebiets zwischen Brunsbütteler Damm und Bullengraben. Das 1996 gegründete Restaurant wird von Architektur-Interessierten, Modelabels, Film-Crews und amerikanischen Rappern geschätzt. Inhaber Andreas Falkenhain berichtet Erstaunliches.

Mit einem Missverständnis räumt Andreas Falkenhain, von allen aber Andy genannt, gleich zu Beginn auf: Das Cruise-In befindet sich nicht, wie weitläufig angenommen, in einer ehemaligen Tankstelle, sondern in einem Schauraum der dort vormals angesiedelten Fliesenbrennerei Berlin-Keramik. Das runde Gebäude wurde von Architekt Norman Köser entworfen. „Ein- bis zweimal im Jahr kommen Architektur-Studenten hierher, weil das Gebäude in ihren Lehrbüchern vermerkt ist“, sagt Andreas Falkenhain, Diner-Inhaber seit 19 Jahren.

Rockabilly-Retro-Style stammt von Kult-Film

Der Grund, warum das Cruise-In sich ausgerechnet in dem ehemaligen Ausstellungsraum für Küchen- und Badkeramik befindet, beruht auf einem Film. Als ein Freund von Andy das damals leerstehende Gebäude entdeckte, wusste er, dass darin ein American Diner eröffnen muss. „Die Idee kommt von dem Film American Graffiti“, erzählt Falkenhain. Der 1973 von George Lucas gedrehte Kult-Streifen eröffnet mit einer Szene vor dem Diner Mel’s Drive-In.

Das im Film gezeigte Gebäude hat mit dem Rundbau in Spandau eine verblüffende Ähnlichkeit. Da der Film die Jugendkultur der 60er-Jahre einfängt, präsentiert sich auch das in Spandau gelegene Cruise-In in genau diesem Rockabilly-Retro-Style, mit entsprechender Musik.

Andreas Falkenhain in seinem Laden: Das Cruise-In Diner überzeugt mit Burgern und dem Vintage-Style der 60er Jahre.

Johannes Leichsenring

Zwischen Autowerkstätten, Großhändlern und Möbelhäusern zählt das Cruise-In nicht auf flanierende Laufkundschaft. Ein treuer und fester Stammkundenkreis bildet sich aus Oldtimer-Fans, US-Car-Enthusiasten und Harley-Davidson-Fahrern. Die Lage sei dafür auch wie geschaffen, denn um den Rundbau herum gibt es jede Menge Parkmöglichkeiten.

Wer mit seinem sieben Meter langen Cadillac vorfährt, müsse sich keine Sorgen um einen Stellplatz machen. „Das Verdeck vom Mustang kann auch offen bleiben“, so Andreas Falkenhain, der selbst aus der US-Car-Szene kommt. Willkommen sind aber alle – unabhängig davon, ob sie mit dem Pick-up vorfahren oder mit dem Fahrrad.

Veggie-Burger bei Harley-Treffen beliebt

Kulinarisch fährt Andreas Falkenhain eine klare Linie. Es gibt Burger, Sandwiches, Hotdogs, Salate und Tex-Mex, wie beispielsweise Nachos oder Burritos. Im Übrigen verkaufe er auch vegetarische Burger. Die meisten Veggie-Burger verkauft Andy bei Harley-Davidson-Treffen. „Glaubt man gar nicht, was?“, bemerkt er im Gespräch verschmitzt.

Das käme daher, dass viele der Biker mittlerweile älter sind und Gicht haben. Bei Gichtanfällen kommt es zu schmerzhaften Schwellungen, beispielsweise an den Handknöcheln. Das hat für Motorradfahrer die Folge, dass sie die Kupplung nicht mehr greifen können und die Harley stehen lassen müssen. Fleischverzicht kann da helfen, weshalb viele der Motorrad-Enthusiasten Halbjahresvegetarier sein.

Trotz der begrenzten Laufkundschaft und einem saisonalen Peak im Sommer ist Andreas Falkenhain zufrieden mit dem Geschäft. „Als ich hier anfing, habe ich mich anfangs geärgert, dass hier alle zwei Wochen nichts los war und es immer hieß, die ausbleibenden Gäste seien in Jüterbog auf dem Harley-Treff, in Paaren-Glien mit den Oldtimern oder am Schloss Diedersdorf beim US-Car-Treffen.“

Daraufhin hatte Andy 2007 – lange bevor das ein Trend wurde – die Idee, sich einen Foodtruck zu kaufen. Er habe direkt bei einer US-Airbase angerufen und nach ausrangierten Fahrzeugen gefragt. Seitdem besitzt er zwei Foodtrucks, mit denen er nicht nur den Oldtimer-Fans hinterherfährt. Während der Corona-Pandemie erwiesen ihm die Fahrzeuge gute Dienste, denn er konnte auf den Firmenparkplätzen von DHL, Post und BSR frische Burger verkaufen.

Levis und The BossHoss zum Fotoshooting

Das Diner, das seit fast 30 Jahren dem außergewöhnlichen Stil treu geblieben ist, hat sich mittlerweile auch außerhalb der Kulinarik etabliert. Immer wieder finden inmitten der Rockabilly-Vintage-Atmosphäre Fotoshootings und Dreharbeiten statt. Beispielsweise lichtete die Modemarke Levis hier einmal eine Kollektion ab.

In jüngerer Zeit war der Sänger von The BossHoss im und vor dem Cruise-In, um für ein Automagazin eine Fotoserie von alten und neuen Ford-Mustangs anzufertigen. Im Jahr 2018 wurde eine Szene für den Berliner Tatort mit dem Titel „Meta“ im Lokal gedreht.

Rapper A$AP Rocky dreht in Spandau

Während sich die Gründer des Lokals an der amerikanischen Popkultur der 60er orientierten und das Lokal von dieser gesamtheitlich geprägt wurde, konnte das Cruise-In erst kürzlich der amerikanischen Popkultur etwas zurückgeben. Als der Musiker A$AP Rocky mit seiner Partnerin Rihanna 2015 in Berlin war, drehte er im Lokal von Andreas Falkenhain die Eröffnungsszene für sein Musikvideo zum Song Jukebox Joints.

Der Titel erinnert an den Begriff Juke Joint, welcher eine afroamerikanische Kneipenkultur beschreibt, mit der unmittelbar die Blues-Musik zusammenhängt. Jene Musik also, aus der später der Rock ’n’ Roll entstand und dessen Kultur noch heute im Cruise-In überdauert.

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