Evope: Überdosis und Herzinfarkte - wie ein Berliner Ehepaar durch Sport zurück ins Leben findet

Privat und geschäftlich ein Team: Jennifer und Matthias Althoff, Gründer von Evope, fanden durch Sport zurück ins Leben. Heute teilen sie ihren ganzheitlichen Trainingsansatz mit anderen in ihrem neuen Performance-Zentrum an der Storkower Straße.
privatTiefpunkte wie eine Überdosis änderten den Blick, und am Ende brachte der Fokus auf Sport Veränderung für beide. Wie Ehrgeiz und Durchhaltewille dabei geholfen haben, teilen sie heute mit anderen, auch durch ihr 2014 gegründetes Sport-Unternehmen Evope (Evolution of human performance, die Weiterentwicklung von menschlicher Leistung).
Auf dem Bahnsteig zusammengebrochen
Jennifer Althoff verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Österreich, arbeitete als Eventmanagerin. Sie sei schon immer ehrgeizig gewesen, tat alles für den Job. „Ich habe die Zeichen meines Körpers übersehen“, erzählt sie. Mit ihrer Gesundheit ging es immer weiter bergab, Hautausschläge, Muskelspasmen, Kopfschmerzen, Magenentzündungen.
Durch ihren damaligen Partner inspiriert, wollte sie 2010 einen Neuanfang in Berlin wagen. Doch in der Hauptstadt wurde sie nicht ruhiger, arbeitete 80-Stunden-Wochen. „Ich stand am Schlesischen Tor und mein Handy klingelte. Ich sah auf der Anzeige, die nächste Bahn kommt in zwei Minuten“, erinnert sie sich. Dann klappte sie zusammen. Als sie die Augen wieder öffnete, lag sie auf dem Boden und die Anzeige zeigte sieben Minuten. „Die Leute haben mich tatsächlich liegen gelassen. Die dachten bestimmt, ich sei irgendeine Abgewrackte.“
Sie stieg in die Bahn. Sie bemerkte, wie schwer ihr das Reden fiel, die Hand schmerzte extrem. Ein Fahrgast rief den Krankenwagen, im Krankenhaus dann die Diagnose: zwei versteckte Herzinfarkte. Mit Mitte 20. „Die Ärzte haben mir ans Herz gelegt, mein gesamtes Leben zu ändern“, berichtet Jennifer Althoff. Sie verstand den Warnschuss. Gefallen an der Sportszene hatte sie schon vorher gefunden, ab jenem Zeitpunkt stand für sie fest, dass ihre Zukunft im Sport liegt. Nach einigen Wochen begann sie ihre erste Ausbildung in dem Bereich.
Auch Ehemann Matthias kämpfte sich aus einem Loch heraus. In Brüssel geboren und behütet bei seiner Mutter aufgewachsen, zog er mit 16 Jahren von zu Hause aus. Er rutschte auf die schiefe Bahn. „Dann habe ich eine relativ steile Drogenkarriere hingelegt.“ Seine Mutter, ursprünglich aus Berlin, schickte ihn in die Heimat, er solle dort versuchen, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. „Das war natürlich das falsche Pflaster“, sagt er.
Er lebte in einer „gesellschaftlichen Parallelwelt“, wie er es nennt, holte abends seine Schulabschlüsse nach und arbeitete nachts – alles weiter mit Drogen. Mit 21 gipfelte das Ganze in einer Überdosis, er landete auf der Intensivstation. „Das war kein ruckartiger Wendepunkt“, erinnert sich der heutige 35-Jährige. Er habe mehrere Anläufe genommen, um von den harten Drogen wegzukommen. „Ich habe erkannt, kein Wandlungsprozess kommt von heute auf morgen. Aber Durchhaltevermögen und eiserner Wille, das ist der magische Weg zum Erfolg“, sagt er.
Er begann wieder Sport zu treiben, eine neue Ausbildung zu machen. Die Umsetzung inspirierte andere, viele suchten Rat bei ihm. Wettkampfathleten wollten wissen, wie sie aus tiefen Löchern kommen könnten. Anfangs weigerte sich Matthias Althoff, er sah sich nicht als Trainer. Schließlich erkannte er, dass seine Erfahrungen anderen helfen könnten. Eine erste Trainerausbildung folgte, ein erstes Unternehmen auch.
Mit Ehrgeiz, ohne Stress
Die Parallelen ihrer Vergangenheiten, geteilte Ansichten und beiderseitiger Ehrgeiz führten nach ihrem Kennenlernen – im Fitnessstudio – schnell zur Erkenntnis, dass Jennifer und Matthias Althoff nicht nur privat gemeinsame Wege gehen würden, sondern auch beruflich. 2014 gründeten sie Evope. „Wir wollten einen Standort in Deutschland kreieren mit einer amerikanischen Einstellung zum Thema Sport“, berichtet die Mitgründerin. In den Staaten sei es normal, dass Athleten in allen Sportarten gefördert und rundum betreut werden. Vom Training bis zur Regeneration.
„Wenn du in Deutschland nicht Fußball und Handball spielst, sind die Möglichkeiten gering“, sagt Jennifer Althoff. Randsportarten würden nicht gefördert. Und so gebe es bei ihrem Team einen Komplettansatz aus Ernährung, Training, Regeneration und Gesundheit – für Leistungs-, aber auch Breitensportlerinnen und -sportler. Seit Anfang August ist Evope an der Storkower Straße zu Hause. Auf 1000 Quadratmetern kann man sich sportlich verausgaben.
Die Althoffs haben den Anspruch an sich selbst, Mensch und Gesundheit gleich gut zu verstehen und immer auf dem bestmöglichen Wissensstand zu sein – um so verschiedensten Ansprüchen und Zielsetzungen gerecht zu werden. „Wir haben große Freude an Fortbildungen“, sagt Jennifer Althoff. Fast sei es schon ein Wettkampf, wer von ihnen mehr Kurse absolviert habe. Sie zählt derzeit 45, er 48 Ausbildungen und Qualifikationen. „Matthias liegt gerade vorn, ich muss aufholen“, sagt Jennifer Althoff und lacht.
Stress begegneten sie auf eine gesündere Weise. Es habe einen Vorteil, dass sie beide aufgrund ihrer Vergangenheit Warnzeichen erkennen und sich notfalls gegenseitig bremsen könnten. Seit sie Eltern einer Tochter sind, habe sich ihr Blick noch einmal verändert. Sie müssten und wollten noch viel mehr aufpassen, dass Stress nicht mehr die Oberhand gewinnt und besonders von zu Hause ferngehalten wird.
Trainieren nach Bedarf
30 Prozent der Evope-Mitglieder betreiben Sport auf Leistungsniveau, der Rest sind normal-aktive Sportbegeisterte. Das Komplettangebot ist freiwillig. Man kann auch einfach nur Sport treiben und bei Bedarf weitere Angebote nutzen, zusätzliche Module auf die Basismitgliedschaft aufstocken. 2021 sollen Angebote wie Physiotherapie, Kindertraining und Workshops zu Themen wie Ernährung folgen. Schon jetzt stehen Informationen aus den Kursen oder Trainings ortsunabhängig online zur Verfügung, über die "Evope Academy", eine Art Wissensdatenbank. Mehr Informationen unter www.evope-sports.com.⇥jw
