Mein Ehegatte ist vor Kurzem verstorben. Ein Testament haben wir nicht aufgesetzt, weil wir dachten, der andere erbt sowieso erst einmal alles. Nun musste ich feststellen, dass auch mein Sohn und die beiden Kinder unserer bereits verstorbenen Tochter Erben geworden sind. Alle drei würden ja auf ihren Erbteil verzichten, aber mein Sohn bezieht derzeit Hartz IV, da könnte es Schwierigkeiten geben, oder?
In der Tat erbt nicht der Ehegatte automatisch allein. Je nach Güterstand (im Normalfall ist das die sog. Zugewinngemeinschaft) erben neben dem Ehegatten des Verstorbenen dessen Kinder und ersatzweise die Kindeskinder. Der einfachste Weg wäre es, das Erbe auszuschlagen. Das ist aber nur innerhalb von sechs Wochen nach Kenntnis des Erbfalls möglich. Bei Ihrem Sohn könnte es tatsächlich Probleme geben, da nicht völlig auszuschließen ist, dass für das willentliche „Hergeben“ von Vermögen Sanktionen drohen.

Finanzieller Ausgleich wäre möglich

Eine Möglichkeit wäre es, wenn der Sohn den Erbteil auf Sie überträgt und Sie ihm einen entsprechenden finanziellen Ausgleich zahlen. Dieser würde dann allerdings ggf. auf seine Hartz-IV-Leistungen angerechnet werden. Die Ausschlagung einer Erbschaft kann man bei dem für den Erbfalls zuständigen Nachlassgericht, als Sonderzuständigkeit dem Nachlassgericht Ihres Wohnortes oder einem Notar vornehmen.
Wir sind eine Patchwork-Familie. Meine Frau und ich haben insgesamt fünf Kinder aus verschiedenen vorherigen Beziehungen und ein gemeinsames Kind. Nun überlegen wir, wie wir am besten unser Testament gestalten. Uns schwebt das Berliner Testament vor, d. h., der überlebende Ehepartner soll alles erben und nach dem Tod von diesem dann unsere gemeinsame Tochter. Die anderen fünf Kinder hätten dann aber Pflichtteilsansprüche, oder?
Nach dem Erstverstorbenen können dessen leiblichen Kinder Ansprüche stellen, es sei denn, sie würden an einem (notariell beurkundungsbedürftigen) Pflichtteilsverzicht mitwirken. Möglich wäre es auch, die Ansprüche durch eine geschickte Gestaltung zu minimieren, etwa indem eine Vor- und Nacherbschaft angeordnet wird oder indem entsprechende Vermächtnisse angeordnet werden. Welche Lösung für Sie die ideale ist, sollten Sie mit einem Notar Ihrer Wahl besprechen, da hier viel vom Einzelfall und Ihren Vorstellungen und Wünschen abhängt.
Wir sind zum zweiten Mal verheiratet und haben jeweils zwei Kinder aus erster Ehe. Wir besitzen Haus und Grundstück, sind beide im Grundbuch eingetragen. Wir machen uns Gedanken, wie der überlebende Ehepartner abgesichert werden könnte und wie man das Erbe gerecht verteilt. Können Sie uns da Tipps geben?
Meine erste Empfehlung ist, zuerst einmal die Vorstellungen der Kinder zu erfragen. Streit entsteht klassisch dann, wenn sich jemand ungerecht behandelt fühlt; dieses Gefühl muss nicht unbedingt etwas mit den Tatsachen zu tun haben.
Eine Möglichkeit wäre, dass die Kinder des Erstversterbenden auf ihr Erbe (genauer: auf den Pflichtteil) verzichten und nach dem Tod des überlebenden Ehepartners erben – dann alle vier Kinder zu gleichen Teilen. Dann könnten zum Beispiel Haus und Grundstück verkauft und das Geld aufgeteilt werden.

Alle an einen Tisch holen

Es könnte aber auch sein, dass eines der vier Kinder das Haus gern übernehmen würde. Derjenige müsste dann die anderen auszahlen. Streit beim Erben kann man nur vermeiden, wenn alle Beteiligten wissen, was gespielt wird. Vielleicht können Sie alle Kinder an einen Tisch holen und das gemeinsam besprechen. Hiernach suchen Sie den Notar Ihres Vertrauens auf, der Ihnen die passgenaue Lösung erarbeitet.
Mein Mann ist ein Pflegefall, deshalb rechne ich damit, dass er wohl vor mir versterben wird. Er hat zwei Kinder aus erster Ehe. Ich habe Land mit in die Ehe gebracht, würden seine Kinder darauf Ansprüche erheben können?
Wenn Sie im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, nein. Wenn das Land Ihnen bereits vor der Ehe gehört hat, dann bleibt es auch Ihr Eigentum und geht nicht in das gemeinschaftliche Eigentum mit Ihrem Ehemann ein. Beim Tod Ihres Ehemannes würde es nicht zur Erbmasse gehören. Allenfalls können mögliche familienrechtliche Ansprüche (sog. Zugewinnausgleich) eine Rolle spielen. Aber hier entstehen nur Geldansprüche wegen etwaiger Wertsteigerungen; auch hier haben die Kinder nicht das Recht, einen Bruchteil vom Haus zu verlangen.
Erbrecht, Erbe, Testament Alles geregelt für den Ernstfall?

Frankfurt (Oder) / Cottbus

Ich bin Witwe, besitze Haus und Grundstück und habe eine Tochter, die einmal alles erben wird. Nun überlege ich, meiner Tochter schon zu Lebzeiten das Grundstück zu übertragen. Hätte das Vorteile?
Das kommt auf den Wert von Haus und Grundstück an. Ihre Tochter hat einen allgemeinen Erbschafts-/Schenkungssteuerfreibetrag von 400.000 Euro. Ist das Haus mehr wert als dieser Betrag, sollte man tatsächlich über eine Schenkung nachdenken, die aber an bestimmte Bedingungen geknüpft sein könnte. Sie könnten sich ein lebenslanges Wohnrecht bzw. ein Nießbrauchrecht einräumen lassen.

Finanzamt berücksichtigt Kapitalwert

Beim Nießbrauch können Sie Haus und Grundstück weiter nutzen wie bisher, nur das Eigentum geht auf Ihre Tochter über. Dieses vorbehaltene Recht hat einen sog. Jahreswert. Dieser Jahreswert wird kapitalisiert, d.h., der Jahreswert wird mit einem Faktor multipliziert, der sich grob an der statistischen (Rest-)Lebensdauer des Berechtigten orientiert. Diesen sich dann ergebenden Kapitalwert zieht das Finanzamt bei der Berechnung des Wertes der Schenkung – vereinfacht gesprochen – ab. Der Jahreswert orientiert sich im Kern daran, was Sie für eine vergleichbare Wohnung an Miete (kalt) zu zahlen hätten. Um diesen Betrag sinkt dann der Wert der Schenkung. Für Details hierzu sollte im Einzelfall anhand eines konkreten Entwurfs ein Steuerberater befragt werden. Es gibt mitunter weitere Steuerprivilegierungen, die mit einem Steuerberater besprochen werden sollten.
Dr. Stephan Szalai, Notar der Notarkammer Brandenburg
Dr. Stephan Szalai, Notar der Notarkammer Brandenburg
© Foto: Notarkammer Brandenburg
Unser Vater hat meinen Bruder und mich testamentarisch zu seinen Erben bestimmt. Einige Zeit nach seinem Tod überreichte mir plötzlich meine Nichte ein getipptes Vermächtnis unseres Vaters. Hat dieses überhaupt Gültigkeit?
Ein Vermächtnis ist eine Anordnung des Erblassers, mit der der Erblasser seinen Nachlass bzw. Teile hiervon zuweist. Damit bedarf es der Form eines Testamentes oder Erbvertrages. Ein nur maschinenschriftliches Vermächtnis (egal ob unterschrieben oder nicht) genügt hierfür nicht. Bei solchen Laien-Verfügungen ist weiter oft schon unklar, ob mit der Zuweisung des wesentlichen Nachlassgegenstandes nicht sogar eine Erbeinsetzung gewollt war. Da man nach deutschem Recht grundsätzlich keine Einzelgegenstände vererben kann (sondern allenfalls als Vermächtnis einzelnen Personen zuwenden kann), ist hier die Auslegung der Verfügung problematisch. Auch wenn hiermit eine Erbeinsetzung gewollt sein sollte, ist diese Verfügung maschinenschriftlich unwirksam. Ein Testament (und hierin enthalten auch etwaige Vermächtnisse) muss von dem Erblasser eigenhändig ge- und unterschrieben oder notariell beurkundet sein. Insofern wäre das Schriftstück, das Ihre Nichte in der Hand hat, nicht gültig und für Sie und Ihren Bruder als Erben nicht relevant.
Wir besitzen eine Eigentumswohnung. Da unser Sohn sich von uns abgewandt hat, also keinerlei Kontakt besteht, wollen wir als Erben nach dem Letztversterbenden seine Kinder einsetzen. Er soll nichts bekommen. Wie müssten wir da vorgehen?
Auch wenn Ihr Sohn von Ihnen enterbt, also in einem Testament nicht bedacht wird, hat er einen Pflichtteilsanspruch. Dieser kann ihm auch nicht ohne Weiteres entzogen werden, nur weil Sie keinen Kontakt mehr miteinander haben. Da muss es schon sehr viel schwerwiegendere Gründe geben. Bedenken sollten Sie auch, dass, wenn Sie sich als Ehepartner gegenseitig zu Erben einsetzen, Ihr Sohn nach beiden Elternteilen Pflichtteilsansprüche stellen kann. Diese werden bei der gegenseitigen Erbeinsetzung unnötig hoch (nämlich unnötig hoch nach dem Zweitversterbenden).

Im Interesse der Enkel das Gespräch suchen

Vielleicht ist doch in irgendeiner Weise eine Verständigung mit ihm möglich und Sie können ihn im Interesse der Enkelkinder zu einem Pflichtteilsverzicht bewegen. Im Gegenzug könnten Sie ihm ja einen entsprechenden finanziellen Ausgleich anbieten. Sollte das nicht möglich sein, suchen Sie bitte den Kontakt zu dem Notar Ihres Vertrauens, der mit Ihnen eine pflichtteilsreduzierende Gestaltung (bspw. durch Vor- und Nacherbschaften, Vermächtnisse oder Verfügungen zu Lebzeiten) bespricht und Ihnen eine entsprechende Gestaltung vorbereitet.
Unser Großvater hatte nach dem Tod seiner ersten Frau noch einmal geheiratet und seine zweite Frau als Alleinerbin eingesetzt. Beide sind inzwischen längst verstorben, aber nun verlangen die Angehörigen der zweiten Frau, dass wir die Grabstelle, auf der beide beerdigt sind, beräumen lassen, weil die Liegezeit abgelaufen ist. Müssen das nicht die Erben, also die Familie der zweiten Ehefrau, übernehmen?
Von wem die Friedhofsverwaltung die Kosten verlangen kann, richtet sich erst einmal nach dem Vertrag mit dem Friedhof, ggf. nach der Friedhofsordnung. Da die Erben Ihres Großvaters voll in dessen Position eingetreten sind (§ 1922 BGB – sog. Gesamtrechtsnachfolge), dürften die ersten Ansprechpartner die Erben Ihres Großvaters sein.
Wir haben ein Berliner Testament aufgesetzt und unsere Tochter als Schlusserbin benannt. Sie ist in zweiter Ehe verheiratet, aus der ersten Ehe hat sie eine Tochter, ihr Ehemann hat zwei Kinder aus erster Ehe. Wir möchten gern, dass unser Grundstück, wenn die Tochter verstirbt, nur an unsere Enkeltochter übergeht, der zweite Ehemann und dessen Kinder davon nicht partizipieren. Ist das möglich?
Möglich wäre dies schon – etwa durch eine komplizierte Vor- und Nacherbschaftsregelung. Denkbar wären gegebenenfalls auch andere Lösungen – etwa durch Vermächtnis. Sie sollten dabei aber bedenken, dass dies mit vielen Beschränkungen für Ihre Tochter verbunden wäre, sie könnte dann ggf. nicht frei über das Grundstück verfügen. Denken Sie bitte noch einmal nach, ob Sie dies wirklich wollen. Haben Sie Vertrauen, dass Ihre Tochter verantwortungsvoll mit dem Erbe umgehen wird.
Ich bin seit einem Jahr Witwe. Da wir keine Kinder haben, hatten wir unsere Nichte als Schlusserbin bestimmt, uns im Testament jedoch vorbehalten, dass der überlebende Ehegatte Änderungen an der testamentarischen Verfügung vornehmen kann. Da sich die Situation verändert hat, würde ich gern davon Gebrauch machen und möchte eigentlich auch die Vorsorgevollmacht für die Nichte zurückziehen. Ist das möglich?
Jederzeit. Sie können die Vollmacht widerrufen und Ihre Nichte auffordern, Ihnen das Original bzw. die Ausfertigung der Urkunde auszuhändigen, sofern es sich in deren Händen befindet. Auch das Testament können Sie – wenn der Inhalt des Testaments so ist, wie angegeben – entsprechend ändern. Überlegen Sie bitte in Ruhe, wen Sie zum Erben bestimmen wollen.

Willen des Verstorbenen berücksichtigen

Berücksichtigen sollten Sie dabei auch, was wohl Ihr verstorbener Ehemann gewollt hätte. Wem Sie Ihr Vermögen hinterlassen, ob der Kirche, einer Stiftung oder dem Tierheim, das bestimmen Sie. Möglich ist natürlich auch, dass Sie Teile des Vermögens sozusagen „mit warmen Händen“ weggeben, also zu Ihren Lebzeiten verschenken. Lassen Sie sich Zeit mit der Entscheidung, damit Sie später nichts bereuen.
Wir sind eine Lebensgemeinschaft und haben vor Jahren zusammen ein Haus gekauft, sind beide gleichrangig im Grundbuch eingetragen. Aus unserer jeweils ersten Ehe haben wir je ein Kind. Wie können wir uns gegenseitig vor Forderungen der Kinder absichern für den Fall, dass einer verstirbt? Sollten wir zusammen ein Testament aufsetzen?
Ein gemeinschaftliches Testament können nur verheiratete Paare errichten. Und selbst wenn Sie sich jetzt entschließen würden zu heiraten, wäre die gegenseitige Erbeinsetzung nicht immer ratsam. Deshalb müsste derzeit jeder von ihnen ein eigenes Testament errichten. Die Kinder haben Pflichtteilsansprüche, aber immer nur nach dem Tod ihres eigenen Elternteils. Das ändert sich auch nach einer Heirat nicht. Das bedeutet ganz praktisch, nach dem Tod eines Stiefelternteils gibt es keine Pflichtteilsansprüche.
Wenn jeder von Ihnen ein Testament zu Gunsten des anderen Lebenspartner errichtet, heben Sie die gesetzliche Erbfolge auf und für das jeweils eigene Kind des Verstorbenen entstehen dann Pflichteilsansprüche und das in Höhe der Hälfte von sonst gesetzlichen Erbanspruch. Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich nochmals an einen Notar, eventuell auch an das zuständige Finanzamt oder einen Steuerberater Ihrer Wahl, denn Lebenspartner haben nur einen Steuerfreibetrag von 20.000 Euro.
Beate Niendorf, Notarin der Notarkammer BRandenburg
Beate Niendorf, Notarin der Notarkammer BRandenburg
© Foto: Notarkammer Brandenburg
Ich war viele Jahrzehnte verheiratet, bin aber vor fünf Jahren ausgezogen. Eine Scheidung lehnt mein Mann ab, da er nicht auf die Witwerrente verzichten will, wie er sagt. Würde er trotzdem erben, wenn mir jetzt etwas passiert oder wie kann ich dafür sorgen, dass meine Tochter meinen Nachlass hundertprozentig erhält?
Wenn Sie vor Ihrem Ehemann versterben und ein Testament hinterlassen, dass allein Ihre Tochter begünstigt, hätte Ihr Mann immer noch einen Pflichtteilsanspruch, den er auch notfalls einklagen könnte. Das können Sie nicht verhindern, es sei denn, dass es doch noch zu einer Scheidung kommt.

Schenkungen an die Tochter

Unter welchen Umständen eine Scheidung ohne sein Zutun in Frage kommt, kann Ihnen ein Rechtsanwalt in Vorbereitung auf eine Scheidung erläutern. Sie haben aber auch aktuell die Möglichkeit, Vermögensgegenstände zu Ihren Lebzeiten an Ihre Tochter zu übertragen und damit die Erbmasse und somit den Pflichtteil zu minimieren.
Mein Mann und ich sind jeweils in zweiter Ehe verheiratet. Beide haben wir jeweils einen Sohn mit in die Ehe gebracht. Wir haben zusammen ein Haus, allerdings ist nur mein Mann im Grundbuch eingetragen. Sollten wir ein Berliner Testament machen, um uns für den Todesfall abzusichern und beide Söhne gleich zu behandeln?
Für eine angestrebte Gleichbehandlung der Söhne müssten Sei erst einmal die Ausgangsvoraussetzungen ändern. Wichtig ist aber auch Ihre eigene Absicherung. Im Todesfall Ihres Mannes, ein Berliner Testament vorausgesetzt, würde nur der Sohn Ihres Mannes seinen Pflichtteil einfordern können. Ihr Sohn nicht. Wenn Sie zuerst versterben und Ihnen gehört ja laut Grundbuch nichts, erbt Ihr Mann und Ihr Sohn könnte aus Ihrem Nachlass den Pflichtteil fordern. Deshalb könnte erst Ihre Eintragung ins Grundbuch als hälftige Besitzerin für Parität bei den Söhnen sorgen und Sie selbst besser absichern.
Wir sind ein Ehepaar, seit 40 Jahren verheiratet, haben eine gemeinsame Tochter und haben ein Berliner Testament. Mein Mann hat aus erster Ehe noch zwei Töchter, zu ihnen aber seit Jahrzehnten keine Verbindung. Ich weiß, dass die beiden im Falle des Todes Ihres Vaters einen Pflichtteilsanspruch haben. Kann ich diesen ausschließen, indem man Ihnen jetzt schon eine Ablöse in Höhe der Summe des Pflichtteils bietet?
Ein Pflichtteil entsteht generell erst nach dem Erbfall, hier nach dem Tod Ihres Ehemanns. Sie können jedoch versuchen, einen Pflichtteilsverzicht zu erreichen, indem Sie das Gespräch mit den Töchtern suchen und eine Einigung anstreben. Allerdings sollte der Pflichtteilsverzicht notariell beurkundet werden, um rechtlich wirksam zu sein und Sie vor weiteren Ansprüchen zu bewahren. In dem Verzicht wird dann als Gegenleistung die vereinbarte Ausgleichszahlung aufgenommen. Wenn kein Verzicht zustande kommt, sollten Sie die Variante „Berliner Testament“ nochmals überdenken.
Wir sind ein Ehepaar, seit 56 Jahren verheiratet, haben zwei Töchter. Wir besitzen eine Immobilie, allerdings ist nur mein Mann im Grundbuch eingetragen. Mein Mann will kein Testament machen. Deshalb habe ich Angst, dass ich in seinem Todesfall das Haus verlieren könnte, ausziehen muss. Kann man dies verhindern?
Das wäre selbst dann schwierig, wenn es ein Testament gäbe, denn dann bliebe ja der Pflichtteilsanspruch der Töchter. Eine sichere Variante wäre nur, dass beide Töchter vor einem Notar ihren Verzicht auf ihren Pflichtteil nach dem Tod des Vaters erklären. Wenn das nicht gelingen sollte, bestünde die Möglichkeit der Übertragung eines halben Anteils des Grundstücks auf Sie, sodass sich der Pflichtteilsanspruch Ihres Mannes um diesen Anteil reduziert.
Wir haben zur Sicherheit, wenn einer von uns verstirbt, ein Berliner Testament gemacht, uns gegenseitig zu Erben eingesetzt und danach erst die Kinder. Reicht das aus?
Mit dem Berliner Testament haben Sie die gesetzliche Erbfolge verändert und sich gegenseitig zu Erben berufen. Ihre Kinder haben somit einen Pflichtteilsanspruch nach beiden Elternteilen, den sie geltend machen könnten, es sei denn, es wird ein Pflichtteilsverzicht erklärt, indem sich die Kinder verpflichten, nach dem Ableben des ersten Elternteils keinen Pflichtteilsanspruch zu stellen.

Verschlechterung der Vermögenslage

Es kann jedoch nach dem Erbfall des Längstlebenden von Ihnen sein, dass die Vermögenslage sich verschlechtert hat, durch Krankheit und Pflege, sodass sich auch der Anspruch Ihrer Kinder dann minimiert, was die Kinder wissen sollten. Dieser Verzicht wäre aus Beweisgründen notariell zu beurkunden.
Worin besteht der Unterschied zwischen testamentarischem Vermachen, Schenkung oder Überlassung?
Ein Testament tritt immer erst nach dem Tod des Testierenden in Kraft. Eine Schenkung ist eine Übergabe zu Lebzeiten und dies ohne Gegenleistung. Bei einer Überlassung gibt es Gegenleistungen. Im Fall einer Immobilie kann dies beispielsweise ein Wohnrecht sein.
Meine Oma ist kürzlich verstorben. Erbberechtigt wären meine Mutter und ihre Schwester. Da meine Mutter schon lange tot ist und ich ihr einziger Abkömmling bin, steht uns der Nachlass zu gleichen Teilen zu. Meine Tante weicht auf Nachfrage dem Thema aus. Was kann ich tun?
Erst einmal muss die Erbfolge nachgewiesen werden. In Ermanglung eines Testaments können Sie beim Notar oder auch Nachlassgericht einen gemeinschaftlichen Erbschein nach der gesetzlichen Erbfolge beantragen. Mit diesem bekommen Sie Auskunft über die Höhe des Nachlasses, beispielsweise bei der Bank.
Unsere Eltern sind bereits im Vorjahr verstorben. Mein Bruder hatte eine Vollmacht und wohnt bereits seit Jahren mit in dem Haus der Eltern. Es gibt ein Testament, in dem wir beide als gleichberechtigte Erben stehen. Mein Bruder tut aber nichts, um dies zu erfüllen. Welche Möglichkeiten habe ich?
Sie sollten sich nochmals an Ihren Bruder wenden und nach dem Testaments fragen. Dem Inhalt sollten beide Parteien dann folgen. Wenn Sie mit Ihrem Anliegen nicht weiterkommen, bleibt Ihnen nur der Gang zu einem Fachanwalt für Erbrecht, um Ihre berechtigten Forderungen durchzusetzen. Und damit sollten Sie nicht lange warten, wenn nach einem Gespräch keine Bewegung in die Erbsache kommt, Ihr Bruder das Testament nicht offenlegt.
Mein Mann ist 2021 verstorben. Wir hatten schon vor langer Zeit ein Berliner Testament von einem Notar fertigen lassen, da mein Mann aus erster Ehe drei Kinder hat. Nach der Testamentseröffnung haben sich diese drei Erben aber noch nicht wegen ihres Pflichtteils gemeldet. Muss ich diesen ungefragt auszahlen?
Nein, das müssen Sie nicht. Ab Kenntnis des Erbfalls haben die Pflichtteilsberechtigten drei Jahre Zeit, um Ihre Ansprüche geltend zu machen. Da bleibt noch etwas Zeit. Sie können entweder in die Offensive gehen und die drei Erben ansprechen oder einfach abwarten, vielleicht verjähren die Ansprüche auch. Das ist Ihre Entscheidung.
Wir haben keine direkten Erben. Was sollten wir als Ehepaar beispielsweise mit unserem Haus tun, wenn auch der zweite von uns verstirbt?
Diese Entscheidung sollten Sie sich gut überlegen und bereits jetzt entsprechende Regelungen treffen. Im ersten Schritt sollten Sie für Sicherheit sorgen, wenn ein Partner verstirbt und ein entsprechendes Testament errichten. Möglich wäre dann natürlich, sich in der weiteren Verwandtschaft umzusehen nach einem Erben. Wenn dies nicht Ihren Wünschen entspricht, dann kann man auch etwas an gemeinnützige Einrichtungen vererben.

Entscheidung nicht vorschnell treffen

Ich würde aber nach der gegenseitigen Absicherung keine schnellen Entscheidungen treffen, denn es ist ja auch möglich, dass man im Alter Pflege benötigt und dafür dann etwas verkaufen muss oder an jemanden weitergeben möchte, der ausdauernd unterstützt. Ich würde nach dem ersten Sicherungsschritt alles weitere situationsabhängig machen, wohlwissend, dass bei Testierunfähigkeit im Alter des Längstlebenden dann die gesetzliche Erbfolge eintreten würde.
Ich bin fast 90 Jahre alt und habe vor zwei Jahren mein Testament gemacht und dieses demjenigen ausgehändigt, der erben soll. Inzwischen habe ich mir das aber nach einem Vorfall anders überlegt. Derjenige will aber das Testament nicht mehr herausgeben. Was kann ich tun?
Zu Lebzeiten sollte man kein Testament an den Erben herausgeben. Aber Sie können natürlich neu testieren, handschriftlich und mit aktuellem Datum versehen plus gleichzeitig den Widerruf des anderen Testaments ausdrücklich erklären. Besser und sicherer wäre es jetzt, dies bei einem Notar zu machen, damit Sie sich auch sicher sein können, dass der Widerruf gültig ist. Gleichzeitig hätten Sie die Sicherheit der Hinterlegung dieses neuen Testaments beim zuständigen Nachlassgericht,sowie das Anzeigen des letzten Willens beim Zentralen Testamentsregister.
Mein Mann ist seit einiger Zeit ein Pflegefall, sitzt im Rollstuhl. Gemeinsam besitzen wir ein Haus, aus dem ich aber nach seinem Tod keinesfalls ausziehen will, um vielleicht die Erbansprüche seiner Kinder aus erster Ehe zu erfüllen. Kann man dies irgendwie verhindern?
Wenn Ihr Mann noch geschäftsfähig ist, dann können Sie ein Testament zu Ihrer Absicherung errichten. Ein Notar kommt auch ins Haus, wenn es auf Grund körperlicher Gebrechen nicht möglich ist, einen Notar aufzusuchen. Allerdings bleiben in dem Fall stets die Pflichtteilsansprüche der Kinder Ihres Mannes bestehen, was jedoch lediglich die Hälfte des sonst nach der gesetzlichen Erbfolge zustehenden Anspruchs ist.
Wir sind ein Ehepaar. Ich habe zwei Kinder mit in die Ehe gebracht, mein Mann hat keine Kinder und wir haben auch keine gemeinsamen Nachkommen. Wie sähe die Teilung der Erbmasse aus, wenn ich oder er sterben?
Wenn Sie sterben und es gibt kein anderslautendes Testament, dann tritt die gesetzliche Erbfolge ein, Ihr Mann erbt die Hälfte, die andere Hälfte teilen sich Ihre beiden Kinder. Verstirbt Ihr Mann zuerst, dann steht Ihnen die Hälfte seines Besitzes als Erbe zu und für die andere Hälfte müssten Erben aus seiner weiteren Verwandtschaft ermittelt werden. Mit einem Testament könnte diese gesetzliche Erbfolge geändert werden. Sie könnten sich gegenseitig besser absichern, dann die Kinder. Hier müsste aber ein Notar individuell zu den Möglichkeiten beraten.
Ich habe als Erben nur meinen Sohn. Muss ich ein Testament machen?
Das müssen Sie nicht. Allerdings erspart ein notarielles Testament dem Erben dann das Anfordern eines Erbscheines, was durch die Beschaffung von Urkunden längere Zeit dauern kann.
Fragen und Antworten entstammen einem Telefonforum mit Dr. Stephan Szalai und Beate Niendorf, beide Notare der Notarkammer Brandenburg.