Ferropolis: Gräfenhainichen - Heimat schlummernder Giganten aus Eisen
Die „Stadt aus Eisen“ liegt inmitten des Gremminer Sees. Hier haben die mehrere Hundert Tonnen schweren Maschinen bis vor 30 Jahren noch fossiles Sedimentgestein aus der umliegenden Erde des Tagebaus Golpa-Nord gefördert. Der fast 60 Jahre alte, und 80 Meter lange Eimerkettenbagger „Mad Max“ war zeitweise sogar im Lausitzer Braunkohlerevier im Einsatz.
Mittlerweile sind die Riesen selbst so etwas wie Fossilien. Sie dienen Tagesbesuchern als Zeugen Jahrzehnte alter Technikgeschichte. Auch die ehemalige 30-KV-Station kündet von ihr. Wo einst die Abraumgeräte mit Strom versorgt wurden, befindet sich heute ein Museum. Eine Schaltwarte, zahlreiche Fotos und technisches Gerät geben Einblick in den Alltag des Braunkohleabbaus. Dazwischen: der Skelettabguss eines 120 000 Jahre alten Waldelefanten. Das Original wurde 1987 im benachbarten Tagebau Gröbern ausgegraben.
Eigentlich sollten die Bagger nach der Stilllegung des Tagebaus Anfang der 1990er-Jahre demontiert und verschrottet werden. Für Studierende des nahe gelegen Bauhauses in Dessau entwickelten sie sich jedoch zu gern besuchten Objekten der Faszination, erzählt Ferropolis-Geschäftsführer Thies Schröder. Eine Diplomarbeit erörterte schließlich die Möglichkeit, die Bagger als Zeitzeugnisse museal zu erhalten.
Im Jahr 1995 wurde Ferropolis Regionalprojekt der Expo 2000 und die „Stadt aus Eisen“ offiziell gegründet. Eingeweiht wurde das Areal im Sommer 2000 durch ein Konzert des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis. „Dass es ein Kulturort ist, war also schon in den Köpfen“, sagt Schröder.
Denn die „Stadt aus Eisen“ hat sich seither zu einem beliebten Standort für Live-Unterhaltung entwickelt. Die Schaufelradbagger wurden so zur Kulisse von Motorsport-Events, Triathlons und mehreren Festivals – darunter die populären Melt und Splash.In der Corona-Krise mussten jedoch nicht nur die Großveranstaltungen abgesagt werden. „Es gibt diese Saison eigentlich nicht“, meint Schröder. Genauere Kalkulationen hätten Verluste von bis zu einer halben Millionen Euro ergeben. Verluste, die bleiben. „Wir können nächstes Jahr ja nicht einfach zwei Mal Melt abhalten.“ Die teilweise Wiederöffnung des Geländes für Tagesbesucher Ende April helfe in dieser Situation.
Ausflugsziel für Freizeitsportler
Zusätzlich werde über Alternativen nachgedacht. Das Areal liegt im weiteren Einzugsgebiet von Cottbus und Berlin. In der Nähe befinden sich der Naturpark Dübener Heide, das Biosphärenreservat Mittlere Elbe sowie die Lutherstadt Wittenberg. Skater finden hier ideale Bedingungen vor, und der vorbeiführende Europaradweg R1 macht die tropfenförmige Halbinsel auch für Radfahrer attraktiv.
Das wolle man sich zu Nutze machen, sagt Schröder. „Wir überlegen, wie man zielgerichtet Angebote machen kann. Wenn wir hier ein großes Festival haben, campen und übernachten in der Gegend bis zu30 000 Leute. Insofern würden wir eine deutlich kleinere Auslastung ganz gut hinbekommen.“
Bevor es soweit ist, könnenBesucher schon einmal in die Geschichte der Braunkohleförderung eintauchen und die Giganten aus Eisen bewundern – im Falle von "Gemini“ sogar von Innen. Das 125 Meter lange Ungetüm ist über Rampen erschlossen und eröffnet einen atemberaubenden Blick über seine Artgenossen und die Spuren, die sie in der Landschaft hinterlassen haben.
Öffnungszeiten, Anfahrt und Eintrittspreise
Das Freilichtmuseum Ferropolis ist für Besucher wieder zu den regulären Öffnungszeiten geöffnet: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr sowie an den Wochenenden bis 19 Uhr. Das in Gäfenhainichen gelegene Areal ist von der Autobahn A9 aus über die Abfahrt Dessau Ost sowie über die Bundesstraße 107 zu erreichen.
Der Eintritt beträgt sechs Euro für Erwachsene, ermäßigt drei Euro. Für Kinder unter sechs Jahren ist der Eintritt frei.⇥hem
Info: www.ferropolis.de



