Filmdorf
: Der Bürgermeister von Freudenberg über die Dreharbeiten von „Unterleuten“

Beiersdorf-Freudenberg in Märkisch-Oderland hat sein Dorfbild einer ZDF-Verfilmung des Romas von Juli Zeh geliehen.
Von
Ulrich Thiessen
Freudenberg
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Schauspielerin Miriam Stein, Schriftstellerin Julie Zeh und Schauspielerin Sarina Radomski vor der Preview des ZDF-Mehrteilers "Unterleuten" im Februar. Der Film wurde in Beiersdorf-Freudenberg gedreht.

Soeren Stache/dpa

Herr Huwe, haben Sie schon den Dreiteiler „Unterleuten“ gesehen?

Ich kenne bislang nur den ersten Teil. Ich war zusammen mit meiner Frau Mitte Februar zur Premiere in der brandenburgischen Landesvertretung in Berlin.

Wie viel von Ihrer Gemeinde haben Sie in dem Film wiedererkennen können?

Die Hauptansicht des Film-Dorfes mit seiner Kirche, das ist eindeutig Freudenberg. Gedreht wurde aber auch in Beiersdorf und in Nachbarorten wie Willmersdorf. Insgesamt, das haben wir auf der Premiere erfahren, soll es zehn Drehorte in Brandenburg gegeben haben. Aber unsere Gemeinde ist immer wieder zu erkennen und unsere Einwohner sind auch als Komparsen im Film zu sehen.

Das Buch von Juli Zeh handelt von dörflichen Konflikten etwa um den Bau von Windrädern. Haben Sie so etwas in Ihrer Gemeinde erlebt?

Auf unserer Gemarkung stehen 24 Windräder. Aktuell sind zwölf neue Anlagen in Planung. Ein Teil davon soll im Wald errichtet werden. Natürlich gibt es dabei die üblichen Konflikte. Es geht um die Beeinträchtigung der Sicht, um Lärm und nicht zuletzt um den Brandschutz. Dazu haben unsere Bürger Fragen und es regt sich zum Teil Widerstand.

Wer profitiert bei Ihnen von den Einnahmen aus den Windrädern?

In erster Linie natürlich diejenigen, die die Flächen in den Windeignungsgebieten besitzen. Anders als im Buch oder im Film profitiert die Gemeinde nicht von der Gewerbesteuer. Die Windparkbetreiber sitzen irgendwo in den Städten, jedenfalls nicht bei uns. Wenn wir die Steuern hätten, sähe es mit der Akzeptanz ganz anders aus. Ich weiß, dass einiges unternommen werden soll, dass die Gemeinden partizipieren. Aber ob das ausreicht? Wir versuchen mit den Firmen vertraglich zu vereinbaren, dass Wege und Straßen auf deren Kosten erneuert werden.

Ist Ihre Gemeinde wie das Dorf im Film auch ein Sehnsuchtsort für stadtmüde Menschen aus der Hauptstadt Berlin?

Wir sind sehr stolz, dass wir eine wachsende Gemeinde sind. Wir haben zurzeit rund 600 Einwohner. Angefangen haben wir mit Lückenbebauungen und jetzt werden in Beiersdorf 16 neue Häuser errichtet. Wir hoffen auf junge Familien, die sich aktiv in unser Dorfleben einbringen. Wir haben hier ja auch einiges an Kultur und Vereinen zu bieten. Ein Beispiel für das Dorfleben: Nächste Woche werden wir uns den ersten Teil der Triologie als Public Viewing im Ortsteil Beiersdorf ansehen.

Hoffen Sie jetzt auf zahlreiche Filmtouristen, die das angeblich ideale brandenburgische Dorf besichtigen werden?

(Lacht) Nein, wir werden wohl kein Klein-Hollywood werden. Vor vier Jahren wurde hier schon mal ein „Polizeiruf“ gedreht und jetzt die drei Teile von „Unterleuten“. Ich verstehe schon, dass Beierdorf-Freudenberg für Filmschaffende einiges zu bieten hat. Und den Charakter wollen wir uns auch erhalten.

Konflikte, ausgetragen in Starbesetzung

"Das zerrissene Dorf" lautet der Untertitel der Romanverfilmung des ZDF. Unter der Regie von Matti Geschonneck ist ein Großaufgebot an Stars im Konflikt um drohende oder herbeigesehnte Veränderungen im Dorf zu erleben. Mit dabei sind Dagmar Manzel, Thomas Thieme, Christine Schorn, Jörg Schüttauf, Ulrich Noethen, Charly Hübner und Bjarne Mädel.

Der Roman von Juli Zeh erschien 2016 und spielt in einem fiktiven Ort im Havelland. In diesem Landkreis lebt die Autorin seit einigen Jahren. Zu sehen sind die drei Teile in der ZDF-Mediathek und Anfang kommender Woche auch im TV. ⇥thi