Flughafen in Berlin
: Warum der Tower in Tempelhof noch ein Geheimtipp ist

Der sanierte Tower am ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin bietet einzigartige Aussichten und spannende Einblicke in die Geschichte des imposanten Baudenkmals. Wir haben uns dort mal umgesehen.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Blick aus dem Temower / Dachgarten Abschlussfotos am 16.05.2023                                                  Foto: Claudius Pflug

In THF Tower saßen in Berlin einst die Fluglotsen und steuerten den Flugverkehr. Der Flughafen Tempelhof wurde in 2008 stillgelegt und wird zunehmend zum Veranstaltungsort ausgebaut.

Claudius Pflug/Tempelhof Projekt GmbH
  • THF Tower in Tempelhof: Wochenenden bis 31. März 2026 gratis geöffnet (10–17 Uhr).
  • Dachterrasse bei Eis/Wind geschlossen, 6. Etage mit Pop-up-Café bleibt offen.
  • Sanierter Kontrollturm bietet Ausblicke; Fahrstuhl aufs Dach, 600 m² Plattform.
  • Ausstellung „Ein weites Feld“ täglich 10–17 Uhr im „Check-in“, Eintritt frei.
  • Ab Ende Mai 2026 neue Schau „Lufthansa…1926–1945“ im THF Tower, dann Eintritt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Flughafen Tempelhof im Zentrum von Berlin ist immer noch ein Sehnsuchtsort. Den Blick weit über die ehemaligen Start- und Landebahnen bis an das Häusermeer am Horizont schweifen zu lassen, ist ein besonderes Erlebnis.

Perfektionieren kann man das auf dem sogenannten THF Tower, der bis Ende März immer an den Wochenenden kostenfrei zugänglich ist. Der ehemalige Kontrollturm der Fluglotsen am westlichen Kopfbau des monumentalen Flughafengebäudes – die Abkürzung THF steht für Tempelhof – wurde in den vergangenen Jahren saniert und für Besucher erschlossen.

Obwohl das denkmalgeschützte Bauwerk aus Muschelkalkplatten aus den 1930er-Jahren stammt, führt nun ein schicker Fahrstuhl direkt auf das Dach des Towers. Die 600 Quadratmeter große holzgetäfelte Aussichtsplattform hat allerdings auch zu den Besuchertagen nicht immer sicher geöffnet.

Schöne Aussicht im Warmen am Flughafen Tempelhof

Denn wenn es stark vereist oder zu windig ist, muss das Dach aufgrund der Sicherheitsvorgaben, so wie am vergangenen Wochenende (14./15.2), geschlossen werden, auch weil die Holzdielen bei Nässe recht rutschig werden können.

Bei den Besuchern führt das trotzdem nicht groß zu Verdruss. Bei den derzeitigen Temperaturen ist es auf dem Dach sowieso nicht gut auszuhalten. Wie schön, dass auch die sechste Etage ein Stockwerk tiefer zu einem Veranstaltungsraum ausgebaut wurde. Dort kann man gemütlich im Warmen ebenfalls die Aussicht in alle Himmelsrichtungen genießen.

Besucher haben es sich auf gepolsterten Quadern und Fensterbänken gemütlich gemacht, fläzen sich in große Sitzkissen und beobachten andächtig, wie sich die Spaziergänger auf dem riesigen Flugfeld in der Sonne verlieren. Vor dem mobilen Bistro-Stand mit feinem Barista-Cappuccino für 4,50 Euro bildet sich immer wieder eine neue Schlange.

Man muss in dem „Pop-up-Café“ aber nichts konsumieren. Besucher können auch einfach von Fensterbucht zu Fensterbucht flanieren, die Aussichten checken und Fotografien von Flugzeug-Klassikern anschauen, die inzwischen im Technikmuseum stehen.

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In der sechsten Etage des Towers am Flughafen Tempelhof wurde ein Ausstellungsraum mit „Pop-up-Café“ eingerichtet.

Maria Neuendorff

Während Eltern in der geschichtsträchtigen Großstadtoase chillen, erklimmen Kleinkinder ein mit Teppich und Kissen ausgelegtes Podest oder spielen an den Schließfächern Verstecken, in denen man Rucksack und Winterjacke deponieren kann. An einem Infotresen gibt es Kartenmaterial und ein Kinder-Quiz zum Mitmachen.

So erfahren die Besucher, dass schon die Nazis die Dächer des 1,2 Kilometer langen Flughafengebäudes ausbauen wollten. Allerdings zu Tribünen für rund 80.000 Menschen. Einen Eindruck von den geplanten Massen-Veranstaltungen geben die 13 monumentalen Treppenhäuser. Auch sie wurden aufgrund des Zweiten Weltkrieges nie ganz fertig gebaut.

Mehrere Zeitschichten in Tempelhof

Darum sollte man nach dem Besuch des THF Towers nicht wieder den Fahrstuhl nehmen, sondern Etage für Etage nach unten schreiten. Damit das überhaupt möglich ist, wurde in den steinernen Aufgang eine Stahltreppe eingehängt. 14 dünne, aber sehr stabile Zugstangen sowie Beton-Gewichte am Boden lassen die Besucher-Treppe quasi durch den alten Nazi-Rohbau schweben, ohne zu schwingen.

Die Klinkersteine der Treppenhauswände und die alten Stufen rechts und links dagegen blieben unverputzt, sodass mehrere Zeitschichten im Treppenhaus sichtbar werden.

Eines der insgesamt 13 gewaltigen Treppenhäuser am Flughafen Tempelhof in Berlin wurde begehbar gemacht, in dem man eine moderen Treppe in den urprünglichen .. einbaute.

Eines der 13 gewaltigen Treppenhäuser am Flughafen Tempelhof in Berlin wurde begehbar gemacht, in dem man eine moderne Stahltreppe in den 1930er-Jahre-Rohbau einhängte.

Maria Neuendorff

Wer mehr über die Geschichte des 2008 geschlossenen Flughafens erfahren will, kann danach noch eine U-Bahn-Station weiter am Platz der Luftbrücke die kostenlose Ausstellung im „Besucherzentrum Check-in“ anpeilen.

Die Ausstellung „EIN WEITES FELD. Der Flughafen Tempelhof und seine Geschichte“ im historischen Empfangsgebäude beleuchtet die Bedeutung des Tempelhofer Feldes und des Flughafens während der NS-Zeit, der Zeit der „Berliner Luftbrücke“ während des Kalten Krieges und der Alliierten. Sie wurde von der Stiftung Topografie des Terrors erarbeitet.

Ende Mai 2026 soll dann im THF Tower am U-Bahnhof Paradestraße die neue Ausstellung „Lufthansa. Berlin-Tempelhof 1926–1945. Zwischen ziviler und militärischer Luftfahrt“ anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums eröffnen. Ab dann wird wieder Eintritt verlangt.

„Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte der Lufthansa an ihrem einstigen Heimatflughafen von 1926 bis 1945 und wirft einen kritischen Blick hinter die Fassade eines vermeintlich zivilen Unternehmens“, erklärt Nina Mütze, Sprecherin der landeseigenen Tempelhof Projekt GmbH, die die Immobilie seit 2011 entwickelt.

Konzerte auf der Dachterrasse am Flughafen Tempelhof

Aus unterschiedlichen Perspektiven wolle man mit der neuen Schau die enge Verflechtung von Luftfahrt, Staat, Wirtschaft und Militär erzählen - von der Begeisterung für das Fliegen über den Aufbau einer geheimen Luftwaffe bis hin zur Rolle der Lufthansa in der Rüstungsproduktion und beim Einsatz von Zwangsarbeit.

Daneben sei ein breites Veranstaltungsprogramm geplant. Besonders im Sommer werde es auf und unter dem Dach auch Konzerte, Yoga-Sessions und ein Erzählcafé mit Zeitzeugen geben, kündigt die Sprecherin an.

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In einem Teil des Hauptgebäudes im ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin ist heute eine Ausstellung zur Geschichte des in den 1920er-Jahren eröffneten Airports untergebracht.

Claudius Pflug/Tempelhof Projekt GmbH

Doch nicht nur der Fluglotsen-Turm soll zu einem Ort für Kultur, Gewerbe und Begegnung entwickelt werden. Auf dem Flugfeld sowie in einigen Hangars finden schon seit Jahren Messen, Konzerte, Festivals, Sportevents, Theater- und Zirkus-Veranstaltungen statt.

Doch die vollständige Sanierung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes ist eine extrem teure Mammut-Aufgabe und kann im klammen Berlin nur in kleinen Schritten verfolgt werden. Schließlich ist der 1230 Meter lange bogenförmige Bau eines der längsten Gebäude Europas. Bei seiner Fertigstellung 1941 galt es als größtes Gebäude der Welt.

Bisher wurden 5100 Quadratmeter Massivdecke saniert. Besonders gefeiert wurde die Rückkehr des ebenfalls generalüberholten ikonischen Schriftzugs „BERLIN – TEMPELHOF“, der seit Oktober 2025 wieder vom Vorfelddach Richtung Flugfeld leuchtet.

Die Kosten für die komplette Sanierung des Baudenkmals werden auf bis zu zwei Milliarden Euro geschätzt. Dazu gehört die Ertüchtigung des Stahltragwerks, das das 1,2 Kilometer lange Halbrund des Flughafens zwischen den Kopfbauten West und Ost bildet. „Es ist nicht nur eine ingenieurtechnische Meisterleistung seiner Zeit, sondern auch eine absolute Besonderheit des Gebäudeensembles“, heißt es von der Tempelhof Projekt GmbH.

Flughafen Tempelhof Berlin

Das rund 1,2 Kilometer lange Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin gehört zu den längsten Bauwerken Europas. Die Dachterrasse befindet sich am westlichen Ende. Während sich die Dauerausstellung im „Check-in“ links vom ehemaligen Haupteingang befindet.

Wolfgang Kumm/dpa, Montage: Katrin Janetzko

Um das Stahltragwerk für eine vielseitige Nutzung fit zu machen, muss es ebenfalls umfassend energetisch saniert und in notwendigen Bereichen ertüchtigt werden. „Wir stehen hier vor dem Planungsstart“, sagt Sprecherin Nina Mütze.

Ein Herzensprojekt sei dabei auch eine Geschichtsgalerie am THF Tower. Ein schon vorhandener Laubengang auf dem Dach soll zur öffentlichen Besucherpromenade werden, in die dann Ausstellungselemente eingebaut werden. Dafür seien Anfang dieses Jahres Fördermittel beim Bund beantragt worden, der die Geschichtsgalerie bereits als förderungswürdig eingestuft habe.

Tempelhof Projekt GmbH                             Imagefotos                                                            am 20.05.2020                                                   Foto: Claudius Pflug

Auf dem Flugvorfeld und in den Hangars auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Claudius Pflug/Tempelhof Projekt GmbH

„2026 wird für uns daher ein spannendes Jahr, in dem wir Weichen für die Zukunft stellen“, betont Fabian Schmitz-Grethlein, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH. Auch im Programm- und Eventbereich wolle man den begonnenen Pfad der Standortaktivierung konsequent weitergehen. „So, dass wir den Flughafen Tempelhof immer weiter für die Berliner Stadtgesellschaft und ihre Gäste öffnen können.“

Termine und Öffnungszeiten

Die Dachterrasse des THF Tower & das Pop-up Café am Tempelhofer Damm 45 am U-Bahnhof Paradestraße (U6) sind bis 31. März 2026 jeweils am Sonnabend und Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet und kosten keinen Eintritt. Alle Termine www.thf-berlin.de

Bei schlechtem Wetter kann die Terrasse kurzfristig geschlossen sein – die sechste Etage und das Pop-up-Café bleiben aber geöffnet.

Wetterfest und täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet ist die Dauerausstellung „Ein weites Feld – Der Flughafen Tempelhof und seine Geschichte“ im Besucherzentrum „Check in“. Der Zugang erfolgt über den Eingang C2 rechts neben dem ehemaligen Empfangsgebäude am Platz der Luftbrücke 5.