Friedrich Schorlemmer ist tot: Theologe und DDR-Bürgerrechtler ist gestorben

Theologe und DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer ist tot.
Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpaAm Ende war es ruhig um ihn geworden. Aber leise war Friedrich Schorlemmer fast sein ganzes Leben nicht. Nun ist der Theologe und Bürgerrechtler gestorben.
Der bekannte Theologe und DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer ist am Sonntag im Alter von 80 Jahren gestorben. Das sagte der frühere Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Stephan Dorgerloh, der eng mit Schorlemmer zusammengearbeitet hatte, der Deutschen Presse-Agentur.
Schorlemmer engagierte sich stark in der Friedensbewegung und setzte sich für Abrüstung und soziale Gerechtigkeit ein. Seine Arbeit umfasste lokale und internationale Friedensinitiativen.
DDR-Bürgerrechtler Schorlemmer: Prominente Stimme im Widerstand
Er war eine prominente Stimme im Widerstand gegen das autoritäre DDR-Regime und eine Schlüsselfigur der friedlichen Revolution von 1989. Er gehörte zu den schärfsten Kritikern des Regimes und setzte sich für friedliche Proteste und Reformen ein. Mit seinem Aufruf zur Gewaltlosigkeit bei der Massendemonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz schrieb der Bürgerrechtler Geschichte.
Schorlemmer wurde am 16. Mai 1944 in Wittenberge (Brandenburg) geboren. In der DDR war er Repressalien ausgesetzt - durfte an der Schule kein Abitur machen und holte es an der Abendschule nach. Schließlich studierte er Theologie an der Universität in Halle. Mit friedlichen Protesten und gewaltlosem Widerstand, etwa beim Einmarsch der Sowjettruppen in die Tschechoslowakei, geriet er in das Visier der Staatssicherheit.
In der Zeit der friedlichen Revolution gehörte Schorlemmer zu den Mitbegründern des „Demokratischen Aufbruchs“ und trat 1990 in die SPD ein. Neben seiner Arbeit für die Evangelische Kirche engagierte er sich auch im Wittenberger Stadtrat.
„Die Demokratie ist wie ein Garten, wenn man den nicht pflegt, der verwildert sehr schnell“, sagte er einmal. Für seinen unermüdlichen Einsatz würdigte ihn die Stadt Wittenberg am 3. Oktober 2015 mit der Ehrenbürgerschaft. Der Linke-Politiker Gregor Gysi sagte bei dieser Gelegenheit über ihn: „Er ist absolut unkäuflich, unbequem, kritisch und lässt nie nach.“
Als Dozent und Autor war Schorlemmer für seine tiefgründigen theologischen Schriften und Reden bekannt. Er lehrte an verschiedenen theologischen Institutionen und trug zur geistigen Auseinandersetzung über die Rolle der Kirche in der Gesellschaft bei.
Auch im Ruhestand ließ der Friedenspreisträger und Autor zahlreicher Bücher nicht nach, seine Stimme für Demokratie und gegen Ausländerhass zu erheben. In Leipzig war er Mitinitator der „Stiftung Friedliche Revolution“.
Der Theologe scheute sich auch nicht, den Mächtigen die Meinung zusagen: Bundespräsident Joachim Gauck etwa - der am Ende der DDR ebenfalls der Bürgerrechtsbewegung angehört hatte - kritisierte er öffentlich wegen dessen Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Im Rückblick sagte er einmal: „Mein Leben war in Vielem nicht leicht, aber es war reich“.
Für seine Verdienste erhielt Schorlemmer zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1993 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die genauen Umstände seines Todes sind unbekannt.

