Fußball-EM 2024
: Per Zug nach Berlin – ist die Bahn auf Fan-Ansturm vorbereitet?

Tausende Fans werden zu den Spielen der Fußball-EM aus Deutschland, Polen, Österreich, Spanien oder Kroatien nach Berlin reisen. Wie sich Deutsche Bahn, S-Bahn und BVG darauf eingestellt haben.  Der Bahnhof Olympiastadion wurde schon aufgerüstet.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Ein S-Bahn-Zug der Baureihe 481 im EM-Design hält am S-Bahnhof Olympiastadion. Dort sollen zu den Spitzenzeiten nach EM-Spielen bis zu 13 Züge in der Stunde abfahren.

Eine S-Bahn im EM-Design hält am Bahnhof Olympiastadion. Dort sollen zu den Spitzenzeiten nach EM-Spielen bis zu 18 Züge in der Stunde abfahren.

picture alliance/dpa/ Andreas Gora

Spanien gegen Kroatien, Polen gegen Österreich, Niederlande gegen Österreich, Achtelfinale-Spiele und sogar das Finale der Fußball-Europameisterschaft (EM) 2024 finden zwischen 15. Juni und 14. Juli im Olympiastadion in Berlin statt. Tausende Fans werden also in die Hauptstadt reisen.

Die Deutsche Bahn (DB) ist offizielle Partnerin der EM und will mit besonderen Angeboten und mehr Zügen die An- und Abreise der Fans zu den EM-Spielen ermöglichen. Rund um die Spieltage soll es pro Tag rund 10.000 zusätzliche Sitzplätze in den ICE und Intercity-Zügen geben. „Allein 14 EM-Sonderzüge werden jeden Tag unterwegs sein“, heißt es vom Unternehmen.

Mehr S-Bahnen am Olympiastadion in Berlin an Spieltagen

Was Fahrten nach und von Berlin angeht, so werden unter anderem die Strecken Frankfurt (Main) – Berlin, Berlin – Leipzig/Erfurt, Hamburg – Berlin sowie Hamburg – Berlin – München verstärkt. „Ergänzt wird das Angebot um längere Züge sowie Züge, die an zusätzlichen Verkehrstagen eingesetzt werden“, erklärt eine DB-Sprecherin.

Was Regionalbahnen von Brandenburg nach Berlin und umgekehrt angeht, so wird es laut Verkehrsverbund (VBB) keine zusätzlichen Angebote geben. Dafür werden an den Spieltagen mehr S-Bahnen fahren. Für die An- und Abreise zu den sechs EM-Begegnungen im Berliner Olympiastadion verdreifacht sich die Kapazität. „Zwischen Innenstadt und Olympiastadion verkehren dann sechs statt zwei Züge innerhalb von 20 Minuten – fast alle drei Minuten ein Zug", heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Bahn. „Auf diesen Verbindungen fahren durchgängig S-Bahnen mit acht Wagen. Damit können pro Stunde rund 21.600 Personen in/aus Richtung Innenstadt und 7.200 in/aus Richtung Spandau mit der S-Bahn an- und abreisen."

Für die Fans, die in der Fanzone am Brandenburger Tor feiern wollen, bietet die S-Bahn auch auf der Stadtbahn und auf den wichtigen Nordsüd-Verbindungen mehr Fahrten an. Bei späten Spielen werden laut Unternehmen zur Abreise zwischen 23 und 2 Uhr zusätzliche Züge auf der S1 zwischen Gesundbrunnen und Schöneberg sowie auf der S5 zwischen Westkreuz und Mahlsdorf eingesetzt. Während des gesamten Turniers fahren die Züge im Innenstadtbereich auch im Abendverkehr und am Wochenende mit längeren Zügen.

An Spieltagen im Olympiastadion sowie bei Veranstaltungen auf der Fanzone am Brandenburger Tor beginnen der Nachtverkehr im 30-Minutentakt in den Nächten zu Sonnabend und Sonntag sowie die Betriebspause unter der Woche ca. eine Stunde später. Somit besteht auf allen Linien abends ein 20-Minutentakt bis ca. 2.00 Uhr, am Finaltag bis ca. 2.30 Uhr.

Damit sich Fahrgäste auch im Gewimmel und Gedränge am Bahnhof Olympiastadion besser zurechtfinden, hat die Deutsche Bahn rund drei Millionen Euro in größere Monitore mit Zuginformationen und eine bessere Bahnsteigbeleuchtung investiert. Insgesamt 30 neue und größere Monitore mit moderner LED-Technik sollen Fahrgästen mehr Informationen über die abfahrenden Züge bieten und sich leichter ablesen lassen.

Der S-Bahnhof Olympiastadion in Berlin hat fünf Bahnsteige und zehn Gleise. Nach EM-Spielen sollen hier alle drei Minuten ein Zug abfahren.

Der S-Bahnhof Olympiastadion in Berlin hat fünf Bahnsteige und zehn Gleise. Nach EM-Spielen soll hier alle drei Minuten ein Zug abfahren.

DB AG/Marian Günther

„Dank der neuen Anzeiger und besserer Beleuchtung finden sich unsere Fahrgäste am Bahnhof Olympiastadion noch besser zurecht“, sagt S-Bahnchef Peter Buchner. Darüber hinaus sei die S-Bahn-Leitstelle für Sonderverkehre mit sieben Arbeitsplätzen direkt am Olympiastadion umfassend modernisiert worden.

Mit der eigenen Sonderleitstelle koordiniert die S-Bahn Berlin rund 25 Mal im Jahr die zusätzlichen S-Bahn-Fahrten, mit denen Besucher von Großveranstaltungen an- und abreisen. In Absprache mit Bundespolizei und DB Sicherheit steuern die Disponenten der S-Bahn dort die Abfahrten der Züge teils alle drei Minuten und verteilen die Fahrgäste auf die zehn Abfahrtsgleise.

Doch auch für die An- und Abreise zur Fanmeile am Brandenburger Tor sind zusätzliche Fahrten geplant, erklärt ein Bahnsprecher auf Anfrage. Allerdings seien Linien und Taktung noch nicht klar.

Mehr U-Bahnen zum Olympiastadion in Berlin

Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen während der sechs EM-Spiele, die in der Hauptstadt stattfinden, Verstärkerzüge einsetzen. Das beginnt schon rund um die Fanfeiern in Mitte. „An den Spieltagen wird die U5 deutlich länger als üblich im dichten Takt unterwegs sein", heißt es von der BVG. "Bis zum Betriebsschluss fahren die Züge auf dem Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Frankfurter Allee alle fünf Minuten."

Für die An- und Abreise zum Stadion bekommt die Linie U1 zeitweise eine andere Linienführung. Wenn in Berlin gekickt wird, fährt sie von nachmittags bis in den Abend zwischen Warschauer Straße und Olympia-Stadion. Die Züge sind alle zehn Minuten unterwegs. Die U2 fährt alle 5 Minuten bis zum Stadionbahnhof (alle 10 Minuten weiter bis Ruhleben) und bis in den späten Abend im dichten Takt.

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Auf diese Linien sollen zu den Spielen der Fußball-EM Takte verstärkt werden.

BVG

Auf dem Abschnitt zwischen Wittenbergplatz und Olympia-Stadion fahren damit 18 U-Bahnen pro Stunde. Die U1 zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße pausiert in diesen Zeiten. Fahrgäste können auf diesem kurzen Ab-schnitt auf die Linienbusse der Linien M19 und M29 ausweichen.

Allerdings gibt es auch Einschränkungen bei der BVG: Durch das große Fanfest rund um das Brandenburger Tor kann die Buslinie 100 nicht fahren. Fahrgäste müssen auf die Linien 200 und 300 umsteigen. Diese fahren teils eine ähnliche Route und wurden laut BVG schon jetzt durch zusätzliche Fahrten tagsüber auf einen Zehn-Minuten-Takt verstärkt.

Vielleicht auch gut zu wissen: Die Anreise zum Olympiastadion mit Bus oder U- sowie S-Bahn ist für EM-Ticket-Besitzer kostenlos. Die 36-Stunden-Fahrkarte gilt im gesamten Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg jeweils von 6 Uhr am Spieltag bis 18 Uhr des Folgetages. Außerdem bietet die Deutsche Bahn Inhabern eines EM-Tickets Fahrkarten zum Preis von 29,90 Euro zum Spielort an.

20 Prozent mehr Sicherheitspersonal

Die Deutsche Bahn bereitet sich intensiv auf die Fußball-Europameisterschaft vor. Bundesweit sind rund um die Uhr knapp 6.000 Beamte der Bundespolizei und rund 4.500 Sicherheitskräfte für die DB im Einsatz, um Bahnkunden und Mitarbeitende zu schützen. Zur EM stockt die DB ihren Pool an Sicherheitskräften an den Bahnhöfen und in den Zügen um rund 20 Prozent auf.

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