Fußverkehr
: Frankfurt soll Vorbild für das Land sein

Frankfurt (Oder) soll Beispiel für ganz Brandenburg sein: Hier wird gerade eine Fußverkehrsstrategie entwickelt.
Von
Dorothee Torebko
Frankfurt (Oder)
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Von der Oderstadt aus soll eine Fußgänger-Strategie für ganz Brandenburg entwickelt werden.

Frank Groneberg

Frankfurt (Oder) soll Beispiel für ganz Brandenburg sein: Hier wird gerade eine Fußverkehrsstrategie entwickelt.

Bernd Herzog–Schlagks Sohlen müssten glühen. Mit der Frage: Wie gut sind die Fußwege in Frankfurt (Oder) eigentlich?, spazierte er zig Wege in der Oderstadt ab. Manchmal allein, manchmal mit seiner Frau. Der Mann aus Gransee (Oberhavel) ist Bundesvorstandsmitglied beim Fachverband FUSS e.V. und dafür zuständig, eine Fußverkehrsstrategie zu entwickeln. Sein Ziel: Frankfurt soll Vorbild für ganz Brandenburg werden.

Denn derzeit spielt der nicht–touristische Fußverkehr in den Kommunen eine untergeordnete Rolle. Zwar hat das Land im Rahmen der Mobilitätsstrategie 2030 auch ein Fußverkehrskonzept entwickelt, doch wurde bisher wenig umgesetzt. Der Lobbyverband FUSS gründete 2016 ein Projekt, wonach sich Orte aus ganz Deutschland als Modellstadt bewerben konnten. Wer ausgesucht wurde, hatte Glück: Die Experten erarbeiteten mit den Bürgern Ideen, wie die Situation verbessert werden kann. 70 Städte bundesweit wollten mitmachen, darunter auch sächsische und thüringische. Aus Brandenburg kam keine einzige Bewerbung.

Stadt steht ganz gut da

Warum ist das so?, fragte sich Herzog–Schlagk, der 30 Jahre lang Geschäftsführer bei FUSS war und schon Wanderrouten in Brandenburg mit konzipierte. Also fragte der Mann beim zuständigen Ministerium in Potsdam an, ob nicht Frankfurt ein geeigneter Ort sei, eine Strategie zu entwickeln und Maßnahmen zu erproben. Das Ministerium stimmte zu — los ging das Schlendern. „Frankfurt steht im Vergleich zu anderen Städten wie Chemnitz zum Beispiel ganz gut da“, sagt Herzog–Schlagk. „Aber es gibt Verbesserungspotential.“ Die Verwaltung hat schon aufgrund des Lärmschutz– und Luftreinhalteplans analysiert, dass es 15 Stellen gibt, die für den Fußverkehr mangelhaft sind. Herzog–Schlagk machte daraus drei Hauptachsen. Bis 2020 sollen hier Besserungsvorschläge umgesetzt werden.

Radler auf Gehwegen unterwegs

Ein Problem, das dem Lobbyisten sofort auffiel: In Frankfurt flitzen viele Radfahrer über die Gehwege — es kommt immer wieder zu Unfällen. Außerdem warten Fußgänger oft minutenlang an Ampeln, obwohl weit und breit kein Auto zu sehen ist. Auch gebe es zu wenig Zebrastreifen und Rollstuhlfahrer seien mit Treppen konfrontiert und müssten über Pflastersteine rattern. Finanziert werden soll das Ganze auch aus Ländermitteln. Wie viel der Oderstadt zur Verfügung steht, ist noch nicht benannt. Mit einer Verkehrsstrategie für Fußgänger könnte Frankfurt allerdings Vorbild für eine ganze Region werden.