Gamesweek
: Alles andere als Kinderkram

Von Spielekunst über eSports bis zum Zockerfest für die ganze Familie: Die Berliner Gamesweek steht in den Startlöchern.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Sieben Tage daddeln: Die Gamesweek Berlin erwartet in der kommenden Woche rund 15 000 Besucher. Digitales Spielen – ob auf dem Handy, Tablet oder der Konsole – ist laut Branchenverband längst kein Jugendphänomen mehr und zieht inzwischen auch immer mehr ältere Generationen an.

Grzegorz Karkoszka/Booster Space

Während der Gamesweek (8. bis 14. April) wird Berlin wieder zum Mekka für Videospiele–Fans. Mehrere Veranstaltungen des internationalen Branchentreffens sollen auch explizit  Privatbesucher anlocken. Dabei werden die Zocker in Deutschland immer älter.

Wenn die Spiele–Industrie mit Technologiecracks und der Kulturszene zusammen trifft und alle eine große Party feiern, dann ist wieder „Gamesweek“ in Berlin. In 14 verschiedenen Veranstaltungen an sieben Tagen wollen Entwickler zeigen, dass Videospiele heute nicht nur Jugendspaß, sondern auch Kultur– und Lehrmedium, Innovationstreiber, Sportangebot und sogar Therapiemittel sein können.

Gerade im Gesundheitswesen sieht die Branche ein starkes Verwertungspotenzial. So werden derzeit praktische Studien in Altersheimen durchgeführt, bei denen Senioren mit Kegel– oder Motorrad–Spielen Kopf und Motorik fit halten. Auch in der Hochleistungsmedizin würden immer mehr Zukunftstechnologien angewendet, die ihren Ursprung häufig in der Videospielentwicklung haben, betont Tim Rittmann, Programm–Direktor der Gamesweek. So könne beispielsweise ein Herzspezialist in New York über spezielle Videobrillen seinen Kollegen in aller Welt bei einer OP attestieren. Aber auch zum Thema Schmerztherapien per VP–Brille werde gerade geforscht. „Verbrennungsopfer werden dabei in eine virtuelle Eiswelt geschickt“, erzählt Rittmann. „Erste Ergebnisse zeigen, dass alleine aufgrund psychologischer Effekte die Beschwerden auch hinterher nachlassen.“

Aber auch der Bereich e–Sports wächst stark. Der Deutsche Fußballbund hat gerade die erste virtuelle Bundesliga–Saison für Vereine beendet und plant nun auch einen e–DFB–Pokal. Von der allgemeinen Dynamik in verschiedenen Verwertungsbereichen profitiert der deutsche Gamesmarkt. Auch im vergangenen Jahr ist er deutlich gewachsen ist — um neun Prozent auf rund 4,4 Milliarden Euro. Über 34 Millionen Menschen in Deutschland zocken inzwischen an Tablet, Handy oder PC, heißt es in aktuellen Zahlen des game–Verbands der deutschen Games–Branche. Dabei sei das Durchschnittsalter der Zocker inzwischen auf 36,4 Jahre angestiegen. „Fast zehn Millionen Gamer in Deutschland sind 50 Jahre und älter“, so Verbandschef Felix Falk.

Die Vielfältigkeit und Altersmischung soll auch die Berliner Veranstaltung aufzeigen, die ihr Hauptdomizil diesmal in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg aufschlagen wird. „Dort müssen sich Besucher auch nicht wie bei der Gamescom in Köln durch Horden von Teenagern drängeln“, sagt Programm–Direktor Rittmann.  Das „Gamesfest"  vom 12. bis 14. April sei beispielsweise speziell für die gesamte Familie konzipiert. Für einen Eintritt von sechs Euro (ermäßigt vier) können sich dort Opa, Mutter, Kind auf einer Ausstellungsfläche von 600 Quadratmeter austoben und sich von Entwicklern die Spiele erklären lassen. Es gibt Autorennen, virtuelle Abenteuer, Workshops und sogar eine Lesung.

Durchaus auch für Laien interessant ist das "AMaze“-Festival, das diesmal im SEZ in Friedrichshain stattfindet. In dem ehemaligen  DDR–Spaßbad präsentieren von 10. bis 13. April Kreative und Künstler aus über 35 Ländern ihre neusten Spiele–Kreationen. Premiere feiert dort unter anderem das Spiel "Enter Afrika“, ein Projekt des Goethe–Institutes mit Teilnehmern aus 15 afrikanischen Ländern. „Viele der heutigen Games sind nicht nur reine Unterhaltung, sondern enthalten oft auch einen politischen Kommentar“, erklärt Rittmann. Auf der Bühne werden unabhängige Spieleentwickler zu Diskussionen und Workshops erwartet. Zudem bietet das dreitägige Publikumsfestival (Eintritt ab zehn Euro) jeweils bis Mitternacht Performances, DJ– und Livemusik.

„Berlin hat sich im vergangenen Jahrzehnt zu einem führenden Standort der Computerspielebranche in Deutschland entwickelt“, findet auch der Regierende Bürgermeister Micheal Müller (SPD), der am Freitag das „Gamesfest“ in der Kulturbrauerei persönlich eröffnen will. Die Berliner Videospiele–Industrie präsentiere sich mit rund 200 Unternehmen, einer hervorragenden Infrastruktur, starker Förderung und exzellenten Ausbildungsmöglichkeiten als lebendiger und vielfältiger Standort.

„Die Politik lässt das große Potenzial der Hauptstadtregion für die Games–Branche derzeit noch größtenteils ungenutzt“, sagt dagegen Jens Begemann vom „game Berlin–Brandenburg“. Der Regionalverband war erst am Dienstag gegründet worden, um konkrete Forderung wie beispielsweise ein verbessertes Standort–Marketing zu formulieren.

Das Programm unter: www.gamesweekberlin.com