Gehalt in Brandenburg: Geld verdienen und sparen – der Vergleich zu Berlin

Brandenburg und Berlin im Vergleich: Wo sind die Gehälter höher? Wo wird mehr Geld ausgegeben? Und wo wird mehr gespart? (Symbolbild)
Patrick Pleul/dpaFrüher war alles besser. Früher waren die Leute glücklicher. Früher gab es weniger Probleme. Dieses Gefühl haben viele Menschen. Man könnte es Gegenwartspessimismus nennen. Doch auch wenn viel Schlimmes geschieht – Corona, Krieg in der Ukraine, Energiekrise –, gibt es ebenso eine Vielzahl an positiven Entwicklungen.
Eine davon: Der Wohlstand wächst konstant. Menschen überall auf der Welt verdienen mehr Geld, können dementsprechend mehr kaufen und sparen – auch hier in Brandenburg. Das zeigen Daten vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg und das erklärt auch Jan Schnellenbach. Er ist Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer, forscht und lehrt seit 2014 als Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre – insbesondere für Mikroökonomik – an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Begriffe wie „Primäreinkommen“, „Verfügbares Einkommen“, „Private Konsumausgaben“ und „Sparquote“ gehören zu seinem Geschäft. Dieser Beitrag beleuchtet sie mithilfe des Volkswirtschaftlers etwas genauer – und nimmt Brandenburg und Berlin im Vergleich genauer unter die Lupe.
Das durchschnittliche Einkommen in Brandenburg und in Berlin steigt konstant
Zunächst das Primäreinkommen: Sowohl in Brandenburg als auch in Berlin steigt es recht konstant; in Berlin zwischen 1991 und 2021 um 91,09, in Brandenburg sogar um 222,65 Prozent.
Primäreinkommen und Bruttoeinkommen
● Primäreinkommen / Markteinkommen: Gehalt und weitere Vermögenserträge, zum Beispiel aus Zinsen oder Dividenden, Miete oder Pacht
● Bruttoeinkommen: Primäreinkommen sowie auch Transferzahlungen (staatliche Zahlungen, die ohne eine Gegenleistung des Empfängers erfolgen, zum Beispiel Sozialversicherungen, Kindergeld oder Ausbildungsbeihilfen)
Jan Schnellenbach erklärt das mit zwei unterschiedlichen Entwicklungen: Zum einen sorge Inflation dafür, dass alles langsam teurer werde. Mit der gleichen Summe Geld – dem Nominallohn – könne in Folge dessen weniger gekauft werden. Die sogenannte Kaufkraft sinke und das werde als Reallohnverlust bezeichnet. „Um diesem Verlust entgegenzuwirken, drängen die Arbeitnehmer in Lohnverhandlungen darauf, zumindest Lohnerhöhungen zum Erhalt der Kaufkraft zu bekommen. Damit sind sie auch oft erfolgreich. Sie verdienen dann mehr Geld als vorher – auch wenn sie davon nicht zwangsweise mehr kaufen können“, so Schnellenbach.
Wettbewerb führt zu höheren Löhnen
Zum anderen, führt er aus, lasse technischer Fortschritt unsere Arbeit immer produktiver werden. Auch dadurch könnten höhere Löhne durchgesetzt werden. Hinzu komme: „Unternehmen befinden sich immer auch im Wettbewerb um Arbeitnehmer. Dieser Wettbewerb treibt sie dazu an, Lohnerhöhungen zu gewähren, die aber langfristig nicht höher als der Produktivitätsfortschritt sein können – sonst würde es sich für die Unternehmen nicht mehr lohnen.“ So steige sowohl der Nominal- als auch der Reallohn und es komme ein kontinuierlich steigender Aufwärtstrend, was das Einkommen angeht, zustande. „Es gibt nur sehr selten negative Produktivitätsentwicklungen. Das beobachtet man nur in absoluten Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn wegen Krieg oder Unruhen Unternehmen ihre Produktionsstätten in einem Land abbauen“, sagt Schnellenbach. Unter diesen Umständen werde aber tendenziell nicht der Lohn gesenkt, sondern eher eine vorübergehende Arbeitslosigkeit in Kauf genommen.

Prof. Dr. Jan Schnellenbach forscht und lehrt an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.
Jan SchnellenbachDas Primäreinkommen der Brandenburger liegt konstant unterhalb dem der Berliner, steigt aber deutlich schneller an. Dieses Aufholen Brandenburgs gegenüber Berlin erklärt sich Schnellenbach vor allem dadurch, dass viele gutverdienende Haushalte aus der Mittelschicht von Berlin ins Umland ziehen und somit auch das Einkommen im Speckgürtel und in Brandenburg allgemein steigt.
Das Verfügbare Einkommen liegt in Brandenburg jedoch über dem in Berlin
Wenngleich das Primäreinkommen in Brandenburg unter dem in Berlin liegt, sieht das beim Verfügbaren Einkommen in Brandenburg anders aus. Von 1991 bis 2021 stieg dieses in Brandenburg um 200,73, in der Hauptstadt „nur“ um 73,4 Prozent. Damit hat Brandenburg Berlin beim Verfügbaren Einkommen überholt. Wie kann das sein?
Verfügbares Einkommen
● Verfügbares Einkommen: der Teil des Einkommens, der nach Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen übrigbleibt
Jan Schnellenbach erklärt: „In Berlin gibt es mehr Haushalte mit sehr hohen Einkommen. Die ziehen den Durchschnitt der Primäreinkommen nach oben, werden aber auch stärker besteuert, sodass der Durchschnitt der verfügbaren Einkommen stärker gedrückt wird. Dazu kommen auf der anderen Seite noch die Transfers. Renten und andere Sozialtransfers spielen für die Haushalte in Brandenburg eine größere Rolle als für die in Berlin.“
In Brandenburg geben die Menschen nun mehr Geld für privaten Konsum aus als in Berlin
Die Menschen in Brandenburg und auch in Berlin geben für privaten Konsum – trotz eines punktuellen Corona-bedingten Abfalls – recht konstant immer mehr Geld aus. Im Jahr 2018 waren die privaten Konsumausgaben der Menschen in Brandenburg das erste Mal höher als die der Menschen in Berlin. Von 1991 bis 2021 stiegen sie in Brandenburg um 184,7 Prozent und in Berlin lediglich um 70,28 Prozent.
Private Konsumausgaben
● Statistisches Bundesamt: „Ausgaben für Essen, Wohnen, Bekleidung, Gesundheit, Freizeit, Bildung, Kommunikation, Verkehr sowie Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen“
Laut Jan Schnellenbach passt dieser recht starke Anstieg der Privaten Konsumausgaben zu dem eben betrachteten, ebenso sehr starken Einkommensanstieg im Land Brandenburg. „Das ist also grob die Entwicklung, die man mit steigendem Einkommen erwartet“, sagt er. Wo zunehmend mehr Geld verdient wird, kann auch mehr Geld ausgegeben werden.
Brandenburg spart weniger – aber im Verhältnis recht viel
Weil es 2019 und 2020 Corona-bedingt zu einem Abfall der Privaten Konsumausgaben kam, stieg die Sparquote folgerichtig sowohl in Brandenburg als auch in Berlin stark an und sank danach wieder etwas ab. Ganz generell ist ein deutlicher Aufwärtstrend bei der Sparquote in Brandenburg aber nicht zu übersehen.
Über die vergangenen 30 Jahre näherten sich die Brandenburger den Berlinern dabei immer weiter an, überholten die Bewohner der Hauptstadt beim Sparen sogar zwischenzeitlich. Von 1991 bis 2021 stieg die Sparquote in Brandenburg um 92,86 Prozent, in Berlin nur um 27,05.
Sparquote
● Sparquote: wie viel des verfügbaren Einkommens prozentual auf das Sparen verwendet werden kann
Volkswirtschaftler Schnellenbach führt als Begründung die unterschiedliche Altersstruktur der beiden Länder an. Auch die Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg belegen: „In Berlin bilden die 30- bis unter 35-Jährigen die zahlenmäßig stärkste Altersgruppe. Im Land Brandenburg sind es die 55- bis unter 60-Jährigen.“ Junge Menschen sparen in der Tendenz weniger als alte. Sie haben weniger Möglichkeiten dazu und denken oft auch noch nicht so weit in die Zukunft. So erklärt sich, weshalb in Brandenburg bei einem im Vergleich zu Berlin niedrigen Primäreinkommen verhältnismäßig viel gespart wird.
Die größeren Entwicklungsschritte macht Brandenburg
Die Brandenburger bleiben zwar, was das (Primär-)Einkommen anbelangt, weiterhin hinter den Berlinern zurück. Bei den Privaten Konsumausgaben und der Sparquote holen sie aber immer weiter auf. Außerdem verzeichnen sie in allen vier Kategorien – Primäreinkommen, Verfügbares Einkommen, Private Konsumausgaben, Sparquote – von 1991 bis 2021 die weitaus größeren Entwicklungsschritte.
Beide Länder erleben, was das Einkommen betrifft, einen „langsamen, kontinuierlichen Trend nach oben“, wie Jan Schnellenbach es formuliert. Alles war früher also doch nicht besser.
In diesem Text wird an vielen Stellen von den Durchschnittswerten gesprochen. Der Wohlstand wächst beispielsweise im Durchschnitt und nicht in jedem einzelnen individuellen Fall. Um den Lesefluss nicht zu stören, wurde dies allerdings nicht an jeder Stelle einzeln betont. Das gilt es zu beachten.