Gesundheit: Erkrankung der Prostata - welche Behandlung hilft

Ein Mitarbeiter betrachtet in einem Kontrollraum des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) auf einem Monitor das Querschnittsbild einer Prostata. In welchem Abstand sollten Männer zur Vorsorge gehen?
Uwe Anspach/dpa- Prostatakrankheiten können durch regelmäßige Vorsorge erkannt und behandelt werden.
- Hohe PSA-Werte erfordern ärztlichen Rat; Biopsien und mpMRT helfen bei der Diagnose.
- Behandlungen umfassen Hormontherapie, Bestrahlung und medikamentöse Optionen wie Tamsulosin.
- Operationen wie die Entfernung der Prostata erfolgen oft mit dem da Vinci-Roboter.
- Gleason-Score und PSA-Screening sind entscheidend für die Therapieplanung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist ein Tabu-Thema, betrifft aber zahlreiche Männer: Veränderungen der Prostata, die in ein Krebsstadium übergehen können. Bei einer Telefonaktion sind zahlreiche Anrufer ihre Fragen und Sorgen zu Behandlungen, Gefährdungen und verschiedenen Therapieansätzen losgeworden. Von Dr. Sören Promnitz vom Klinikum Markendorf und Ralph Schrader vom Werner Forßmann Klinikum Eberswalde Eberswalde erhielten sie versierte Antworten.
Der bei mir gemessene PSA-Wert steigt und steigt, ist jetzt bei 31. Daraufhin wurde eine Biopsie veranlasst. Allerdings wurde dabei nichts im Gewebe gefunden, was auf Krebszellen hindeutet. Heißt das nun Entwarnung in Sachen Krebs?
Es ist nicht ungewöhnlich, dass auch eine Entzündung den PSA-Wert nach oben treibt. Deshalb rate ich hier zu einer zweiten Kontrollmessung. Auch die Biopsie würde ich nach 12 bis 18 Monaten wiederholen lassen. Dann würde ich aber nicht zur standardisierten Form raten, sondern gezielter vorgehen. Das ermöglicht ein mpMRT (multiparametrische Magnetresonanztomografie), das zur bildgebenden Diagnose von Prostatakrebs eingesetzt wird.
Bei dieser Untersuchung verabreichen Radiologen ein Kontrastmittel, es werden mehrere Parameter miteinander kombiniert und so kann man dann bei der Biopsie gezielter zugreifen auf „verdächtige“ Stellen im Gewebe.
Jährliche Vorsorge im Alter angebracht
Wegen eines Prostatakarzinoms bin ich 2017 bestrahlt worden und nehmen seitdem Tabletten. Der PSA-Wert ist über die Jahre gesunken. Zwischen März und Juni stieg er aber von 0,71 plötzlich auf 1,14. Mein Urologe hat angedeutet, dass er anstelle der Tabletten eine Hormonspritze einsetzen will. Ich mache mir Sorgen vor einem Rückfall.
Ihr Urologe wird vermutlich eine dritte Messung abwarten und dann gemeinsam mit Ihnen eine Entscheidung treffen. Bei einem weiteren deutlichen Anstieg des PSA-Wertes wird er bei Verdacht auf einen Rückfall gegebenenfalls auch eine Hormontherapie einsetzen.
Ich bin Anfang 70 und gehe jedes Jahr zum Urologen zur Vorsorge. Reichen nicht auch alle zwei Jahre aus, zumal die Bestimmung des PSA-Wertes auch eine IGEL-Leistung, also zu bezahlen ist?
In Ihrem Alter halte ich eine jährliche, urologische Vorsorge für richtig. Mittlerweile gibt es auch gute Daten zum PSA-Screening, leider ist eine PSA-Screening-Untersuchung immer noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Wichtig sind die zusätzliche, urologische Untersuchung und das anschießende ärztliche Gespräch über Ihre Befunde insbesondere zum Verlauf.
Welche Medikamente helfen
Seit bei mir vor Jahren eine gutartige Prostatavergrößerung festgestellt wurde, bekomme ich als Medikament Tamsulosin. Das vertrage ich jetzt scheinbar nicht mehr so gut, leide unter Schwindel und habe das Gefühl, dass das Sehen schlechter wird. Gibt es gleichwirkende andere Präparate?
Das sollten Sie zeitnah mit Ihrem Urologen besprechen, denn Alternativpräparate (zum Beispiel Cialis) gibt es durchaus. Ebenfalls rate ich Ihnen zu einem Untersuchungstermin beim Augenarzt. Medikamente haben in der Regel Nebenwirkungen und für Tamsulosin ist bekannt, dass es die Iris verändert. Man spricht hier umgangssprachlich von flatternden Pupillen, die in der Folge das Sehen beeinträchtigen. Lassen Sie dies unbedingt untersuchen.
In Kürze muss ich mich einer Krebsoperation an der Prostata (Entfernung) unterziehen. Ich habe aus anderen Gründen Probleme mit Vollnarkosen. Gibt es da auch andere Möglichkeiten, beispielsweise über das Rückenmark?
Prostataentfernungen werden in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt, auch bei Einsatz des Operationsroboters da Vinci. Das hat vor allem mit der Dauer der Operationen zu tun, die in der Regel zwischen zwei und vier Stunden liegen. Das kann man schon durch die notwendige Körperlage bei der Operation nicht über das Rückenmark absichern. Aber Ihre Probleme mit der Narkose können Sie im Vorfeld ausführlich mit dem betreuenden Anästhesisten besprechen und gemeinsam eine Lösung suchen.
Was bedeutet der Gleason-Score?
Ich hatte vor drei Jahren eine Prostataoperation, in diesem Jahr nochmals. Im untersuchten Gewebe wurden auch Krebszellen gefunden. Der PSA-Test war aber nicht auffällig. Wäre zur Krebsbeseitigung jetzt eine erneute Operation notwendig oder eine Bestrahlung besser?
Diese Frage kann man ohne weiteres Faktenwissen nicht seriös beantworten. Dafür muss man den Gleason-Score kennen. Dieser Wert beschreibt medizinisch die Aggressivität des Tumors, also wie schnell er wächst oder ob er eher harmlos ist. Liegt dieser Wert zwischen 6 und 7A, dann kann bei regelmäßig überwachender Kontrolle abgewartet werden.
Alles was aber mit 7B, acht oder neun sowie mehr angegeben wird, das verlangt unbedingtes Handeln, sei es nun durch eine Operation oder Bestrahlung. Fragen Sie Ihren Arzt nach dem Gleason-Score und führen dann das Gespräch, was bei Ihren körperlichen medizinischen Gegebenheiten der beste Weg wäre.

Ralph Schrader, Facharzt für Strahlentherapie am Werner Forßmann Klinikum Eberswalde, gibt Hinweise zu Behandlungsmöglichkeiten.
Annegret KrügerBei mir soll eine vollständige Prostataentfernung erfolgen. Was passiert dabei mit mir im OP-Roboter da Vinci?
Das klingt sehr nach futuristischer Vorstellung. Also Sie werden nicht in einen Roboter geschoben, der Sie dann operiert. Bei uns im Bereich der Urologie des Frankfurter Klinikums führen wir bereits seit 2022 roboterassistierte Operationen aus. Das System ermöglicht weniger Schnitte, eine perfekte dreidimensionale Sicht und höchste chirurgische Präzision und genau das sind die Vorteile für die Patienten. Das steuernde Gehirn bleibt aber der menschliche Operateur.
Die Maschine ist nur unser neuer ausführender Arm. Komplikationen, die jeder Eingriff im menschlichen Körper mit sich bringt, unterscheiden sich von denen vor dem Robotereinsatz. Sie haben sich zahlenmäßig durch die oben genannten Vorteile verringert. Insbesondere im Bereich Kontinenz- und Potenzraten gibt es wesentliche Verbesserungen - statistisch gesehen, aber eben auch nicht hundertprozentig.
CT und Knochenscan spüren Metastasen auf
Vor zehn Jahren bereits wurde ich an Prostatakrebs operiert, bestrahlt danach. Über all die Jahre war mein PSA-Wert stabil, steigt nun aber stetig wieder an. Ich bin zwar im achten Lebensjahrzehnt, aber sportlich, gesund, ohne andere Krankheiten. Mein Urologe meint aber mit dem Blick auf mein Alter, dass bei der vermutlichen Rückkehr des Krebses nichts mehr gemacht wird. Muss ich das so akzeptieren?
Ich würde hier zwischen dem kalendarischen und dem biologischen Alter unterscheiden. Wenn Sie gesund sind ansonsten und die medizinischen Behandlungen durchaus Lebensqualität bringen können, dann sehe ich Altersgrenzen nicht so starr.
Aber als ersten Schritt müsste man bei Ihnen genau diagnostizieren, was den PSA-Wert stetig erhöht, ob es wirklich ein Rezidiv ist, also die Rückkehr des Krebses. Ein CT vom Bauchraum und ein Knochenscan könnten Metastasen aufspüren. In der Folge müsste dann die Aggressivität des Krebses ermittelt werden, darüber gibt der Gleason-Score Auskunft.
Findet man etwas bei den Untersuchungen, dann muss ein für Sie zugeschnittener Plan der Behandlung erstellt werden. Die Bandbreite reicht dabei von Bestrahlung bis zum kontrollierten Abwarten.
Mein Mann ist 85 Jahre alt und sehr krank, auch dement, ich pflege ihn. Bei einer urologischen Untersuchung wegen seiner vergrößerten Prostata wurde auch ein sehr hoher PSA-Wert gemessen. Deshalb wurde eine Biopsie empfohlen. Jede medizinische Behandlung ist bei seinem Gesundheitszustand aber mit größeren Problemen behaftet. Ist so ein Eingriff wirklich notwendig?
Als ersten Schritt würde ich erst einmal eine zweite Messung des PSA-Wertes veranlassen, etwa 1 Monat nach der ersten. Auch Entzündungen können den PSA-Wert in die Höhe schnellen lassen, deshalb wäre eine solche Zweitkontrolle vor einer Biopsie eine Möglichkeit, dies auszuschließen. Bleibt der Wert erhöht, dann ist natürlich die Entscheidung über eine weitere Behandlung schwierig, müsste genau abgewogen werden, um nicht mehr zu schaden als Nutzen zu erzielen.
Sie kennen am besten die Lebenseinstellung Ihres Mannes, besprechen Sie das in diesem Sinne mit den behandelnden Ärzten. Fragen Sie den Urologen nach Medikamenten, da sehe ich noch Hilfsmöglichkeiten. Es gibt Arzneien, die an zwei Baustellen gleichzeitig ansetzen, also die Prostata verkleinern und damit vielleicht auch das Krebswachstum dämpfen.
Operation oder Bestrahlung?
Bei mir ist durch feingewebliche Untersuchungen ein Prostatakarzinom mit einer Aggressivität von 3 plus 4 gefunden worden. Lymphknoten waren nicht befallen. Ich habe aber Bedenken vor einer Bestrahlung, weil ich nichts kaputt machen lassen möchte. Mit meinen 73 Jahren bin ich ansonsten noch sehr fit.
Bei Ihrem Befund handelt es sich am ehesten um ein Prostatakarzinom mit einem mittleren Risiko bzw. mit einem in der Histologie festgestellten Gleason 3 + 4 = 7a. Bei einem auf die Prostata begrenztem Krebsleiden mit mittlerem Risiko sind die primäre Operation und die primäre Strahlentherapie grundsätzlich gleichwertig in ihrer Sicherheit.
Bei beiden Therapieverfahren können Nebenwirkungen auftreten, die unterschiedlich sind. Bei der Strahlentherapie sind unter anderem Nebenwirkungen am Enddarm (erhöhter Stuhldrang/Proktitis) und an der Harnblase (häufiges Wasserlassen, Brennen beim Wasserlassen) möglich, die in der Regel nach der Strahlentherapie wieder rückläufig sind. Am wichtigsten ist eine gute Beratung durch Ihren behandelnden Urologen, gegebenenfalls ist auch eine zusätzliche strahlentherapeutische Zweitmeinung sinnvoll.

Sören Promnitz, Chefarzt Urologie am Klinikum Frankfurt (Oder), spricht unter anderem über die Bedeutung der PSA-Werte.
Sophie Keller/Klinikum MarkendorfMein Bruder ist wegen eines Prostatakarzinoms operiert worden. Zwischendurch bestand der Verdacht, dass der Krebs an der Wirbelsäule gestreut hat. Er hatte in dem Bereich schon eine Bandscheiben-OP. Weil der Verdacht auf ein Rezidiv bestand, wurde ein PET-CT durchgeführt, bei dem es an der Wirbelsäule und in der Prostataloge Tumorverdacht gab. Eine Biopsie am Wirbelkörper fiel negativ aus. Meinem Bruder wurde eine Strahlentherapie angeraten, fünfmal pro Woche und über acht Wochen lang. Inwieweit ist solch eine Therapie geeignet, den Krebs zu heilen? Der PSA-Wert schwankt zwischen 6 und 8.
Wenn die Prostata entfernt wurde, geht man davon aus, dass der PSA-Wert in den Null-Bereich sinkt. Ein PSMA-PET-CT zeichnet sich durch eine hohe Spezifität und Sensitivität aus, mit dem sich u.a. Metastasen und Rezidive des Prostatakarzinoms unter bestimmten Umständen nachweisen lassen. PSMA ist eine schwach radioaktive Substanz und steht für Prostata-Spezifisches-Membran-Antigen.
Der PSMA-PET-CT-Befund zeigt offensichtlich ein Lokalrezidiv in der Prostataloge und eine Wirbelkörpermetastase. Beide Regionen können durch eine Strahlentherapie grundsätzlich behandelt werden.
Bei den wenigen Informationen, die mir zu Ihrem Bruder vorliegen, lässt sich nicht eindeutig sagen, ob noch eine definitive Heilung möglich ist, sie ist aber auch nicht auszuschließen.
Wenn es einen Rückfall gibt
Im Januar wurde mir die mit einem Krebsherd befallene Prostatablase entfernt. Nach der Reha war der PSA-Wert bis Mai auf 0,08 gesunken. Danach stieg er auf den zehnfachen Wert an und hat im August 0,11 erreicht. Lymphknoten sind nicht befallen, es gibt keine Metastasen. Ich wurde zur Strahlentherapie überwiesen. Gibt es dazu eine Alternative? Ich habe auch ein Hormonpräparat erhalten.
Die Veränderung der Werte lässt darauf schließen, dass Sie einen Rückfall des Prostatakarzinoms in der Prostataloge haben. Das sieht Ihr Arzt auch so, wenn er zur Strahlentherapie rät. Gegebenenfalls ist bei einem weiteren PSA-Anstieg eine PSMA-PET-CT zusätzlich sinnvoll in Abhängigkeit von der Entwicklung des PSA-Wertes insbesondere unter der schon laufenden Hormontherapie.
Die Untersuchung muss in der Regel vorher bei der Krankenkasse beantragt werden, manchmal kann diese auch über eine ASV (Ambulante Spezialärztliche Versorgung) erfolgen. Das Ergebnis erhöht die Sicherheit, ob es sich bei Ihnen um einen lokalen Rückfall handelt. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch.
Begleiterscheinungn der Chemotherapie lindern
Im Frühjahr ist bei mir ein Karzinom in der Prostata festgestellt worden. Bei einer Szintigraphie wurde eine Streuung in den Knochen festgestellt. Eine Hormontherapie habe ich gut vertragen, ich bin 73 Jahre alt. Inzwischen habe ich eine erste Chemophase hinter mir. Da ging es mir zwei Tage gut, dann zehn Tage sehr schlecht. Ich schmecke auch nichts mehr.
Der Weg ist grundsätzlich der richtige und Sie sollten auf jeden Fall weitermachen. Sie hören sich noch vital an, die Therapie hat das Ziel, Ihre Lebenszeit zu verlängern, Lebensqualität zu erhalten und Tumorsymptome zu verhindern. Möglicherweise wird man es nicht schaffen, alle Tumorzellen zu beseitigen. Doch mit sehr vielen, neuen, innovativen Medikamenten können die Folgen der Erkrankung verringert werden.
Die Chemotherapie ist für Sie sicher sehr anstrengend. Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Behandler über Ihre Beschwerden sehr offen sprechen und diese möglichst präzise beschreiben. Meist geht es um Abgeschlagenheit und Müdigkeit, um Gliederschmerzen oder Übelkeit. Ihr Arzt kann häufig durch eine Anpassung der Begleitmedikamente die Beschwerden lindern. Manchmal ist auch eine Anpassung der Therapie sinnvoll möglich.



