Gesundheit
: Viele Babys in Brandenburg leiden an einer Entzündung durch Windeln

Überdurchschnittlich viele Babys in Brandenburg leiden laut einer Studie der Krankenkasse Barmer an einer mitunter schweren Entzündung der empfindlichen Pobacken.
Von
Guido Bohsem
Berlin
Jetzt in der App anhören

Mehr frische Luft für den Popo – das fordert die Dermatologin der Barmer. Brandenburg schneidet in einer aktuellen Untersuchung schlecht ab.

Christin Klose/dpa

In schweren Fällen sei die Haut, so beschreibt es Utta Petzold, Dermatologin bei der Barmer Krankenkasse, nicht nur gereizt und jucke, sondern könne sich zusätzlich auch noch mit Bakterien oder Pilzen infizieren. In Deutschland leide fast jedes zehnte Baby und Kleinkind bis zu drei Jahren  an einer derartigen Infektion, heißt es in einer Untersuchung der Barmer, die der „Märkischen Oderzeitung“ vorliegt. Vor allem betroffen – Mädchen und Jungen in Brandenburg.

Hierzulande diagnostizieren die Ärzte 12,4 Prozent der Kinder mit einer akuten Windeldermatitis – zum Vergleich: In Hamburg waren es lediglich 6,5 Prozent. Der Wert liegt zudem deutlich über dem  bundesweiten Schnitt von 9,5 Prozent: Windelalarm in der Mark. Schon bei der vorhergehenden Studie aus dem Jahr 2006 litten mit 11,8 Prozent überdurchschnittlich viele Babys in Brandenburg an einer mitunter schweren Entzündung der empfindlichen Pobacken. Dass dieser Wert 2018 noch einmal angestiegen ist, überrascht auch die Experten der Barmer. Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern war das auch der Fall. In allen anderen Bundesländern sank die Zahl der ärztlich festgestellten Fälle von Windeldermatitis.

„Einige Regionen mit vormals sehr häufig diagnostizierter Windeldermatitis weisen inzwischen unterdurchschnittliche Quoten auf“, sagt Barmer-Expertin Petzold: „Vor diesem Hintergrund ist es umso bedenklicher, dass die Betroffenenrate in manchen Bundesländern (…) sogar gestiegen ist.“ Die Suche nach der Ursache dieser regional unterschiedlichen Entwicklungen der in den Pampers steckenden Kinderpopos verlief für die Experten im Sand. „Die massiven Unterschiede sind rein medizinisch nicht erklärbar“, sagte Petzold. „Dass der Anteil der betroffenen Kleinkinder in manchen Bundesländern fast doppelt so hoch ist wie in anderen, lässt Fragen offen.“

In diesem Zusammenhang warnte die Expertin davor, die Lage in den Höschenwindeln zu unterschätzen – und schneller zu reagieren. Von der Dermatitis betroffene Kleinkinder weinen nämlich nicht nur häufiger und schlafen schlechter. „Wird sie nicht umgehend behandelt, besteht die Gefahr, dass sie sich großflächig ausbreitet  und die medizinische Behandlung immer schwieriger wird“, so Petzold. Im schlimmsten Fall drohten Gewebeschäden.

Viel frische Luft

Der beste Rat gegen eine dauerhafte Entzündung der Popos ist nach Petzolds Aussagen: viel frische Luft. Anhand der Daten der Barmer zeige sich nämlich, dass die Erkrankung im Winter deutlich häufiger auftrete als im Sommer. So wurden die meisten Fälle zwischen Oktober und März festgestellt. In den Monaten, in denen es im Schnitt 15 Grad Celsius oder wärmer war, ging die Zahl der Erkrankungen jedoch deutlich zurück. „Gerade in der Winterzeit kommt die Windelzone zu selten an die frische Luft“, urteilt Petzold. Stattdessen würden zu oft Pflegeprodukte verwendet.

Dabei sei es auch in der kalten Jahreszeit ratsam, dass die Babys nicht permanent gewickelt würden, sondern sich auch ohne Windel etwa auf der Krabbeldecke bewegen dürften, so Petzold. Das durchlüfte die Haut und beuge Entzündungen vor. Petzold forderte die Eltern zudem eindringlich auf, die Kinder nicht jeden Tag zu baden, und beim Putzen des Popos reiche in der Regel ein feuchter Waschlappen, der in etwas Baby- oder Mandelöl getaucht sei, völlig aus. Einer Dermatitis könne man häufig auch durch  regelmäßiges und zeitnahes Wechseln der Windel vorbeugen.

Auch ältere Menschen sind betroffen

In ostdeutschen Flächenländern scheint Windeldermatitis verstärkt ein Problem zu sein. Eine Windeldermatitis ist ein Hautausschlag in der Windelregion. Typischerweise sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen. Aber auch ältere, inkontinente Menschen können an einer Windeldermatitis leiden. In vielen Fällen ist die Haut zusätzlich von Pilzen befallen. In manchen Fällen kann sich die Windeldermatitis auf benachbarte Hautareale (beispielsweise Oberschenkel, Rücken, Unterbauch) ausbreiten. Mediziner sprechen in solchen Fällen von Streuherden. Einem Windelausschlag kann durch einfache Methoden vorgebeugt werden. ⇥red