Gigafactory Grünheide: Tesla laut Nonnemacher so stark kontrolliert wie niemand sonst

Ein Mitarbeiter der Tesla Gigafactory in Grünheide arbeitet an einer Fertigungslinie: Recherchen haben zuletzt offenbart, dass die Arbeitsbedingungen in der Fabrik des US-Konzerns nicht gut sind.
Patrick Pleul/dpaBrandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat Vorwürfe entschieden zurückgewiesen, wonach Behörden Teslas Gigafactory in Grünheide zu wenig kontrollieren beziehungsweise bei Missständen wegschauen würden. „Ich kann Ihnen versichern, es gibt in ganz Brandenburg kein Unternehmen und keine Großbaustelle, die intensiver und häufiger kontrolliert worden ist als die Tesla–Baustelle“, sagte Nonnemacher am Mittwoch (4.10.) im Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz.
In der Arbeitsschutztätigkeit ihres Ministeriums sei das Tesla–Werk bei Berlin ein „absoluter Schwerpunkt“. Jeder Arbeitsunfall sei einer zu viel. Auch deshalb führe man „umfangreichste Überprüfungen“ durch, so die Ministerin weiter. Jedem Hinweis auf Verstöße gegen Arbeitsschutzgesetze werde nachgegangen.
Nonnemacher: Vorwürfe gegen Behörden sind unwahr
Die in dem „Stern“-Artikel geäußerten Vorwürfe gegen brandenburgische Landesbehörden seien erheblich und schwer, so die Grünen–Politikerin weiter. Dabei nannte Nonnemacher beispielhaft die in dem Text des „Stern“ genannten Vermutungen, dass die Behörden Probleme bei Tesla kaschieren und dabei zusehen würden, wie der E–Autobauer Mensch und Natur gefährdet. Diesen Vorwürfen wolle sie entschieden entgegentreten, es handele sich hierbei nicht um die Wahrheit. „Wir behandeln das Unternehmen Tesla wie jedes andere, die kriegen bei uns keinen Rabatt und keine Vorzugsbehandlung, sondern die werden intensiv geprüft“, so die Ministerin.
Die Tesla–Fabrik sei in der Bauphase wöchentlich kontrolliert worden und inzwischen fänden Besichtigungen etwa alle zwei Wochen statt, berichtete der zuständige Abteilungsleiter im Landesamt, Marian Mischke. Hinzu kämen alle sechs bis acht Wochen anlassbezogene Kontrollen ohne Ankündigung. So habe es 2021 insgesamt 48 Besichtigungen bei Tesla gegeben, im vergangenen Jahr 40 und in diesem Jahr bislang 19 Kontrollen.
Arbeitsunfälle bei Tesla wegen Stolpern und Stürzen
Verglichen mit anderen Autoherstellern gebe es bei Tesla keine auffällige Häufung von Arbeitsunfällen, betonte Mischke. Bei den 190 Arbeitsunfällen von Juni bis November 2022 habe es sich größtenteils um Bagatellunfälle durch „Stolpern, Stürzen und Anstoßen“ gehandelt. Anhaltspunkte für eine mangelhafte Arbeitsschutzorganisation seien nicht erkannt worden. Bei der Beurteilung müsse auch berücksichtigt werden, dass es bei Tesla einen Parallelbetrieb von Baustelle und Produktion gebe, erläuterte Mischke. Und beim Bau der Fabrik seien mehrere hundert unterschiedliche Firmen tätig gewesen.
Nach den Veröffentlichungen des „Stern“ in der vergangenen Woche steht der US–Autobauer Tesla vermehrt in der Kritik. Dem Bericht zufolge wird in der Gigafactory in Grünheide regelmäßig gegen Gesetze zum Arbeitsschutz verstoßen. Außerdem würde es immer wieder zu Havarien auf dem Fabrikgelände kommen, das sich zu großen Teilen in einem Trinkwasserschutzgebiet befindet.
Der Landkreis Oder–Spree äußerte sich nach dem kritischen Medienbericht dahingehend, dass die Havarien keine negativen Folgen für das Grundwasser gehabt hätten. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte den Konzern von Elon Musk zu mehr Transparenz auf. Tesla solle den Arbeits– und Umweltschutz sehr ernst nehmen.


Teslas Werk in Grünheide bei Berlin sollte ein „Juwel für die Region“ werden. Anderthalb Jahre nach Eröffnung der Gigafactory ist davon wenig geblieben. Die Rede ist von Havarien und Arbeitsunfällen.