Tesla in Grünheide: 3000 Mitarbeiter ‒ plant Elon Musk massiven Abbau von Stellen?

Blick am frühen Morgen auf die Tesla-Autofabrik. Weltweit plant der Konzern einen massiven Stellenabbau. Auch Jobs in Grünheide sollen betroffen sein.
Jörg Carstensen/dpaTesla-Chef Elon Musk will einem Bericht zufolge angesichts der Flaute auf dem E-Automarkt weltweit mehr als ein Zehntel aller Stellen im Unternehmen streichen. Die Gigafactory Grünheide soll sogar noch stärker von dem Stellenabbau betroffen sein. Es sei sehr wichtig, sich jeden Aspekt im Unternehmen hinsichtlich Kosten und Produktivität anzusehen, zitierte das Branchenportal Electrek am Montag (15.4.) aus einer internen Mail des Firmenchefs.
Nach einer eingehenden Prüfung habe das Unternehmen entschieden, die Stellenanzahl um mehr als zehn Prozent zu senken. Über die Mail berichtete auch das „Handelsblatt“. Tesla beschäftigte nach eigenen Angaben Ende des vergangenen Jahres gut 140.000 Mitarbeiter.
Tesla liefert weniger Fahrzeuge
Tesla bekommt den Preiskampf auf dem größten Automarkt China zu spüren und lieferte im ersten Quartal mit knapp 387.000 Autos überraschend weniger Fahrzeuge aus als ein Jahr zuvor. Schon davor hatten sich nach den jahrelang starken Zuwächsen Zweifel am Wachstumstempo des Marktes gemehrt.
In den USA greifen Kunden verstärkt zu Verbrenner- und Hybrid-Fahrzeugen. In China bekommt Tesla mehr Konkurrenz von einheimischen Herstellern. In Europa musste Tesla die Produktion in Grünheide bei Berlin zunächst wegen Lieferengpässen bei Bauteilen durch die Umleitung von Schiffen nach Angriffen jemenitischer Huthi-Rebellen im Roten Meer aussetzen. Nach einem Anschlag auf die Stromversorgung des Werks kam eine weitere Zwangspause im ersten Quartal hinzu.
3000 Beschäftige der Gigafactory in Grünheide betroffen
Laut „Handelsblatt“ ist auch Grünheide vom Stellenabbau betroffen. Dort würden rund 3000 der 12.500 Beschäftigten entlassen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf zwei interne Quellen. Dabei soll es sich vor allem um Leiharbeiter handeln, heißt es. Tesla selbst hat sich zunächst nicht auf eine entsprechende Anfrage von MOZ.de geäußert. Auf der Internetseite des Unternehmens sind aktuell mehrere Hundert offene Stellen ausgeschrieben.
„Der Einbruch beim Absatz von Elektroautos in Deutschland und Europa dürfte auch an einem Marktführer wie Tesla nicht spurlos vorübergehen“, ordnet Brandenburgs Wirtschafts- und Arbeitsminister Jörg Steinbach ein. „Ich stehe mit dem Unternehmen im Kontakt. Wenn es zu einem Stellenabbau bei Tesla in Grünheide kommen sollte, dürfte sich die Zahl der Stellen nach unseren Informationen nicht um 3.000 bewegen, sondern signifikant niedriger ausfallen.“
Jochem Freyer: Zeitarbeit ist ein Puffer für Absatzschwankungen
Dass im Gesamtkonzern auf die gefallenen Verkaufszahlen reagiert werde, sei branchenüblich, sagt Jochem Freyer, der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Frankfurt (Oder). „Für Grünheide ist weiterhin zu berücksichtigen, dass dort im nennenswerten Umfang Personal über Zeitarbeit beschäftigt ist. Zeitarbeit ist klassischerweise auch ein Puffer bei Absatzschwankungen“, erklärt er. Ihm sei indes nichts von betriebsbedingten Kündigungen bei Tesla in Grünheide bekannt, so Freyer weiter.
Grünheides Bürgermeister Arne Christiani (parteilos) zeigte sich am frühen Montagnachmittag überrascht von der Information eines möglichen Stellenabbaus. „Ich habe davon noch nichts gehört, soweit ich weiß, sucht das Unternehmen doch weiter Mitarbeiter“, nannte der Bürgermeister seinen Stand von Freitagabend. „Wir kommentieren Entwicklungen bei einzelnen Unternehmen nicht, zumal diese Information vom Unternehmen nicht bestätigt ist“, sagt Carsten Brönstrup, Sprecher der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. Gelesen hatte er die Nachrichten über den Stellenabbau indes bereits.
IG Metall: „Betriebsrat hat noch keine Informationen"
Die IG Metall gab in einer Mittelung an, dass nach der Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, weltweit jede zehnte Stelle streichen zu wollen, noch unklar sei, was das für die Beschäftigten in Grünheide konkret bedeute. Dirk Schulze, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, sagt: „Bisher gibt es jede Menge Gerüchte und eine Absichtserklärung von der Konzernzentrale, dass über 10 Prozent des Personals abgebaut werden soll ‒ global. Was das für Grünheide bedeutet, dazu hat selbst der Betriebsrat noch keine Information." Es sei die gesetzliche Pflicht des Managements, den Betriebsrat nicht nur umfassend zu informieren, sondern mit ihm zu beraten, wie Beschäftigung gesichert werden könne, so Schulze. Er kündigt an, dass die IG Metall sich für alle Beschäftigten und jeden einzelnen Arbeitsplatz einsetzen werde, „natürlich auch für die Leiharbeiter".
Unsicherheit unter Tesla-Beschäftigten
Nach Informationen von MOZ.de gibt es innerhalb der Belegschaft schon länger Unsicherheiten. Man wisse, dass Tesla geschäftliche Probleme habe, ist zu hören. Befeuert worden sei die Besorgnis zudem, als jüngst Berichte auftauchten, wonach Tesla seine Pläne für ein günstiges Modell angeblich nicht mehr verfolge ‒ und stattdessen die Entwicklung von selbstfahrenden „Robotaxis“ vorantreiben wolle. Musk hatte zuvor mehrfach betont, das Einstiegsmodell, bekannt unter der Bezeichnung Model 2 oder Model Q, auch in Grünheide fertigen zu wollen. Ob der Plan tatsächlich vom Tisch ist, ist offen. Noch gibt es dafür keine Bestätigung.
Bislang werden in Grünheide ausschließlich E-Autos vom Typ Model Y gebaut. 6.000 Stück pro Woche laufen laut Tesla pro Woche vom Band. Das US-Unternehmen hatte betont, die Kapazität langfristig auf wöchentlich 10.000 erhöhen zu wollen, was einer Jahresproduktion von rund 500.000 Stück entspricht. Mit dem geplanten Ausbau der Fabrik um eine weitere Produktionshalle sollte die Kapazität auf 1 Million erhöht werden. Dieses Ziel bekräftigte Elon Musk zuletzt bei seinem Besuch Mitte März in Grünheide. "Ja, absolut", antwortete er da auf eine entsprechende Frage nach dem Fabrik-Ausbau.
Sollte es nun, wie berichtet, zum Abbau von Stellen kommen, könnte sich die Produktion zunächst verringern. Tesla hat sich zu den angeblichen Kündigungen auf Nachfrage noch nicht geäußert.
E-Mail von Elon Musk
In der Mail von Musk hieß es laut Electrek, dass es mit dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre zu Doppelfunktionen in einigen Bereichen gekommen sei. Die Stellenstreichungen würden es dem Unternehmen erlauben, schlank, innovativ und hungrig auf die nächste Wachstumsphase zu sein.

