Gigafactory: Schreiben zur Wasserversorgung von Tesla schlägt Wellen

Hier will Tesla bauen: Das Gelände nördlich des Güterverteilzentrums Freienbrink ist als Bauplatz vorgesehen. Debattiert wird jetzt über die Wasserversorgung des Unternehmens.
Patrick Pleul/dpaGrünheides Bürgermeister Arne Christiani (parteilos) hat die Mitteilung „irritiert“. Sie sei weder im Verband noch mit dem Vorstand abgestimmt gewesen, sagte er. „Dass es Wasserprobleme gibt, das ist bekannt.“ Es gebe dazu Gespräche mit allen Beteiligten, inklusive des WSE.
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Verärgert zeigte sich Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) über das Schreiben. „Ich bin sauer darüber, dass wir als Bürgermeister der Verbandsgemeinden eine Pressemitteilung bekommen mit den Antworten auf Fragen, die ich vorher gestellt habe“, sagte sie. Elke Stadeler bezog sich auf eine ältere Anfrage an den Wasserverband. Darin wollte die Stadt wissen, wie die technische Situation ist und wie die Versorgung der Fabrik generell erfolgen solle. „Es war die erste Information des Wasserverbandes, die so eindeutig ist“, sagte Elke Stadeler über die jüngste Mitteilung. Bisher sei von Verbandsseite hinsichtlich Tesla immer „alles super gewesen“.
Der WSE hat auch Sascha Gehm überrascht, wie der 1. Beigeordnete des Landkreises Oder-Spree am Donnerstag vor dem Ausschuss für Ländliche Entwicklung des Kreistages sagte. Gehm interpretierte das Schreiben des Verbandes so, dass beispielsweise die Größe der jetzt vorhandenen baulichen Anlagen nicht ausreiche. Wenn man zusätzliches Wasser fördern müsse, sei dies möglich, meinte Gehm. Das Trinkwasserschutzgebiet, in dem das Gelände für die Fabrik zum Teil liegt, bleibe dabei aber außen vor. „Die Wasserförderung darf nur außerhalb des Trinkwasserschutzgebietes erfolgen.“ Er könne sich dafür Gebiete nordwestlich des Schutzgebietes vorstellen. Generell habe man im Kreis Oder-Spree genügend Wasser zur Verfügung.
Im Kreistag gibt es auch Gegenwind gegen das Projekt – von der AfD-Fraktion: Hildegard Vera Kaethner, die als Parteilose für diese Partei im Kreistag und im Ausschuss Ländliche Entwicklung und Kreisentwicklung sitzt, erklärte, dass sie Mitglied einer Bürgerinitiative gegen Tesla sei. Sie werde sich am Sonnabend in Grünheide an den Protesten beteiligen. Der hohe Wasserverbrauch des Werkes sei ein Grund. Tesla-Chef Elon Musk bezeichnete sie als „amerikanischen Hasardeur“, den man hier nicht brauche.
Musks geplante Fabrik benötigt laut Planungsunterlagen pro Stunde 372 Kubikmeter Wasser in der ersten Ausbaustufe. Das sind hochgerechnet auf ein Jahr rund 3,3 Millionen Kubikmeter. Zum Vergleich: Der WSE hat 2018 fast zehn Millionen Kubikmeter Trinkwasser an seine Kunden in 16 Gemeinden geliefert. Was das Abwasser betrifft, produziert die Gigafactory 252 Kubikmeter davon in der Stunde. Aufbereitet werden soll es letztendlich im Klärwerk Münchehofe. Dort leitet der Strausberg-Erkneraner Verband Abwässer aus seinem Gebiet ein. Er ist allerdings Nutzer. Die Anlage selbst gehört Deutschlands größtem Wasserversorger – den Berliner Wasserbetrieben.
WSE: Finanzfragen ungeklärt
Das Münchehofer Klärwerk ist das zweitkleinste der Wasserbetriebe und reinigt derzeit im Jahr rund 15 Millionen Kubikmeter Abwasser. Das sind im Schnitt 41 000 Kubikmeter am Tag. Für das Klärwerk sei das, was Tesla nach den vorliegenden Plänen einleiten will, schon eine relevante Größe, heißt es bei den Berliner Wasserbetrieben. „Technisch ist das alles machbar“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe. „Wir werden eine Lösung schaffen,“ zeigte er sich überzeugt.
Technisch wäre das Reinigen der zusätzlichen Abwässer über eine Erweiterung des Klärwerkes möglich. Bei dem Zeitdruck, den Tesla macht, ist allerdings die Herausforderung, die Planung und Genehmigung schnell umzusetzen und eine Finanzierung zu finden.
Auf das Geldproblem hatte der WSE in seinem Schreiben vom Donnerstag gleichfalls hingewiesen. Die Frage der Finanzierung der zwingend erforderlichen Investitionen sei gänzlich ungeklärt, heißt es da. „Diese Kosten dürfen in keinem Fall zu Lasten unserer Verbandsmitglieder (die Gemeinden – d.Red.) und Kunden gehen.“
Der Verband selbst wollte sich am Freitag nicht erneut in der Sache äußern.