Handel
: Süßigkeiten werden teurer

Die Hersteller drängen auf höhere Preise für Schokolade und Gummibärchen – auch weil Rohstoffe wie Kakao und Gelatine teurer geworden sind.
Von
Caroline Strang
Ulm
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Für Gummibärchen muss man tiefer in die Tasche greifen.

Caroline Seidel/dpa

Manche Produkte von Lindt und Ferrero sind in den vergangenen Monaten ebenfalls teurer geworden. Die Hersteller kämpfen derzeit mit besonderer Härte für Preiserhöhungen gegenüber den Händlern, schreibt die Lebensmittelzeitung (LZ). Die Gründe dafür sind vielfältig.

Fragt man den Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie, bekommt man allerdings keine Antwort auf die Frage, ob und warum die Preise für Süßwaren steigen. Diese Fragen dürfe der Verband aus kartellrechtlichen Gründen nicht beantworten, sagt die Pressesprecherin. Denn die Antworten könnten als Empfehlung an die Mitglieder interpretiert werden.

Folgen der Schweinepest

Die Unternehmen antworten ebenfalls zurückhaltend bis gar nicht. So lässt ein Haribo-Sprecher verlauten, dass das Unternehmen die Preis-Entwicklung für Gelatine genau betrachte, da dieser Rohstoff ein Bestandteil vieler Produkte sei. „Als Hersteller möchten wir uns Stand heute jedoch nicht an Spekulationen über anstehende Auswirkungen beteiligen.“ Lindt möchte sich gar nicht äußern. Dabei spüren die Verbraucher die Auswirkungen schon – an der Kasse.

Gestiegene Rohstoffpreise – für Gelatine, Kakao oder Haselnüsse – sind derzeit ein Problem für viele Produzenten. Ein Süßwarenmanager sagte gegenüber der LZ, es gebe „Preissteigerungen, wohin man schaut.“ So müssen Hersteller von Fruchtgummi wie Haribo oder Trolli deutlich mehr für Gelatine bezahlen. Der Grund dafür liegt im Fernen Osten. Die Afrikanische Schweinepest hat in China Spuren hinterlassen. Dort fielen ihr sehr viele Tiere zum Opfer. Die Folge: „Die Chinesen kaufen auf dem Weltmarkt, was sie kriegen können“, sagt Marktanalyst Tim Koch.

Deshalb fehlt auf dem deutschen Markt nicht nur Fleisch, sondern auch Gelatine, die aus tierischem Bindegewebe hergestellt wird. Das wirkt sich natürlich auf die Preise aus.

Kakao-Kartell in Afrika

Auch für Schokolade sind die Rohstoffe teurer geworden. Der Preis für Haselnüsse ist innerhalb eines Jahres um ein Drittel gestiegen, auch wenn er nicht  frühere Rekordstände erreicht. Die Kosten für Kakao haben in den vergangenen Monaten angezogen – im Vergleich zu den beiden vergangenen Jahren. Allerdings waren 2016 weitaus höhere Kosten für Kakao auf dem Weltmarkt zu zahlen. Die sind 2017 förmlich eingebrochen und steigen seither mit Schwankungen. Das bestätigt eine Sprecherin von Ritter Sport aus Waldenbuch. Im kommenden Jahr werde auch der Fairtrade-Mindestpreis deutlich ansteigen.

Dass die Preise aktuell hoch sind, wird mit einer Kartellbildung begründet. 60 Prozent der Kakaobohnen kommen aus zwei afrikanischen Staaten: der Elfenbeinküste und Ghana. Seit Juli verlangen diese einen Preisaufschlag. Dieser soll den Kakaobauern zugutekommen. Von 400 Doller (360 €) pro Tonne Aufschlag ist die Rede. Mit dem zusätzlichen Geld wollen die Regierungen der beiden Staaten einen Reservefonds befüllen. Mehr als 1820 US-Dollar (1636 €) wollen sie nach Medienberichten dann für eine Tonne Bohnen mindestens zahlen. Wenn der Weltmarktpreis niedriger liegt, können die Behörden den Reservefonds anzapfen. Wird eh viel bezahlt, soll ein Teil des überschüssigen Geldes in diese Reserve fließen, ein anderer Teil als Bonus an die Bauern gezahlt werden.

Die Hersteller selbst verweisen auch auf ihre Anstrengungen, Rohstoffe aus nachhaltiger Herstellung einzusetzen. Das sei aufwändig und teuer. Ritter Sport erklärt: „Wir fördern zum Beispiel gezielt Programme in Westafrika und bauen unsere eigene Plantage „El Cacao“ in Nicaragua weiter auf.“

Handelsexperten vermuten hinter den Preissteigerungen bei den Discountern aber noch eine Strategie: Sind die Preise grundsätzlich ein wenig höher, bleibt mehr Spielraum für besonders günstige Angebote in bestimmten Zeiträumen, die die Kunden in die Läden locken. Das könnte auch die Antwort des Pressesprechers von Ritter Sport erklären, der auf die Frage nach den Preiserhöhungen sagt: „Wir haben unsere Abgabepreise dieses Jahr nicht erhöht. Über die Endverbraucherpreise entscheidet der Handel.“