Hitze und Wasser in Berlin
: Klima-Gebühren? Mehr Geld für Regenwasser-Management gefordert

Um sich gegen Hitzesommer zu wappnen, will Berlin mehr Regenwasser nutzen. Für die großflächigen Umbaumaßnahmen zur „Schwammstadt“ könnten auch die Bürger zur Kasse gebeten werden. Was soll es kosten?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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  • Blick auf die begrünte Dachterrasse in der Bornstraße in Friedenau. Die Berliner Regenwasseragentur feiert ihren fünften Geburtstag. 2018 gegründet als Kooperation von Berliner Wasserbetrieben und Senatsumweltverwaltung, treibt die Agentur seitdem den Umbau Berlins zur Schwammstadt voran.

    Blick auf die begrünte Dachterrasse in der Bornstraße in Friedenau. Die Berliner Regenwasseragentur feiert ihren fünften Geburtstag. 2018 gegründet als Kooperation von Berliner Wasserbetrieben und Senatsumweltverwaltung, treibt die Agentur seitdem den Umbau Berlins zur Schwammstadt voran.

    Andreas Süß
  • Umweltsenatorin Manja Schreiner (CDU) (v. l.), Darla Nickel, Chefin der Regenwasseragentur und Christoph Donner, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe, führen vor, bei welchen Bodenverhältnissen das Wasser am besten versickert.

    Umweltsenatorin Manja Schreiner (CDU) (v. l.), Darla Nickel, Chefin der Regenwasseragentur und Christoph Donner, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe, führen vor, bei welchen Bodenverhältnissen das Wasser am besten versickert.

    Maria Neuendorff
  • Ein Bild aus dem Sommer 2022: Die ehemals grüne Wiese vor dem Reichstagsgebäude ist völlig verdörrt.

    Ein Bild aus dem Sommer 2022: Die ehemals grüne Wiese vor dem Reichstagsgebäude ist völlig verdörrt.

    Paul Zinken/dpa
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Der Sommer ist da, die ersten Hitzetage machen auch den Bewohnern der dichtbesiedelten Berliner Innenstadt Probleme. Nach fast sechs Wochen Trockenheit kam dann doch mal wieder der eine oder andereSchauer herunter. „Es waren endlich mal wieder Regenpfützen zu sehen“, freute sich Christoph Donner, der Chef der Berliner Wasserbetriebe (BWB) am Mittwoch.

Doch damit der Regen nicht einfach in die Kanalisation läuft und sich dort mit dem Abwasser mischt, sondern in den Boden sickert und so Pflanzen ernähren und die Stadt runterkühlen kann, ist ein innovatives Regenwassermanagement mit mehr Dachbegrünung, Auffangbecken und größeren Baumscheiben nötig. Nach Schätzungen der Wasserbetriebe müssten in den wassersensiblen Stadtumbau fünf bis zehn Milliarden Euro investiert werden, auch um die Klimaziele für das Jahr 2045 zu erreichen.

Berliner Regenwasseragentur feiert Jubiläum

Um das zu finanzieren, könnte sich Donner unter anderem eine Umlage für Bürger von einem bis zwei Euro im Monat vorstellen. „Der Umbau ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, wir müssen darüber diskutieren, wie er bezahlt werden kann“, sagte der BWB-Chef am Mittwoch anlässlich des fünfjährigen Jubiläums der Berliner Regenwasseragentur.

Diese versucht als Kooperation der Wasserbetriebe und der Senatsumweltverwaltung seit 2018 den Umbau Berlins zur sogenannten Schwammstadt voranzutreiben und unter anderem Immobilien-Besitzer, Wohnungsunternehmen und Stadtplaner in Sachen Regenwassermanagement zu unterstützen.

Sorgenkind ist der Bestand

„Im ersten Jahr hatten wir rund 40, inzwischen 200 bis 300 Anfragen für Beratungen im Jahr“, sagte Darla Nickel, Chefin der Regenwasseragentur. „Im Neubau geht es gut voran, unser Sorgenkind ist der Bestand und vor allem der Umbau des öffentlichen Raums, wo die Flächenkonkurrenzen am größten sind“, erklärt Nickel.

Aktuelle Zahlen der Regenwasseragentur zu den Maßnahmen gibt es noch nicht und sollen erst in ein bis zwei Jahren vorliegen. Etwas Aufschluss gibt aber eine aktuelle Umfrage der Agentur mit dem BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. Demnach haben bereits 81 Prozent der befragten Wohnungsunternehmen entsprechende Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung umgesetzt. Dabei geht es unter anderem um die Versickerung von Niederschlag auf den Grundstücken, durchlässige Flächenbeläge, Dachbegrünung, Regenwassernutzung und Fassadenbegrünung.

Als größte Herausforderungen nannten die BBU-Unternehmen die Kosten und den Planungs- und Umsetzungsaufwand, als wichtigste Ziele die Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität und die Verbesserung des Mikroklimas.

Ein Vorzeigebeispiel für den Weg zur Schwammhauptstadt ist zum Beispiel das neue Wohnquartier Buckower Felder der Stadt und Land Wohnbauten-GmbH am südlichen Stadtrand Berlins. Dort kommen erstmals in Berlin auch Baumrigolen im öffentlichen Straßenland zum Einsatz.

Rigolen am Straßenrand sorgen am Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof in Berlin für Reinigung und Ablauf von Regenwasser. Die sogenannte „Schwammstadt" soll die Kanalisation mit grünen Dächern die Regenwasser aufsaugen, bepflanzten Fassaden und unversiegelten Flächen entlasten.

Britta Pedersen/dpa

Das sind unterirdische Rückhalteräume zur naturgetreuen Regenwasseraufnahme und -speicherung, -versickerung und -ableitung. Effiziente Maßnahmen für den Erhalt der Stadtnatur könnten aber auch generell größere Baumscheiben sowie Mulden zwischen Straße und Gehweg sein, für die allerdings auch Parkplätze wegfallen müssten, erklärt Nickel. „Darüber wird in einigen Bezirken derzeit schon diskutiert.“

Bei mehreren großen aktuellen innerstädtischen Straßenbaumaßnahmen wie derzeit am Molkenmarkt in Mitte werden inzwischen die Klimaanpassungsmaßnahmen gleich mitgedacht. Der Gendarmenmarkt bekommt im Zuge seines Umbaus eine unterirdische Versickerungsanlage für die Grundwasserneubildung.

Neue Grünflächen in Berlin-Mitte

Bei der Neugestaltung des Rathausforums sowie des Marx-Engels-Forums sollen 7,2 Hektar entsiegelt und vielfältig nutzbare grüne Räume geschaffen werden. Anstatt über die Kanalisation abzufließen, soll das Regenwasser vor Ort gehalten und direkt auf der Grünfläche genutzt werden oder zur Grundwasserbildung beitragen. So werden bei Starkregen auch die Kanalisation entlastet und Überschwemmungsschäden vermieden, heißt es aus der Senatsumweltverwaltung.

Die Wasserbetriebe haben in Berlin bereits Flächen von insgesamt rund 100 Hektar identifiziert, die potenziell entsiegelt werden könnten. Von den Berliner Dächern sind bisher rund fünf Prozent begrünt. Wer für Haus und Garten Regen- statt Trinkwasser nutzt, zahlt weniger Niederschlagswassergebühr an die Berliner Wasserbetriebe. In welcher Höhe genau, ist in der Abwassergebührensatzung (AGKS) zu finden beziehungsweise mit der BWB im Einzelfall abzuklären. Was es ansonsten für Maßnahmen und auch Fördermöglichkeiten zur Schwammhauptstadt gibt, kann man auf der Webseite der Berliner Regenwasseragentur nachlesen.