Hochstapelei: Hauptmännin von Köpenick - Transvestitin gibt sich zwei Jahre lang als Polizistin aus

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Marius Becker/dpaWie weit die dreisten Aktionen der Hochstaplerin wirklich gingen, müssen jetzt ihre echten Kollegen klären. „Es gibt ein laufendes Ermittlungsverfahren wegen Amtsanmaßung und Verstoßes gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz. Zu Details können wir uns deshalb noch nicht äußern“, sagte Patricia Brämer, Sprecherin der Berliner Polizei, am Montag auf Anfrage.
Die Details gibt die falsche Polizistin, die am vergangenen Donnerstag in Gesundbrunnen eher zufällig von echten Zivilbeamten festgenommen wurde, dagegen selbst gerne preis. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost am Montag berichtet sie, wie sie bei einem Großeinsatz auf dem Alexanderplatz geholfen hat. Bei der Massenschlägerei zwischen zwei verfeindeten Youtubern und ihren Fangemeinden gerieten im April dieses Jahres über hundert Jugendliche aneinander. „Wir haben die Situation geklärt“, wird die 22-Jährige in dem Bericht zitiert. Sie habe gemeinsam mit ihren echten „Kollegen“ Personalien aufgenommen und Leute festgesetzt. Von dem Polizeieinsatz erfahren habe sie über das Internet, wo sie sich regelmäßig über Vorfälle in der Stadt informiert habe. "Ich habe nichts Schlechtes im Sinn. Ich will Menschen doch nur helfen“, sagt sie dem Blatt.
Wegen Sexualdelikten verurteilt
Dabei landete die transsexuelle Frau, die ursprünglich als Mann geboren wurde, selbst schon hinter Gittern, wurde wegen sexueller Nötigung verurteilt. „Die Person steht unter der Führungsaufsicht des LKA Spree“, bestätigt Polizeisprecherin Brämer. Die Abkürzung steht für „Sexualstraftäter-Prävention bei Rückfallgefahr durch Ermittlungen und Eingriffsmaßnahmen“.
„Das heißt aber nicht, dass solche Personen Tag und Nacht überwacht werden“, erklärt Norbert Cioma, Landesvorsitzender der Berliner Polizeigewerkschaft (GdP), am Montag. Vielmehr werden die Täter auf Bewährung alle paar Wochen und Monate angesprochen. Das eigentlich peinliche sei, dass die Hochstaplerin es geschafft hat, sich mehr oder weniger in den Polizeiapparat zu integrieren und so an die echte Polizeiausrüstung zu kommen. Normalerweise müsse man in den Gebäuden seinen Dienstausweis vorzeigen, erklärt Cioma. Aber wenn man nach einem Großeinsatz wie auf dem Alex mit Kollegen und Straftätern im Wagen auf den Abschnitt zurückkehrt, sei diese Regel schon mal außer Kraft gesetzt. "Dazu muss man bedenken, dass 25 000 Kollegen in den Berliner Dienstgebäuden unterwegs sind“, sagt Cioma. Die Kleidung werde größtenteils über ein elektronisches Warenhaus geordert. Dort hätte jeder Beamte ein bestimmtes Budget. Aber es würde auch untereinander getauscht. „Wenn jemand Dienstkleidung verloren hat, dann sagt der Kollege auch schon mal, kannst meins haben, wenn man vielleicht die gleiche Größe trägt.“ Manche Ausrüstungsgegenstände könne man sich aber auch illegal beschaffen. Schwer werde es bei den echten Hoheitsabzeichen des Landes, die die falsche Beamtin auf den Armen trug, so der Gewerkschaftsmann. Auch die Aufnäher der Direktion 5, die für Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln zuständig ist, seien echt gewesen.
Trotz Hitze in voller Montur
Den Polizisten in Zivil fiel die Transfrau auf dem Bahnhof Pankstraße nur auf, weil sie trotz hoher Temperaturen die komplette Ausrüstung trug. Die Verdächtige sei den Beamten zudem bereits bekannt gewesen, weil sie sich auch in der Vergangenheit schon als falsche Polizistin ausgegeben hatte, hieß es in der knappen Polizeimeldung. Dazu hatte sie eine geringe Menge Drogen bei sich. Bei der Durchsuchung der Wohnung wurden weitere Ausrüstungsgegenstände gefunden. „So einen Fall hat es seit dem Hauptmann von Köpenick nicht mehr gegeben“, sagt Cioma. Da niemand zu Schaden gekommen ist, müsse er fast schon darüber schmunzeln.
