Hospiz-Dienste in Berlin
: Würdevoll bis zum Tod – Hilfe für die Sterbebegleitung zu Hause

Viele Menschen wünschen sich, zu Hause und nicht im Krankenhaus zu sterben. Doch was braucht man in den letzten Tagen und Stunden seines Lebens? Und wie bekommen Angehörige in Berlin Hilfe?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Wenn Menschen sich auf den Tod vorbereiten, bietet ein Hospiz dafür einen geschützten Raum. (Symbolbild)

Felix Kästle/dpa

Der Tod gehört zum Leben. Früher oder später wird jeder mit ihm konfrontiert. Und dies meist nicht erst beim eigenen Sterben, sondern wenn Angehörige, Partner oder gute Freunde ihre letzte Reise antreten. „Oft sind es die An- und Zugehörigen, die den Großteil der Betreuung ihrer schwerstkranken und sterbenden Eltern, Geschwister, Kinder oder auch Freunde übernehmen“, sagte Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, in Berlin jüngst anlässlich der Veröffentlichung einer neuen 30-seitigen Broschüre zum Thema Sterbebegleitung.

Der Ratgeber mit dem Titel „Begleitung am Lebensende“, die die Senatsverwaltung gemeinsam mit den Experten der Zentralen Anlaufstelle Hospiz des Unionhilfswerks herausgeben hat, gibt einfühlsame wie praktische Tipps für die Sterbebegleitung. Ein immer wiederkehrender Ratschlag an Sterbende sowie an ihre Angehörigen lautet darin, sich in dieser physischen und psychischen Ausnahmesituation auch Hilfe von außen zu holen.

Schnelle Hilfe beim ambulanten Hospizdienst

Doch wie schnell findet man in Berlin zum Beispiel einen ambulanten Hospizdienst? „Bei schwerstkranken Menschen versuchen wir in der Regel sehr schnell zu helfen, denn sie haben ja keine Zeit mehr“, erklärt Beate Danlowski von der Caritas Berlin. „Nach einem entsprechenden Anruf bei uns in der Beratungsstelle schicken wir in den kommenden Tagen einen Mitarbeiter zu den Familien nach Hause, um erst einmal zu klären, was die Betroffenen brauchen“, so die Hospiz-Beraterin. Danach stellen wir dann ein Team an für die verschiedenen Bedarfe zusammen.

Der Caritasverband im Erzbistum Berlin bietet seit über 20 Jahren in der Hauptstadt ambulante Hospizdienste an. Vor zehn Jahren kam ein Kinderhospizdienst dazu, den Danlowski inzwischen leitet. Dieser begleitet in Berlin zurzeit 70 Familien. 50 Ehrenamtliche und drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen sorgen dafür, dass Kinder und deren Familien in schweren Stunden nicht allein sind. Derzeit sucht die Caritas dringend weitere Ehrenamtliche, die ab Februar 2024 wieder eine neue, insgesamt 120 Stunden dauernde Schulung als Sterbebegleiter absolvieren.

Mangel an medizinischem Fachpersonal

Die Suche nach ehrenamtlichen Helfern sei aber lange nicht das Hauptproblem bei der Betreuung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen, erklärt die Hospiz-Chefin. Der Mangel an medizinischem Fachpersonal bei den ambulanten Pflegediensten sei ungleich dramatischer, wenn es darum geht, ein Sterben innerhalb der eigenen vier Wände zu ermöglichen. „Die meisten Eltern wollen ihre Kinder zu Hause betreuen“, sagt die Caritas-Mitarbeiterin.

Da aber gerade bei sterbenskranken Kindern häufig eine intensivmedizinische Behandlung nötig sei, seien die Eltern dann manchmal rund um die Uhr mit der Pflege beschäftigt. „Da ist dann schnell der Job weg, Beziehungen gehen kaputt, Geschwister bleiben auf der Strecke“, weiß Danlowski.

So sei es für Eltern wichtig, sich jemanden zu holen, der dem kranken Kind auch mal am Bett etwas vorliest, damit sie zum Beispiel wieder was mit den Geschwisterkindern unternehmen können.

Die meisten dieser ambulanten Hospizhilfen sind dabei für die Betroffenen, ob jung oder alt, kostenlos. Doch entsprechende Vereine und Verbände, die sich zu großen Teilen aus Spenden finanzieren, sind zusätzlich auf staatliche Zuschüsse angewiesen. Derzeit wird im Berliner Abgeordnetenhaus über den neuen Landeshaushalt 2024/25 verhandelt, und der schwarz-rote Senat will vor allem auch bei Sozialprojekten kürzen.

Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase

Thomas Palavinskas von der Zentralen Anlaufstelle Hospiz sorgt sich dabei unter anderem um die Kontaktstellen Pflege-Engagement in den Berliner Bezirken, die betreuungs- und pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige bei der Alltagsbewältigung unterstützen. „Wenn die nicht weiter gefördert werden, kann der hohe Bedarf an Sterbebegleitung für Menschen am Lebensende in Berlin nicht mehr bedient werden“, warnt Palavinskas.

Dabei könnten Betroffene und Angehörige vielen Problemen entgegenwirken, wenn sie sich rechtzeitig mit dem Thema Sterben auseinandersetzten und entsprechende Beratungsangebote nutzten, betont der Palliativ-Experte. So finanzierten die gesetzlichen Krankenkassen unter anderem eine gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase.

Wie kann man auch den letzten Tagen und Stunden im Leben von sterbenden Menschen noch Würde und Qualität geben? Mit dieser und anderen Fragen beschäftigen sich zwei neue Ratgeber, die die Gesundheitsverwaltung in Berlin herausgegeben hat.

Daniel Karmann/dpa

Dabei geht es um Beratung in Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen zu medizinischen, pflegerischen, psychosozialen und seelsorgerischen Versorgungsmöglichkeiten. Diese Gespräche erfolgen mit dem Betroffenen unter Beteiligung aller Bezugspersonen und unter Einbeziehung der behandelnden Ärzte.

Gemeinsam kann so unter anderem eine Patientenverfügung oder eine entsprechende Willenserklärung ausgearbeitet werden, in der zum Beispiel festgehalten wird, welche Behandlung der Einzelne an seinem Lebensende wünscht und welche nicht. Doch diese Versorgungsplanung ist für die Heime keine Pflicht. Palavinskas rät deshalb, schon bei der Suche nach einem geeigneten Heimplatz darauf zu achten, ob die einzelnen Einrichtungen diese Beratungen überhaupt anbieten.

Kostenlos Hausbesuche zum Thema Patientenverfügung

Für Menschen, die weiter zu Hause leben, bietet die Zentrale Anlaufstelle Hospiz wiederum Berater an, die kostenlos Hausbesuche machen. „Sie helfen ebenfalls dabei, eine rechtssichere Patientenverfügung aufzusetzen“, erklärt der Berliner. Die komme dann zum Tragen, wenn der Betroffene nicht mehr selbst äußern kann, was er für eine Behandlung in den letzten Wochen und Tagen des Lebens wünscht.

„Man muss jemanden zum Beispiel nicht jeden Tag aus dem Bett zerren und duschen, wenn er es nicht wünscht und dabei vielleicht noch starke Schmerzen und Kreislaufprobleme hat“, gibt Palavinskas ein Beispiel. Ist ein Betreuer bestellt, erhält dieser ebenfalls Kenntnis von der Beratung und den ermittelten Versorgungswünschen und kann beteiligt werden.

Eine häufige Frage sei auch: Wie kann ich es verhindern, vor meinem Tod nochmal in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden? „Es kann helfen, die einzelnen Punkte einer Patientenverfügung schon mal mit einem Arzt besprochen zu haben, um zu wissen, was passiert, wenn welche Behandlungsmethoden unterlassen werden“, erklärt Palavinska. Dabei spielten unter anderem Themen wie künstliche Beatmung und Ernährung eine Rolle.

„Ein Mensch stirbt nicht, weil er aufhört zu essen und zu trinken – sondern er hört auf zu essen und zu trinken, weil er stirbt“, heißt es dann auch in der Broschüre „Begleitung am Lebensende“, die unter anderem in den Berliner Pflegestützpunkten, in den medizinischen Beratungsstellen der Berliner Gesundheitsämter sowie bei den Sozialdiensten der Berliner Krankenhäuser erhältlich ist.

Lieblingsgetränk im Eiswürfel

Bei Austrocknung des Körpers würden nämlich körpereigene Schmerzmittel (Endorphine) ausgeschüttet. So sei es bei Nahrungsverweigerung also sogar hilfreich, keine Flüssigkeit zuzuführen, sondern nur für eine gute Mundpflege zu sorgen. „Denn wenn sterbende Menschen sagen, dass sie durstig sind, ist oft der Mund zu trocken. Das ist er auch, wenn ein Mensch am Tropf hängt“, erläutert Palavinskas, der selbst Altenpfleger ist und sich zusätzlich im Netzwerk Palliative Geriatrie engagiert.

Generell sollte man Menschen auf dem Sterbebett zwar Essen und Trinken anbieten, aber nicht aufzwingen, raten Hospiz-Experten.

Daniel Karmann/dpa

Um das quälende Durstgefühl zu löschen, reiche es, den Speichelfluss anzuregen. Das könne gut gelingen, wenn man zum Beispiel kleine Schlucke vom Lieblingsgetränk in kleine Eiswürfel einfriert und sie danach zum Lutschen in den Mund gibt. „Selbst Schokolade kann da helfen.“

So gibt es auch auf der letzten Reise eines Menschen viele Kleinigkeiten, die gar nicht so aufwändig sind, aber viel bewirken könnten. Wichtig sei es nur, alle möglichen Helfer rechtzeitig zu sensibilisieren und vorher schon zu schauen, wer was wann leisten kann, betont Palavinskas. „Auch mit wenig Ressourcen kann es gelingen, dem Menschen ein gutes Sterben zu ermöglichen.“

Caritas sucht Helfer im Ehrenamt

Der kostenfreie Ratgeber „Begleitung am Lebensende“, der unter anderem als Lehrmaterial in Kursen für pflegende Angehörige dient, kann als pdf unter https://hospiz-aktuell.de/wegweiser heruntergeladen werden. Dort findet sich auch der noch viel umfänglichere Ratgeber. „Wenn Heilung bei Ihnen nicht mehr möglich ist.“

Der Caritasverband Berlin sucht dringend Ehrenamtliche, die das Kinderhospiz-Zentrum LEO unterstützen wollen. Die Ausbildung dafür startet im Februar 2024. Am 21. November um 18 Uhr findet ein unverbindlicher Informationsabend für Interessierte in Alt-Lietzow 31 in Berlin-Charlottenburg statt. Weitere Informationen und Anmeldung zum Informationsabend unter b.danlowski@caritas-berlin.de oder der Rufnummer (030) 666 33 1621.