Hund in Berlin
: Welpe im Müllschlucker entsorgt – nun sucht er ein neues Zuhause

Für viele Tiere in Berlin, darunter ein kleiner Hund, waren Weihnachten und Silvester alles andere als Feste der Liebe. Manche Fälle schockieren selbst die erfahrenen Mitarbeiter im Tierheim.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Der kleine Oskar wurde von Bewohnern eines Mietshauses in Marzahn im Müllschlucker gefunden.

Der kleine Oskar wurde im Müllschlucker eines Mietshauses in Marzahn gefunden.

Tierheim Berlin/Inaiê Macedo
  • Ein Welpe wurde im Müllschlucker eines Berliner Hochhauses gefunden und gerettet.
  • Das Tierheim Berlin verzeichnete über die Feiertage 50 herrenlose Tiere, darunter Katzen und Meerschweinchen.
  • Berlin ist ein Hotspot für illegalen Welpenhandel; 2024 wurden 52 geschmuggelte Welpen entdeckt.
  • Der gerettete Welpe Oscar sucht ein neues Zuhause, ebenso der Husky-Welpe Socke.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Bewohner des Hochhauses in Berlin-Marzahn trauten ihren Ohren nicht: Aus dem Container eines Müllschluckers drang immer wieder ein bitterliches Fiepen, wie von einem kleinen Hund. Die kläglichen Hilferufe wurden zum Glück von Mietern erhört, die einen schwarzen Welpen aus der „Müllabwurfanlage“, wie die Müllschächte im Amtsjargon heißen, retteten.

Er kam ins Tierheim Berlin. Dort waren selbst die Helfer einmal mehr über die Herzlosigkeit erschüttert, zu der manche Menschen scheinbar gerade zum Jahreswechsel fähig sind.

Tier in Berlin – Katze im Karton im Müll entsorgt

Oskar, wie die Tierpfleger aus Falkenberg den kleinen Schäferhund tauften, ist längst kein Einzelfall. Schon zu Weihnachten wurden rund 20 neue herrenlose Tiere in das Heim am nordöstlichen Stadtrand von Berlin gebracht, das stets an seinen Kapazitätsgrenzen arbeitet. In der Zeit vom 27. Dezember 2024 bis zum 6. Januar 2025 kamen nochmal rund 30 dazu.

Zwei Kätzchen seien ebenfalls wie Abfall in Pappkisten entsorgt worden, genauso wie zwei Meerschweinchen, berichten die Helfer. Die eine Katze wurde in Spandau eingepfercht in einem Korb gefunden. Die andere, eine weiße Britisch-Kurzhaarkatze, wurde in einem Kreuzberger Hinterhof entdeckt. Sie war im Müllcontainer in einem Karton bemerkt worden. „Zum Glück wurden beide rechtzeitig gefunden“, sagt Tierheimsprecherin Christine Streichan. „Ohne Hilfe hätten beide nicht überlebt.“

Dazu wurde von Passanten ein Zwergkaninchen entdeckt, als es alleine durch den bitterkalten Treptower Park irrte. „In den meisten Fällen wissen wir aber nicht, ob die Tiere entlaufen sind, sich verirrt haben oder absichtlich ausgesetzt wurden“, sagt Christine Streichan. Einige der Tiere sind zwar mit einem Mikrochip versehen, aber keines ist bei Tasso oder Findefix registriert – das mache es fast unmöglich, ihre Herkunft zu klären.

Ob die erst vier Monate alte Maine-Coon-Katze, die in Reinickendorf frierend in einer Ecke hockte, mutwillig ausgesetzt wurde oder verzweifelt vermisst wird, sei deshalb unklar. Bisher habe sich niemand nach ihr erkundigt – ebenso wenig wie nach den beiden Australian Shepherds Hunden, die am 22. Dezember 2024 in Charlottenburg umherirrten und von der Polizei in die Tiersammelstelle gebracht wurden.

Hund in Berlin – Husky kauerte alleine in der S-Bahn

Ob die Tiere kurz vor Weihnachten lästig wurden, einem geplanten Urlaub im Wege standen oder ihre Besitzer überfordert waren – darüber lässt sich nur spekulieren. „Sicher ist aber, dass oft vergessen wird, wie viel Zeit und Geduld ein Tier braucht und welch große Verantwortung damit verbunden ist“, betont Christine Streichan.

"Socke" wurde zu Weihnachten in der Berliner S-Bahn gefunden, da war der Husky-Welpe ist noch nicht einmal zehn Wochen alt.

Hund Socke wurde zu Weihnachten in der Berliner S-Bahn gefunden, da war der Husky-Welpe noch nicht einmal zehn Wochen alt.

Tierheim Berlin/Inaiê Macedo

Nicht mehr gewollt scheint auch der junge Husky zu sein, der alleine in der S-Bahnlinie S7 fuhr. Der Welpe – jetzt gerade mal vier Monate alt – kauerte ohne Halsband und Leine verängstigt unter einem Sitz. Von seinen Pflegern im Tierheim wird er nun „Socke“ genannt. Fünf Tage bleiben Fundtiere in der Tiersammelstelle. Meldet sich bis dahin niemand, der sie vermisst, ziehen sie in das Tierheim um, deren Helfer ein liebevolles neues Zuhause für die Findlinge suchen.

Berlin – Hotspot des illegalen Welpenhandels

Das Tierheim im Berliner Stadtteil Falkenberg gilt als das größte und modernste Tierheim Europas. Auf einer Fläche von mehr als 16 Hektar versorgt der im Jahr 1841 gegründete Tierschutzverein für Berlin (TVB) jeden Tag etwa 1400 Tiere. Die Helfer stoßen dabei immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen, auch weil immer mehr Tiere völlig unbedacht über Online-Plattformen und soziale Medien gekauft werden.

Laut Tierschutzverein ist Berlin dabei ein Hotspot des illegalen Welpenhandels. 2024 haben die Mitglieder 32 Fälle mit mindestens 52 geschmuggelten Hundewelpen dokumentiert. „Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs“, warnt TVB-Vorstandsvorsitzende Eva Rönspieß. Die Dunkelziffer sei deutlich höher. Denn nur ein Bruchteil der Fälle werde aufgedeckt. „Leider wissen wir: Viele Welpen, die nicht gerettet werden, bezahlen dieses skrupellose Geschäft mit ihrem Leben.“

Denn die kriminellen Banden nehmen das Leid der Tiere kaltblütig in Kauf. Die Hunde würden meist unter grausamen Bedingungen in osteuropäischen Ländern wie Bulgarien und Rumänien „produziert“, viel zu jung von ihren Müttern getrennt, nicht geimpft und entwurmt und unter tierschutzwidrigen Bedingungen nach Deutschland transportiert. „Wer solche Welpen kauft, unterstützt Tierquälerei“, betont Rönspieß. Nur wenn die Nachfrage versiegt, könne man dieses grausame Geschäft stoppen.

Betroffen sind vor allem kleine Rassen wie Zwergspitz und Yorkshire Terrier. Anders als in den Vorjahren werden vermehrt einzelne Tiere eingeschmuggelt und als Privatverkauf getarnt. „Mittlerweile werden die Verkäufe sogar im Schein der Seriosität in Wohnungen durchgeführt. Also Finger weg vom Onlinekauf“, warnt Rönspieß.

Welpe sucht Kuschelkontakt

Der kleine, gerade mal neun Wochen alte Oskar, der aus dem Müllcontainer gerettet wurde, sei extrem auf Menschen fixiert, berichtet Tierheimmitarbeiterin Inaiê Macedo. „Er will ständig auf den Arm und kuscheln und zeigt kaum Interesse an anderen Hunden“. Dieses auffällige Verhalten lege die Vermutung nahe, dass er wahrscheinlich sehr früh von der Mutter getrennt worden sei und vielleicht ebenfalls aus illegalem Welpenhandel stamme.

Für ihn, aber auch für den kleinen Husky Socke, haben sich inzwischen mehrere Interessenten gemeldet. „Wir machen jetzt mit den Leuten in den kommenden Tagen Termine und schauen, welches Zuhause am besten passt“, erklärt Inaiê Macedo.

Im Gegensatz zu vielen älteren Hunden und Katzen, die teilweise viele Monate oder sogar Jahre auf ein neues Herrchen und Frauchen warten, seien Welpen relativ schnell zu vermitteln. Doch damit sie nicht noch einmal so ein Schicksal erleiden wie zur Jahreswende, schauen die Tierheimmitarbeiter ganz genau hin, an wen sie ihre Schützlinge vermitteln.