Investition: Müggelturm im Doppelpack

Aus eins mach zwei: Matthias Große plant auf dem kleinen Müggelberg einen zweiten Turm mit Fahrstuhl.
Berliner Müggelturm UGGroße Pläne am Müggelturm: Investor Matthias Große will dem Wahrzeichen Köpenicks einen barrierefreien Zwillingsbruder anbauen, damit auch Rollstuhlfahrer, Senioren und Familien mit Kinderwagen auf die Aussichtsplattform kommen. Doch das dürfte Probleme mit dem Denkmalschutz geben.
Die Computeranimation vom Müggelturm im Doppelpack gibt es schon: Dem rund 30 Meter hohen Neungeschosser wurde darauf ein äußerlich baugleicher Zwillingsturm an die Seite gesetzt. Beide sind mit einer geschlossenen Brücke unter den Dächern verbunden. „Wir hatten im vergangenen Jahr über 100 000 Besucher, viele sind Ü50 und älter viele haben Probleme, die 126 Stufen bis zur Plattform hochzukommen. Es soll aber jeder die Aussicht genießen können“, sagt Investor Matthias Große, der in den neuen Turm einen Fahrstuhl einbauen lassen will.
Der Köpenicker Immobilien– und Projektentwickler und Lebenspartner von Eisschnell–Läuferin Claudia Pechstein hat 2012 das beliebte Ausflugsziel im Südosten Berlins übernommen und unter anderem die Müggelturm–Baude im Untergeschoss und das Hauptmann–Restaurant im Obergeschoss saniert und wiedereröffnet, die er ebenfalls mit drei Fahrstühlen barrierefrei machte. Auseinandersetzungen mit den Ämtern um Bau– und Schankgenehmigungen kennt er zu Genüge. Auch bei seiner neuen Vision stellt er sich auf Widerstand ein. Denn das Areal steht unter Denkmalschutz.
„Die Errichtung eines zweiten Turmes ist denkmal– und auch planungsrechtlich schwierig“, bestätigt auch Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) Bezirksbaustadtrat von Treptow–Köpenick auf Anfrage. „Selbstverständlich unterstützt das Bezirksamt die Intention, möglichst viele Orte auch für mobilitätseingeschränkte Menschen erreichbar zu machen.“ Daher sei man trotz erkennbar hoher denkmal– und planungsrechtlicher Hürden gerne bereit, die Pläne mit dem Investor sowie den zuständigen Senatsstellen durchzugehen und die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens oder gegebenenfalls Alternativvarianten zu prüfen, so Hölmer. Bisher habe Große aber keine Anträge eingereicht.
„Ich geben erst Pläne ab, wenn ich politische Zustimmung habe“, sagt dagegen Große. Nach der Veröffentlichung der Computersimulation habe er schon viel positive Resonanz erhalten. „Wenn es nötig ist, besorge ich mir 100 000 Unterschriften. Möge das Volk entscheiden“, gibt sich der 51–Jährige kämpferisch.
„Der Müggelturm ist ein eingetragenes Baudenkmal, das nicht einfach ergänzt oder verändert werden kann“, sagt dagegen Stefan Förster. Der FDP–Politiker ist Vorsitzender des Heimatvereins Köpenick und des bezirklichen Denkmalrates. Auch der Architekt des Turms habe dem Bau eines Zwillings vehement widersprochen, so Förster. „Daneben sind städtebauliche, denkmalrechtliche und naturschutzfachliche Belange zu berücksichtigen, die aufgrund der Lage in einem sensiblen Naturraum und im Außenbereich wohl nicht gelöst werden können.“
Schon 1880 gab auf dem kleinen Müggelberg einen ersten hölzernen Aussichtsturm. Das jetzige Exemplar mit seinen weißen Panoramafenstern wurde im Rahmen eines Architekturwettbewerbs von einem Studentenkollektiv der Kunsthochschule Weißensee entworfen und 1961 eingeweiht.
Nach der Wende lag das Gelände lange brach. „Die Denkmalschützer, die sich jetzt aufregen, haben 20 Jahre nichts gemacht, als der Turm verfallen ist. Der einzige, der sich drum gekümmert hat war ich“, sagt Große. Weil er aber auch Realist sei, glaubt er, dass es wieder Jahre dauern wird, bis sich seine Vision vom barrierefreien Aufstieg erfüllen könnte. „Das wird noch ein ganz langer Weg.“
