Jäger, Umweltschützer, Förster und Waldbesitzer bringen sich bereits in Stellung. Die wichtigste Frage, die es zu klären gibt, lautet: Gibt es zu viel Wild in den brandenburgischen Wädern? Der Ökologische Jagdverband hat dies in einer ersten Stellungnahme klar bejaht.
Der Wildverbiss durch Rehe und Hirsche unterdrücke die Naturverjüngung des Waldes und verhindere den dringend notwendigen Waldumbau, sagt der Vorsitzende Mathias Graf von Schwerin. Er fordert, dass das Jagdgesetz so geändert wird, dass die Wildhege nicht mehr im Vordergrund steht. Die Jagd dürfe nicht länger als Hobby in der Kulisse Wald angesehen werden, sondern müsse dem Erhalt und der Verjüngung des Waldes dienen.
Martin Krüger, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute, erklärt, dass es keinen großflächigen Waldumbau geben wird, solange die Wildfrage nicht geklärt sei. Er plädiert dafür, dass Jäger, wenn sie Abschussquoten nicht erfüllen, für die Verbissschäden aufkommen müssen.
Thomas Weber, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes, hofft auf einvernehmliche Regelungen mit den Jägern auch ohne Drohkulissen. Inhaltlich lässt er aber keinen Zweifel aufkommen, wohin die Reise gehen müsste: Die Wildbestände müssen überall dort erheblich abgesenkt werden, wo Waldumbau stattfinden muss. Schließlich könne man nicht halb Brandenburg mit einem Zaun umgeben, um das Schalenwild draußen zu halten, bis die jungen Bäume groß genug sind.

Wirtschaftlicher Schaden durch Wild

"Die Freizeitjagd wie bisher reicht nicht mehr", formuliert Weber. Er möchte die Jagd vereinfachen und wegkommen von den komplizierten Abschussplänen. Die Waldbesitzer hätten gern in jedem Jagdrevier Verbissgutachten. Auf der Grundlage von eingezäunten Flächen (zwölf mal zwölf Meter) könne man ablesen, wie der Wald sich ohne Verbiss entwickelt. Vor allem die Eigentümer von kleinen Waldflächen wüssten oft gar nicht, was ihnen an wirtschaftlichem Schaden durch Reh und Co entsteht, sagt Weber.
Einig sind sich alle, dass auch das Absatzsystem für Wildbret verbessert werden muss. Das überaus gesunde Fleisch kann zurzeit nicht überall im Land entsprechend vermarktet werden. Ein ansprechender Preis könnte auch als Ansporn für die Jäger dienen.
Der Landesjagdverband, der auf seiner Internetseite damit wirbt, rund 80 Prozent der 12 000 brandenburgischen Jäger zu vertreten, hat eine andere Sicht auf das Verhältnis von Wald und Wild. Geschäftsführer Matthias Schannwell räumt ein, dass es in einigen Regionen zu viel Wild gibt. Das sei aber kein flächendeckendes Phänomen. Und schon gar nicht seien die Jäger daran schuld, dass es dem Wald nicht gutgeht.
Schannwells Kritik richtet sich unter anderem an das Land. Das habe das Forstpersonal in großem Stil abgebaut. Die Bewirtschaftung, die Verwaltung und die Beratung  hätten darunter gelitten. Die Dürre und Schadinsekten setzten den Bäumen zu – und für den Waldumbau habe man zum Teil auf die falschen Arten gesetzt. Schannwell verweist auch auf das Freizeitverhalten der Menschen. Die nutzten viel stärker den Wald für Wandern oder Radfahren. Das führe dazu, dass das Wild weniger auf Lichtungen Futter sucht, sondern sich im Dickicht versteckt hält und sich dort von den jungen Pflanzen ernährt.
Der Jagdverband hofft, dass all das bei der geplanten Klausur des Jagdbeirates mit Wissenschaftlern und dem Ministerium zur Sprache kommt. Die Jäger seien bereit, ihren Beitrag für den Wald zu leisten. Wie das dann im Gesetz formuliert wird, ist jedoch noch völlig offen.
Lesen Sie hier auf den Kommentar von Ulrich Thiessen: Heikles Gleichgewicht