Junge Literatur: Blick in die Schneekugel

Ausgezeichnet: Marlena Wessollek (17)
Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-BrandenburgSie findet Sätze, die nachhallen. „Wir tragen eisige Kronen und sprechen einander nicht an“, heißt es in der preisgekrönten Kurzgeschichte „Arvid“. Die ist nicht nur gut geschrieben, sondern auch anspruchsvoll gebaut und zeugt davon, dass Marlena Wessollek sich nicht zum ersten Mal an einem literarischen Text versucht hat. Es geht um eine kleine Familie, die in einer Schneekugel lebt, und die spannungsreiche Beziehung zu Arvid, dem Besitzer dieses Spielzeugs.
Die Autorin hat schon angefangen, kreativ zu schreiben, als sie gerade alle Buchstaben konnte. „Das waren so kleine Geschichten“, erinnert sie sich. Mit elf nahm sie zum ersten Mal an einem Schreibwettbewerb in ihrer Heimatstadt Eberswalde teil. Jetzt hat die 17–Jährige mit „Arvid“ in ihrer Altersgruppe den internationalen „Theo 2019“ gewonnen.
Für den Nachwuchswettbewerb zum Thema „Vor dem Sturm“ hatten 650 Schüler Texte eingereicht. Organisiert wird er vom Verein Schreibende Schüler und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
Sie sei kein kein festes Mitglied eines Schreibende–Schüler–Zirkels, habe aber immer wieder mal an Workshops und anderen Veranstaltungen des Vereins in der Region teilgenommen, wie Marlena erzählt. Sie schreibt auch für die Jugendredaktion des Barnim–Echo, einer Lokalausgabe der MOZ. Daneben hat die Elftklässlerin noch weitere kreative Hobbys. Sie spielt beim „Kanaltheater“ mit und lernt Oboe. Und sie liest viel, zumindest wenn die Hausaufgaben ihr Zeit lassen, am liebsten „Bücher, die erst allmählich Sinn ergeben“.
Irgendwelche Allüren scheinen der jungen Frau fern zu liegen – es sei ganz egal, ob sie am Computer oder per Hand schreibe und sie brauche auch weder einen speziellen Ort noch eine bestimmte Sorte Lieblingsheft, um kreativ zu werden, erzählt sie. Wenn sie eine Idee habe, schreibe sie einfach. „Ich behalte sie aber erst im Kopf. Ich fang erst an, wenn sich Sätze bilden.“
Zu „Arvid“ habe sie der Anblick einer dieser Plaste–Schneekugeln zum Schütteln inspiriert; der Kontrast, dass man einen heftigen Sturm verursache — und anschließend überhaupt nichts davon zu sehen sei.