Nebenkostenprivileg entfällt: Alternativen zum Kabelfernsehen in der Mietwohnung

Große Änderungen beim Kabelfernsehen in Mietwohnungen. Ab 1. Juli 2024 entfällt die Kabel-TV Pflicht (sog. Nebenkostenprivileg) für Mieterinnen und Mieter. Welche Alternativen zum Kabelfernsehen es gibt und was sie kosten. (Symbolbild)
Robert Schlesinger/dpaMillionen Mieterinnen und Mieter müssen jetzt neue Wege gehen, um in ihrer Wohnung weiter Kabelfernsehen schauen zu können. Ab dem 1. Juli 2024 dürfen Vermieterinnen und Vermieter die Kabel-TV-Gebühren nicht mehr auf die Nebenkosten umlegen.
Der Wegfall des Nebenkostenprivilegs, so heißt die Vorgehensweise, die in den 1980er Jahren eingeführt wurde, bedeutet Freiheit für Mieterinnen und Mieter. Denn, wer bisher in einer Wohnung lebte, die über einen Hausanschluss verfügt, musste diesen über die Nebenkosten mitbezahlen. Ob er nun genutzt wurde oder nicht. Ab dem 1. Juli sinken also die Nebenkosten in der Mietwohnung, allerdings bleibt bei denjenigen, die den Kabelanschluss bisher genutzt haben, der Fernseher schwarz. Falls noch nicht geschehen ist es höchste Zeit, die Alternativen zum Kabel-TV zu erkunden und sich um einen Neuvertrag zu bemühen.
Laut einer Anfang Juni veröffentlichten, repräsentativen Umfrage von YouGov im Auftrag des Vergleichsportals Check24, haben sich knapp ein Drittel der Befragten noch nicht entschieden, wie sie künftig fernsehen wollen. Durchgeführt wurde die Umfrage Ende April, die Anteile dürften sich inzwischen noch etwas verschoben haben. Laut Branchenkreisen hat aber weiterhin ein großer Teil der Betroffenen nicht umgesattelt, berichtet die dpa.
Alternativen zum bisherigen Kabelfernsehen in der Mietwohnung
Die Alternativen sind vielfältig. Wer einfach so weitermachen möchte, wie bisher, kann wieder auf das klassische Kabelfernsehen setzen. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten. Alle Alternativen haben ihre Vor- und Nachteile und verursachen unterschiedliche Kosten.
Alternativen in der Übersicht:
- Neuer Kabelvertrag
- Fernsehen über Satellit
- Fernsehen über DVB-T2-Antenne
- Fernsehen über das Internet via Streaming Apps
- Fernsehen über IPTV
Neuer Kabelvertrag: Anbieter und Kosten
Natürlich kann man in Zukunft weiterhin über Kabel Fernsehen schauen. Nur um den Vertrag muss man sich in der Mietwohnung nun selbst bemühen. Die Kabelanbieter bieten neue Verträge und Vereinbarungen an, mit denen Mieter außerhalb der Nebenkosten weiterhin von relativ günstigen Konditionen profitieren können.
Hierfür sind die Kabelanbieter Vodafone/unitymedia und Pyur erneut Kooperationen mit Wohnungsbaugesellschaften eingegangen, um die Preise für Mieter günstig zu halten. Zwischen acht bis zehn Euro soll der Kabelanschluss somit in Zukunft kosten. Bisher waren es über die Nebenkosten um die sieben Euro pro Monat. Wessen Vermieter keinen Rahmenvertrag abgeschlossen hat, der muss in Zukunft mit noch höheren Kosten rechnen.
Allerdings hat diese Variante den entscheidenden Vorteil, dass man keine zusätzlichen Geräte benötigt und sich auch sonst nicht viel ändert. So müssen keine neuen Kabel gesteckt oder Sender neu angeordnet werden. Wer einfach die gewohnten Sender in der eingestellten Reihenfolge weiterschauen möchte und darüber hinaus keine zusätzlichen Mediatheken oder Funktionen benötigt, fährt mit dieser Variante wahrscheinlich am besten.
Monatliche Kosten für einen Kabelanschluss (ohne Rahmenvertrag):
- Vodafone Kabel (dazu gehört nun auch unitymedia) bietet für Mietwohnungen, die bisher über die Nebenkosten abgerechnet wurden, den Tarif "TV Connect" an. Kosten: zwischen 6,99 und 12,99 Euro pro Monat, abhängig davon, ob für die bewohnte Mietwohnung ein neuer Rahmenvertrag abgeschlossen wurde. Prüfen kann man das hier auf der Vodafone Webseite.
- Pyur TV: Den Basistarif mit HD-Sendern gibt es ab 12,99 Euro/Monat. Ob ein Anschluss an der eigenen Adresse möglich ist, kann man hier prüfen.
Fernsehen über Satellit
Für das klassische Fernsehen über Satellit ist ein Triple-Tuner im TV-Gerät notwendig. Den sollten allerdings alle TV-Geräte, die jünger als zehn Jahre sind, besitzen. Außerdem muss eine Satellitenschüssel angeschafft werden. Zu klären ist vorher, ob diese am eigenen Balkon oder auf der Terrasse installiert werden darf und nicht zuletzt muss die Sat-Antenne auch richtig ausgerichtet werden. Je nach Lage der Wohnung kann das zu Problemen führen.
Alternativ gibt es seit relativ kurzer Zeit auch die Möglichkeit, die HD+ TV-App auf dem Smart-TV zu installieren. Ob der eigene Fernseher die App hat, lässt sich hier nachprüfen. So funktioniert der TV-Empfang auch ohne Satellitenschüssel über das Internet (eine stabile Verbindung vorausgesetzt). Wer einen Fernseher von Samsung oder Panasonic (Modelle ab 2021) sein Eigen nennt, kann zudem über das Internet Fernsehen schauen. Kosten für HD+ Senderpakete: ab 6 Euro/Monat
Fernsehen über DVB-T2-Antenne
Auch über DVB–T2 Antenne kann man Fernsehen. Allerdings müssen auch hier einige Voraussetzungen erfüllt sein. In Ballungsräumen sollte eine Zimmerantenne genügen, da hier das Netz in der Regel sehr gut ausgebaut ist. In den ländlichen Regionen Brandenburgs muss man oft auf eine Dachantenne ausweichen und selbst damit kann es — je nach Region — teilweise weniger starke Signale geben. Ob und wie man am eigenen Wohnort DVB-T2 empfangen kann und wie stark das Signal letztlich wird, lässt sich hier prüfen.
Monatliche Kosten: ab 8,25 Euro (ohne Hardware)
Fernsehen über das Internet via Streaming Apps
Anbieter wie Magenta TV von der Deutschen Telekom, Sky und GigaTV (Vodafone) sowie Waipu und Zattoo bieten teilweise sehr einfache Möglichkeiten, über das Internet Fernsehen zu schauen. Teilweise benötigt man für diese Variante nur die passende App bzw. einen Smart-TV, der die App ausspielen kann. Alternativ kann man die Dienste natürlich auch auf dem Laptop, Tablet oder Handy nutzen. Die monatlichen Kosten starten bei 7,49 Euro (Waipu).
Fernsehen über IPTV
Deutlich komfortabler und umfangreicher, dafür aber auch teurer, sind Anbieter, die IPTV zur Verfügung stellen. Hier streamt man über das Internet und benötigt eine dementsprechende Bandbreite, die die Anbieter auf Wunsch direkt dazu liefern. Zu den Anbietern von IPTV gehören momentan Magenta TV, O2 TV, Vodafone Giga TV Net und 1&1 HD Fernsehen. Hier benötigt man allerdings einen Receiver, eine Box oder einen Stick (diese werden in der Regel zum Vertrag dazugemietet) und einen Smart-TV.
Das Onlineportal connect.de hat kürzlich die vier großen Anbieter von IPTV getestet. Testsieger wurde Magenta TV von der Telekom. Allen vier Diensten konnten aber generell gute bis sehr gute Leistungen bescheinigt werden. Monatliche Kosten: Magenta Flex (ohne Internet) ab 10 Euro pro Monat, O2 TV und 1&1 TV ab 6,99 Euro/Monat, Giga TV ab 9,99 Euro/Monat.




