KI in Frankfurt (Oder)
: Wie Comservice Mitarbeiter entlastet und Kunden hilft

Comservice aus Frankfurt (Oder) entlastet mit KI seine Mitarbeiter. Bei Rechnungen für Kunden lernt die Künstliche Intelligenz selbst dazu. In einem Bereich bleibt sie aber außen vor.
Von
Nicole Buhlau
Frankfurt (Oder)
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Hannes Breunig, Geschäftsführer von Comservice, bei seiner täglichen Arbeit mit dem KI-System von Wolters Kluwer

Mithilfe von KI-Software hat die Frankfurter Firma Comservice nicht nur ihre eigene Arbeit effizienter gestaltet, sondern kann auch den Kunden bessere Lösungen anbieten. Hannes Breunig, einer der drei Geschäftsführer, beschreibt die Vorteile.

Nicole Buhlau
  • Comservice nutzt KI zur Entlastung von Mitarbeitern und Verbesserung von Kundenlösungen.
  • Rechnungen werden automatisiert verarbeitet, KI lernt kontinuierlich dazu.
  • Das Unternehmen beschäftigt 35 Mitarbeiter und hat Standorte in Frankfurt (Oder) und Berlin.
  • Kundensupport erfolgt bewusst ohne KI-Bots, um persönlichen Kontakt zu gewährleisten.
  • Hoher Bedarf an Dienstleistungen von Comservice im medizinischen Bereich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wir kümmern uns um alles, was in der Praxis einen Stecker hat. Aber die Kaffeemaschine, die können wir nur bedienen.“ So würde Geschäftsführer Hannes Breunig seine Firma Comservice beschreiben. Tatsächlich ist das IT-Unternehmen ein echter Allrounder. Seit über einem Jahr verwenden die Mitarbeiter zusätzlich KI-Systeme, womit sie moderner sind als je zuvor.

Die Comservice GmbH hat zwei Standorte. Der Hauptsitz befindet sich im Technologiepark in Frankfurt (Oder) Markendorf, der Zweitsitz liegt in Berlin-Biesdorf. Die Philosophie dahinter? Näher am Kunden sein, mehr Arbeitskräfte beschäftigen und flexible Arbeit ermöglichen. „Wir befinden uns gerade im Mitarbeiteraufbau“, erzählt Hannes Breunig, einer der drei Geschäftsführer. Derzeit arbeiten 35 Angestellte bei Comservice. „Wir sind auf den medizinischen Markt spezialisiert“, erklärt der 37-Jährige. Comservice kümmert sich um fast alle administrativen Angelegenheiten ihrer Kunden – das sind Arztpraxen, Krankenhäuser und Medizinische Versorgungszentren.

KI soll bei Comservice in Frankfurt (Oder) Prozesse automatisieren

Das Unternehmen nutzt verschiedene Systeme, die auf dem Markt verfügbar sind, für die jeweiligen Abteilungen. In Bezug auf die Kunden sei das Unternehmen an deren Wünsche gebunden, aber bei der internen Arbeit werde selbst entschieden, welche Software für das Unternehmen am besten geeignet ist, erklärt Geschäftsführer Frank Mahlich, einer der drei Geschäftsführer von Comservice. „Letztendlich geht es darum, dass die Systeme, die wir einsetzen, die Arbeit unserer Mitarbeitenden erleichtern sollen.“ Ziel war es, ständig wiederkehrende Prozesse selbstlernend zu automatisieren.

Eine Abteilung, die am meisten entlastet werden musste, war das Backoffice in Zusammenarbeit mit dem Steuerbüro, so Breunig. 2023 wurde festgestellt, dass das Belastungslimit erreicht war und eine Lösung gefunden werden musste. Schließlich wurde sich auf die Software des niederländischen Informationsdienstleisters Wolters Kluwer geeinigt.

Daten für Rechnungen werden nicht mehr manuell eingetragen

Die Rechnungen der Kunden werden bei Comservice als PDF-Datei oder Bild empfangen, die Software filtert alle Daten – wie Rechnungsnummern oder Preise – heraus. Früher musste alles manuell eingetragen werden. „Wir haben dadurch jetzt wesentlich weniger Arbeit, und selbst wenn der Hersteller eine kleine Änderung am Dokument vornimmt, erkennt die KI es immer noch“, so Breunig.

Hannes Breunig (l.) und Frank Mahlich (r.) stehen vor dem Eingang zum Comservice-Hauptsitz in Frankfurt (Oder).

Für Hannes Breunig (l.) und Frank Mahlich, zwei der Geschäftsführer von Comservice, ist die Arbeit ohne KI nicht mehr vorstellbar. In einem Punkt aber verzichten sie bewusst auf deren Einsatz.

Nicole Buhlau

Auch andere Abteilungen wie Außentechnik, Monitoring oder die Schnittstellenentwicklung werden von künstlicher Intelligenz unterstützt. Gerade bei der Serverlandschaftsüberwachung ist die Hilfe der KI spürbar, erklärt Geschäftsführer Mahlich: „Wir können aus der Ferne die gesamten Serverlandschaften überwachen und feststellen, ob es ihnen gut geht." Alle Ergebnisse, die aus den Systemen gewonnen werden, werden von Mitarbeitenden lediglich verifiziert und geprüft. Der Vorteil: Man muss nicht mehr täglich 100.000 Datensätze durchgehen, sondern nur die Ergebnisse.

Um die Angestellten mit den KI-gesteuerten Systemen vertraut zu machen, war eine ausführliche Schulung nicht erforderlich, schildert Hannes Breunig. Die Einarbeitung dauerte pro Schritt etwa 15 Minuten, und dann war es „Learning by doing.“ Die KI lernt kontinuierlich dazu, aber es bedarf menschlicher Hilfe, um sie in die richtige Richtung zu lenken.

Wie sich Comservice entwickelt hat

Das Unternehmen wurde 1996 gegründet. Hannes Breunig ist seit 15 Jahren Teil davon. Vor zehn Jahren wurde der 37-jährige Miteigentümer und Geschäftsführer von Comservice. Zusammen mit Frank Purschke und Frank Mahlich bildet er die aktuelle Geschäftsführung. Comservice betreut 300 Kunden in Berlin und Brandenburg. Deutschlandweit kümmert sich das Unternehmen mit seinen Produkten um 700 bis 800 Kunden. Schwerpunkte liegen in Praxissoftware, Hardware, Abrechnungen und Webdesign. Medizintechnik ist inzwischen auch ein großer Teil des Unternehmens. Am Anfang hat es seine Dienstleistungen auch für Handwerksbetriebe angeboten. „Wir betreuen immer noch einige Stammkunden aus der Handwerksbranche, aber das lassen wir langsam auslaufen“, verrät Breunig.

Mitarbeitende mit KI zu ersetzen, sei weit hergeholt

Auf die Frage, ob es jemals das Ziel war, Mitarbeitende mit dem KI-Einsatz abzubauen, antwortet Breunig mit einem klaren Nein. „Es ist auch ein bisschen weit hergeholt, dass KI die Menschen ersetzt. Das ist einfach Quatsch.“

Dort, wo die Programme jetzt eingesetzt werden, war die Belastungsgrenze erreicht. Das Personal wurde sogar um eine Person im Backoffice aufgestockt, erzählt der 37-Jährige. Seiner Meinung nach haben KI und Rationalisierung von Arbeitskräften nichts miteinander zu tun, da die Aufgaben ringsherum anspruchsvoller werden. „Im Endeffekt handelt es sich um maschinelles Lernen oder standardisiertes Abarbeiten von Prozessen.“

In einer Abteilung wird bewusst auf KI verzichtet

In einer Abteilung verzichtet Comservice auf künstliche Intelligenz, verrät Hannes Breunig. „Das ist eine ganz bewusste Entscheidung, weil wir den Menschen persönlich ansprechen möchten.“ Denn der Kundensupport läuft ohne KI-Bots. Abgesehen von einem Anrufbeantworter gibt es keine elektronische Stimme. Breunig erzählt, dass sogar auf eine Wählzentrale verzichtet wurde – es gibt nur direkte Durchwahlen. „Natürlich muss man manchmal ein wenig Geduld haben, wenn man in der Warteschlange steht, aber dafür hat der Kunde garantiert Kontakt mit einer Person.“

Hoher Bedarf an Firmen wie Comservice

Comservice legt als innovatives Unternehmen großen Wert auf Flexibilität und Nachhaltigkeit. So werden Rechnungen fast nur noch per E-Mail oder auf anderen digitalen Wegen versendet. Seit 2024 bildet das Unternehmen wieder aus. Derzeit gibt es zwei angehende Fachinformatiker und eine Werkstudentin. In Deutschland gibt es 130.000 Arztpraxen und über 700.000 Menschen, die im medizinischen Bereich tätig sind. Der Bedarf an Firmen wie Comservice ist also hoch.

Ein Zukunftsszenario könnte sein, dass Künstliche Intelligenz bereits im Behandlungszimmer unterstützt. Hannes Breunig spricht von einem Mikrofon, über das die KI anhand der ausgesprochenen Symptome analysiert, welche Diagnose für den Patienten passend sein könnte. Das ist jedoch noch Zukunftsmusik und wird seiner Meinung nach in den nächsten fünf Jahren nicht stattfinden.

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