Kinderspaß: Temporäre Spielstraßen für Familien in Friedrichshain-Kreuzberg

Freiwillig Kiezlotse: Anwohner Georg Fromm (43) kümmert sich um die Absperrung.
Maria Neuendorff/MOZUm in den kommenden Monaten für Kinder und Eltern Platz zu schaffen, könnten sogar bis zu 30 temporäre Spielstraßen eingerichtet werden, heißt es aus dem Amt. Allerdings müssen sich jeweils sieben Personen freiwillig als sogenannte Kiezlotsen melden, um einen Straßenabschnitt zu betreuen.
Schnelle Umsetzung
„Wir haben uns über die Webseite angemeldet. In zwei, drei Tagen war das durch. Das ging erstaunlich schnell“, freut sich Fromm. Während der Programmierer aus Kreuzberg nun den Autofahrern das Projekt erklärt, ziehen seine beiden Töchter, sieben und vier Jahre alt, auf Rollschuhen ihre Bahnen über den Asphalt
Jemand hat einen Topf Kreide mitgebracht. Auf den Bänken ringsherum wird Eis aus dem Kiezladen genascht. Ein paar Eltern stoßen mit Weißwein in gebührendem Abstand auf den Erfolg an, sich die Straße für ein paar Stunden zurückerobert zu haben. Bodenwellen auf der Fahrbahn deuten an, dass in der Wohnstraße häufig auch mal zu schnell gefahren wird.
Auf den parkenden Autos links und rechts klemmen unter den Scheibenwischern Zettel mit Erklärungen. Die Spielplätze in Berlin sind seit dem 1. Mai zwar wieder geöffnet. Die Abstandsgebote der Covid-19-Eindämmungsverordnung behalten aber auch dort ihre Gültigkeit. „Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zählt zu den europaweit am stärksten besiedelten urbanen Gebieten“, steht auf den Flyern. Mit nur 6,4 Quadratmetern Grünraum pro Einwohner füllten sich Spielplätze häufig sehr schnell. Die geforderten Abstände von anderthalb Meter beim Bewegen beziehungsweise fünf Meter beim Rasten seien so oftmals nicht einzuhalten. Mit den temporären Spielstraßen wolle der Bezirk die Situation entzerren.
„Es gibt derzeit auch gute Entwicklungen“, findet eine Mutter mit Fahrrad, nachdem sie das Infoblatt gelesen hat. Generell seien die Reaktionen positiv, sagt Fromm. Nur ein Mal hätte es quietschende Reifen nach dem Ausparken gegeben. „Ein Autofahrer war wohl erst sauer und meinte, man müsse die Interessen aller Anwohner berücksichtigen“, berichtet er. „Aber ich habe ihn dann noch mal in Ruhe angesprochen, und am Ende fand auch er das Projekt gar nicht so schlecht.“
Parken ist nach wie vor erlaubt. Anwohner, die rein und raus fahren, müssen das in Schrittgeschwindigkeit tun. Auf einem der Parkplätze steht nun ein Wassertankwagen vom Straßen- und Grünflächenamt. Einige Anwohner haben Gießkannen mitgebracht. Ein paar Mädchen füllen mit einem Gartenschlauch immer wieder Wasser in Eimer und Kannen und gießen die Büsche und Bäume auf dem Lausitzer Platz. Mit der Wasserzapfstation und den nachbarschaftlichen Gießaktionen sollen die Bäume vor der Dürre gerettet werden.
Das allgemeine Projekt „Spielstraße" ist vom Bezirksamt zunächst für zwei Monate angelegt. „Wir hoffen, dass solche Verkehrsberuhigungen aber auch unabhängig von Corona weitergeführt werden können“, betont Fromm.
Weitere Verkehrsberuhigungen geplant
Auch Kieze in Charlottenburg-Wilmersdorf sollen zunehmend verkehrsberuhigt werden. Laut eines Artikels der Berliner Morgenpost setzen sich die Grünen im Bezirk dafür ein, Straßen in Wohnvierteln mit Pollern zu sperren, damit Autofahrer auf umliegende Hauptstraßen geleitet werden. Kiezblocks nennt sich dieses Konzept.
In Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen, Verbänden und Anwohnern solle zunächst geprüft werden, wo genau diese entstehen könnten. Ein entsprechender Antrag der Grünen solle im Verkehrsausschuss diskutiert werden, wie die Bezirksverordnetenversammlung beschloss. Kritik äußerten CDU- und FDP-Fraktion. Sie fürchten die Überlastung der Hauptverkehrsstraßen. ⇥neu
