In Brandenburg ist das Schul- und Kita-Essen deutlich teurer geworden - und die Caterer werden die Preise voraussichtlich noch mehr anheben. Damit geben sie die steigenden Lebensmittel- und Energiekosten an Kommunen und Eltern weiter. „Die enormen Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Energie treffen alle Caterer hart“, sagte der erste Vorsitzende des Verbands deutscher Schul- und Kitacaterer (VDSKC), Ralf Blauert. „Hinzu kamen zwei Mindestlohnanpassungen dieses Jahr.“
Caterer hätten deshalb keine andere Wahl, als die Preise pro Portion zu erhöhen. Die Erhöhungen beliefen sich derzeit auf 10 bis 20 Prozent. Es sei aber davon auszugehen, dass weitere Erhöhungen folgen werden.

Teure Lebensmittel, hohe Energiekosten

In dem Verband sind zehn märkische Cateringunternehmen engagiert. Die Einkaufspreise für Lebensmittel sind nach Blauerts Angaben im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 22 Prozent gestiegen, Käse um 30 Prozent, Bio-Nudeln sogar um 67 Prozent.
Der Branche geht es auch wegen der Corona-Krise nicht gut: „Während der Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie mussten viele Caterer Umsatzrückgänge von bis zu 90 Prozent verkraften“, sagte Blauert. Das Vorkrisenniveau habe bisher nicht wieder erreicht werden können. Die meisten Caterer hätten im Durchschnitt nach wie vor bis zu zehn Prozent weniger Portionen als vor Corona.
Mit rund 4000 Portionen und 30 belieferten Kitas sowie 15 Schulen in Potsdam ist Blauerts „Blauart Catering“ einer der größeren Essensanbieter in der Landeshauptstadt Potsdam. Sein Unternehmen habe den Essenspreis im Juli von 4,10 auf 4,70 Euro erhöhen müssen. Bei Kita- und Hort-Essen, die zum Teil durch die Kommunen mitfinanziert werden, gibt es ihm zufolge derzeit noch keine sinkende Nachfrage. Problematischer sei es bei den Schulen, vor allem ab der siebten Klasse. „Es gibt bereits erste Tendenzen, dass Kinder abgemeldet werden, weil das Essen zu teuer wird“, sagte der Verbandsvorsitzende.
Um bis zu 40 Cent pro Portion wurde das Essen des Caterers „Trend Kost“ aus Perleberg (Landkreis Prignitz) zuletzt erhöht. Er beliefert 46 Kitas und 6 Schulen meist im Nordwesten Brandenburgs. 5000 Portionen werden täglich ausgefahren, wie Geschäftsführer Steve Hausmann sagte. Demnächst kämen 16 Einrichtungen dazu, darunter in den Kreisen Oberhavel und Dahme-Spreewald.

Rationierung von Lebensmitteln

Das Problem sei, dass die Belieferung mit einigen Lebensmitteln wie Zucker aufgrund der Krise rationiert worden sei, berichtete Hausmann. Das kann Blauert bestätigen. „Die Caterer haben wieder angefangen, die Vorratslager zu füllen“, sagte er. Wegen Lieferengpässen, etwa durch Personalmangel, holten sich einige Betriebe ihre Zutaten schon selbst vom Anbieter. „Nudeln mit Tomatensoße ist im Fall eines Ausfalls unsere Alternative“, sagte Blauert.
Nicht nur die Teuerung bei den Nahrungsmitteln bereiten vielen Unternehmen Probleme. Laut Hausmann sind besonders Caterer bedroht, die vorher nicht gut gewirtschaftet hätten. „Dann fällt alles wie ein Kartenhaus zusammen“, sagte er. Der Geschäftsführer verweist auf Unternehmen, die bewusst den bei öffentlichen Ausschreibungen geforderten Mindestlohn von 13 Euro unterwanderten, was aber kaum kontrolliert werde. „Vor allem viele kleine Caterer trifft die Krise, und sie müssen das Geschäft nach und nach aufgeben“, sagte Blauert.
Zu den kleinen Caterern im Land gehört das Restaurant „Markt 11“ in Wittstock (Landkreis Ostprignitz-Ruppin). Gastwirtin Annett Münzer und ihr Team bekochen zwei Kitas in freier Trägerschaft - täglich bis zu 75 Essen. „Auch wir mussten die Kosten vor zwei Monaten erhöhen“, sagte Münzer. Sie setze auf saisonale und regionale Produkte, die von vielen kleinen Erzeugern stammten. „Dadurch können wir Lieferengpässe vermeiden, und oft sind die Produkte nicht viel teurer als beim Großlieferanten.“

Gebührendeckel für Kita- und Schulessen

Die Landtagsmehrheit hatte Mitte Oktober gegen eine Forderung der Linksfraktion in der Opposition nach einem Gebührendeckel für Kita- und Schulessen von zwei Euro pro Tag gestimmt. Von der Idee halten die Caterer aber wenig: „Was uns als energieintensive Betriebe helfen würde, wäre ein schneller Beschluss für einen Energiepreisdeckel“, sagte Blauert. Finanzielle Unterstützungen etwa durch einen Härtefallfonds ähnlich wie zu Corona-Zeiten könnten weiterhelfen.
Die rot-schwarz-grüne Landesregierung plant ein Rettungspaket von zwei Milliarden Euro, Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte Kita-Eltern im Landtag Unterstützung zugesagt. Zur geplanten Hilfe werde gehören, dass das Essensgeld nicht steigen solle, sagte sie. Konkretes ist bisher nach Angaben des Bildungsministeriums offen. Das Land will zunächst auf den Bund warten, um Lücken zu prüfen. „Aktuell ist noch nicht bekannt, welche Maßnahmen der Bund ergreift und wie sich diese auf die Entwicklung der Preise für die Bereitstellung von Kita-Essen auswirken“, sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld.