Kita in Berlin: Warum eine Mutter ihr Kind nach Potsdam und nicht nach Spandau bringt

In Berlin-Spandau einen Kita-Platz zu finden, ist kein Kinderspiel. Noch schwieriger wird es, wenn man einen Platz für ein Kind sucht, das noch jünger als 12 Monate ist. (Symbolbild)
Julian Stratenschult/ dpaWer in Berlin einen Kitaplatz für sein Kind gefunden hat, kann sich glücklich schätzen. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung fehlen in Berlin rund 20.000 Kita-Plätze. Auch in Spandau ist die Lage angespannt. Nach Angaben der Spandauer Bezirksstadträtin für Jugend und Gesundheit, Tanja Franzke, sind alle der rund 10.000 Kitaplätze in Spandau belegt. Über 300 Platzanfragen können derzeit nicht positiv beantwortet werden.
Noch schwieriger scheint es zu werden, wenn Eltern sich dazu entschließen, ihr Kind bereits vor dem zwölften Monat einer Kindertagesstätte anvertrauen zu wollen. So ging es Lena K. (Name von der Redaktion geändert, echter Name ist der Redaktion bekannt), die vor knapp zwei Jahren aus der Berliner Innenstadt nach Kladow gezogen ist. In den Bezirksregionen Gatow und Kladow gibt es insgesamt 23 staatliche Kindergärten mit Platz für 1715 Kinder.
Für Kinder unter 12 Monaten kaum Platz
Auf der Webseite des Bezirksamtes Spandau werden von diesen 23 Kitas lediglich zwei ausgewiesen, die auch Kinder vor ihrem ersten Geburtstag aufnehmen. Lena K. machte jedoch eine andere Erfahrung – zumindest im Süden Spandaus. Denn die Antworten der Kitas lautete: keine Kapazität für unter 12-Monatige. Auf Nachfrage hieß es, dass es entweder nicht genügend Personal dafür gebe oder die Betreuung von unter 12-Monatigen nicht ins Konzept der jeweiligen Kita passe.
Da Lena K. nicht auf eine Tagesmutter oder auf Tageseltern zurückgreifen wollte, orientierte sie sich bei der Suche für eine Kita-Betreuung ihres halbjährigen Kindes jenseits der Stadtgrenze – sie wurde schnell fündig. Dass sie wesentlich leichter in Potsdam einen Kitaplatz gefunden hat, als in Kladow, gibt ihr zu denken. „Es zeichnet sich noch immer ein Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland ab“, sagt die gebürtige Ost-Berlinerin.
Unterschiede zwischen Ost und West
Tatsächlich zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes, dass in den neuen Bundesländern eine deutlich höhere Quote von Kinderbetreuung dieser Altersgruppe vorliegt als in den alten. So liegen die Landkreise mit einer Spitzenbetreuungsquote von zwei bis elf Prozent, in denen Kinder unter zwölf Monaten in Kitas betreut werden, überwiegend im Osten, wobei auch Städte wie Hamburg, München und Frankfurt am Main diese Quote erfüllen.
Lena K. ärgert sich über den Umstand, auch wenn sie Glück hatte, im Umland schnell eine Alternative gefunden zu haben, auch wenn diese im Gegensatz zu Berliner Kitas etwas kostet. Es sei ihrer Meinung nach weder fortschrittlich noch im Sinne der Wirtschaft, wenn es Eltern und speziell Müttern nicht ermöglicht wird, nach der Geburt des Kindes zügig in die Arbeitswelt zurückzufinden. So zeigt das Bundesamt für Statistik, dass nur 13 Prozent der Mütter mit einem Kind von oder unter zwölf Monaten erwerbstätig sind, während es bei den Männern 87 Prozent sind.
Wie ihr Mann will jedoch auch Lena K. schnell wieder ihre Berufstätigkeit aufnehmen und neben der Mutter- auch wieder die der Führungsrolle in einem Tech-Unternehmen ausführen. Während Kita-Gutscheine in Berlin regulär erst für zwölf Monate alte Kinder ausgestellt werden, können Eltern beispielsweise aus beruflichen Gründen diesen Gutschein für einen früheren Zeitraum beantragen. Der Gutschein ist nötig, um überhaupt die Möglichkeit auf einen Kitaplatz zu erhalten. Er sollte nach Angaben des Bezirksamtes frühsten neun Monate und spätestens zwei Monate bevor das Kind zur Kita gehen soll beantragt werden.
In Brandenburg kostet die Kita-Betreuung
Einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gibt es bei einem Fall wie diesem jedoch nicht. Es besteht lediglich das Recht auf eine Unterbringung, sodass beispielsweise auch eine Tagespflege ohne frühkindliche Förderung akzeptiert werden muss.
Ein Antrag ist an entsprechende Nachweises gebunden, teilt Jessica Polko von der Fachdienststelle für frühkindliche Bildung des Bezirksamtes Spandau mit. Der Kita-Gutschein hat jedoch keine Gültigkeit in Brandenburg, wo für einige Kita-Jahre noch Elternbeiträge anfallen. Allerdings soll ab dem Kita-Jahr 2024/ 2025 die Betreuung aller Kinder ab dem dritten Lebensjahr kostenlos werden.




