Künstler: Otto Nagel soll zu seinem 125. Geburtstag geehrt werden

Ronald und Isolde Paris vor einem Werk von Paris. Der einstige Meisterschüler Otto Nagels schwärmt noch heute von seinem Lehrer.
Steffi BeyMitglieder des Anfang Januar gegründeten „Initiativkreises Otto Nagel 125“ hatten den Professor zur ersten Präsentation ihrer geplanten Veranstaltungen eingeladen. Denn der 125–jährige Geburtstag von Otto Nagel am 27. September 2019, soll Anlass sein, den bedeutenden Berliner Künstler, Publizist und Kulturpolitiker zu ehren. „Wir möchten Otto Nagel dem Vergessenwerden entreißen – seinen Platz aus heutiger Sicht bestimmen und so sein Werk und Wirken der nachfolgenden Generation nahebringen“, betonte Heinrich Niemann, Vorsitzender des Vereins „Freunde Schloss Biesdorf“.
Die engagierten Frauen und Männer moderieren und koordinieren den Initiativkreis. Mehr als 20 Partner haben sich bereits zusammengeschlossen und bringen sich in unterschiedlicher Weise ein. Dazu gehören unter anderem das Bezirksamt Marzahn–Hellersdorf, das Otto–Nagel–Gymnasium in Biesdorf, der Heimatverein Marzahn–Hellersdorf, das Mitte–Museum im Wedding sowie der Verlag Walter Frey, Familienangehörige Otto Nagels und seine Meisterschüler Ronald Paris und Harald Metzkes.
Geplant ist neben einer großen Festveranstaltung am 27. September im Schloss Biesdorf eine Jubiläumsfeier in der Aula des Otto–Nagel–Gymnasiums. Zudem wird es an diesem Tag seitens des Berliner Senats ein Gedenken am Ehrengrab des Künstlers in Friedrichsfelde geben. „Wir freuen uns, dass Berlins Kultursenator Klaus Lederer unserer Bitte nachkommt und die Schirmherrschaft für das Projekt übernimmt“, sagte Heinrich Niemann.
Auch Marzahn–Hellersdorfs Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) nimmt das wohlwollend zur Kenntnis, hätte sich „aber gewünscht, dass das Land Berlin, aufgrund des Jubiläums, von sich aus tätig geworden wäre.“ „Angeschoben hat den Prozess aber der ,Initiativkreis Otto Nagel 125“, betonte die Politikerin.
Wichtig sei allerdings, dass das Wirken des bedeutenden Künstlers einer breiten Öffentlichkeit nahebracht werde. Zuletzt lebte er in Biesdorf. Doch er war nicht nur „der Proletenmaler“, der sich Zeit seines Lebens politisch positionierte und engagierte, sondern ebenso seit 1970 Ehrenbürger Berlins.
Der Maler Ronald Paris, der von 1962 bis 1965 Meisterschüler Nagels war, „verneigt sich vor dessen Haltung“, wie er gestern erklärte. „Nagel hielt stets die Verbindung zu einfachen Menschen, malte in betroffener Art und Weise und löste auch beim Betrachter diese Betroffenheit aus“, beschrieb der 85–Jährige seinen Meister. Otto Nagel sei ein angenehmer Mensch gewesen, immer gleichmäßig gerade, offen und zugänglich.
Die Porträts des Malers sollen in einer Ausstellung, die im nächsten Jahr im Schloss Biesdorf gezeigt wird, im Mittelpunkt stehen. So viel kann Bezirksstadträtin Juliane Witt bereits sagen. Auch der Zeitraum stehe fest: 21. Mai bis 14. August 2020. Aber welche Werke konkret und in welchem Umfang zu sehen sind, gilt es in den nächsten Monaten zu besprechen.
Klar sei allerdings, auch Arbeiten von Schülern des Biesdorfer Otto–Nagel–Gymnasium sollen „in irgendeiner Form den Besuchern nahegebracht werden.“ Das können sowohl Plakate als auch Interviews sein, die von den Jugendlichen mit Familienangehörigen Nagels sowie den beiden Meisterschülern geführt wurden. Sogar einen Kunstpreis lobte die Schulleitung aus mit dem Ziel: „Den Geist von Nagel wieder lebendig werden zu lassen“, berichtete die stellvertretende Schulleiterin und Kunstlehrerin Dana Wolfram.
Wohlwollend äußerte sich Klaus Freier, stellvertretender Vorsitzender vom Verein „Freunde Schloss Biesdorf“, über die „durchweg positive Resonanz auf das Projekt. „Wir wissen noch viel zu wenig über den Künstler, es gibt noch eine Menge zu recherchieren“, erklärte er. Dazu zählt beispielsweise die Rolle Nagels beim Aufbau der Kultur nach 1945.
Alle Akteure betonten, dass weitere Mitstreiter willkommen sind, dass noch mehr Programm–Ideen gefragt seien und dass es toll wäre, wenn es künftig vielleicht eine Dauerausstellung im Schloss Biesdorf zu Otto Nagel geben würde. Auf jeden Fall ist am 16. Oktober eine Lesung zum 125. Geburtstag des Malers geplant sowie im Oktober eine Busfahrt durch den Wedding zu Orten seines Wirkens.