Lachgas in Berlin: Partydroge sorgt für Unfälle – so gefährlich ist der Stoff

Lachgas als gefährliche Partydroge – auch in Berlin: So sehen die Kartuschen aus. Immer öfter gibt es Unfälle im Zusammenhang mit dem Rauschmittel.
Boris Roessler/dpa- Lachgas in Berlin: Zunahme von Unfällen durch den Konsum als Partydroge.
- Polizei warnt vor gefährlichen Auswirkungen im Straßenverkehr.
- Täglich 250 Lachgas-Kartuschen im Müllheizkraftwerk gefunden.
- Grünen-Abgeordnete fordert Verkaufsverbot für Minderjährige und Gesundheitswarnungen.
- Konsum von Lachgas gefährlich: Risiken für Gesundheit und Umwelt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Sie wollen einfach nur lachen und landen im Krankenhaus: Immer mehr junge Menschen suchen in Berlin mithilfe von Lachgas den Kick. Jetzt warnt die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor dramatischen Folgen für den Straßenverkehr. Seit Ende 2023 häuften sich die Verkehrsunfälle, bei denen Beteiligte vorher Lachgas konsumiert haben, heißt es.
„Unsere Kolleginnen und Kollegen finden bei Verkehrsunfällen immer häufiger Lachgas-Kartuschen in den Fahrzeugen“, sagt GdP-Landeschef Stephan Weh. Mitunter ginge es dabei nicht nur um Blechschäden, sondern, um schwerwiegende Unfälle mit Verletzten. „Dieser Trend ist hochgefährlich. Wir brauchen Maßnahmen gegen diesen Wahnsinn, weil immer mehr Dealer Luftballons mit Lachgas verticken und es wegen fehlender Verbote selbst an den Theken der Spätis zu bekommen ist“, warnt Weh. Der Verkauf von Lachgas müsse deshalb stark eingeschränkt werden.
Unfälle unter Lachgas-Einfluss – gefährlicher Rausch
Lachgas, auch bekannt als Distickstoffmonoxid (N₂O), wird vor allem von jungen Erwachsenen und Jugendlichen konsumiert, um kurzfristige Bewusstseinsveränderungen und Rauschzustände zu erleben. Diese Zustände dauern in der Regel zwischen 30 Sekunden und vier Minuten. Ein Zeitfenster, das im Straßenverkehr laut Polizei Menschenleben kosten könne.
Dabei sind in Deutschland Lachgas-Kartuschen, die eigentlich zum Aufschäumen von Sprühsahne gedacht sind, legal verkäuflich. Es gibt weder eine Altersbeschränkung noch müssen Käufer ihren Ausweis vorzeigen. Es gibt verschiedene Marken, einige bieten das Gas sogar mit besonderen Geschmacksrichtungen an. Konsumiert wird die Modedroge durch Einatmen, nachdem das Gas zuvor in einen Ballon abgefüllt wurde.
„Lachgas wird zunehmend konsumiert, das sehen alle, die in Partykiezen unterwegs sind“, sagt auch die Grünen-Abgeordnete Silke Gebel der Deutschen Presse-Agentur.
Ihre Fraktion fordert ein Verkaufsverbot für Minderjährige und dass Läden wenigstens die Auflage bekommen, Gesundheitswarnungen zu veröffentlichen. Denn laut ärztlicher Warnungen können beim Konsum von Lachgas auch Nervenlähmung, Bewusstlosigkeit, Herz- und Hirnschäden bis zum Tod eintreten.
Doch während in Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden schon seit 2023 Verbote für den Verkauf bestehen, hat der Senat nicht einmal eine Erhebung darüber, wie viel Lachgas in Berlin veräußert beziehungsweise konsumiert wird.
250 Lachgas-Kartuschen täglich im Heizkraftwerk in Berlin
Dafür kann die Berliner Stadtreinigung (BSR) inzwischen sogar Zahlen liefern. „Wir finden in Spitzenzeiten bis zu 250 Lachgaskartuschen täglich im Müllheizkraftwerk in Ruhleben“, berichtet BSR-Vorstandsvorsitzende Stephanie Otto. Und das, obwohl die Lachgas-Behälter gar nicht in den allgemeinen Hausmüll gehören.
Denn durch die verbliebenen Gasreste könnten sich die Metallbehälter bei ihrer Verbrennung zu regelrechten Sprengkörpern entwickeln und seien somit eine Gefahrenquelle für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BSR. „Darüber hinaus können Lachgaskartuschen erhebliche Schäden in den Kesseln verursachen, was dazu führen kann, dass wir die Kapazität unserer Anlage herunterfahren müssen“, erklärt Otto.
Laut BSR landen die Metallkartuschen nach dem Konsum zumeist verbotenerweise in Restmülltonnen und öffentlichen Papierkörben oder werden in Grünanlagen und Parks zurückgelassen. Sie gehörten aber auf keinen Fall in den Restmüll oder in Papierkörbe, sondern vollständig entleerte Lachgas-Behälter können über die Wertstofftonne entsorgt werden. Nicht vollständig entleerte Kartuschen müssen laut BSR im Handel oder an den Schadstoffannahmestellen der Berliner Recyclinghöfe abgegeben werden, um eine umweltgerechte und sichere Entsorgung zu gewährleisten.
Lachgas als Partydroge: „Konsum hat stetig zugenommen“
Durch die Häufung der Funde kann auch die BSR bestätigen: „Der Konsum von Lachgas als Partydroge hat in den letzten Jahren stetig zugenommen.“ Auch in gesundheitlicher Hinsicht sei diese Entwicklung bedenklich, da langfristige Risiken der Chemikalie, die auch in der Medizin als Narkosemittel eingesetzt wird, bislang kaum erforscht seien und Lachgas zudem häufig mit weiteren Rauschmitteln wie Alkohol, Cannabis oder Psychedelika eingenommen werde.
Wie bei allen Drogen drohen rein theoretisch hohe Strafen für das Fahren unter Lachgas-Einfluss. Nach Paragraf 316 StGB könnten das bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafen sein. Zusätzlich droht Führerscheinentzug.
Doch die Ahndung ist schwierig: „Meine Kolleginnen und Kollegen müssen Konsumenten praktisch auf frischer Tat ertappen“, erklärt Stephan Weh von der Polizeigegewerkschaft. Lachgas sei mangels fehlender Methoden im Blut nicht nachweisbar und etwa eine Stunde nach der Inhalation komplett aus dem Körper ausgeschieden. „Deshalb appellieren wir eindringlich an die Vernunft junger Menschen und hoffen, dass sie im besten Fall die Finger von dieser gefährlichen und billigen Droge lassen, oder wenigstens nicht nach Konsum Auto fahren.“


