Lade-Station für E-Autos: Berlin baut Stromtankstellen aus – reichen sie für alle?

Ein Auto lädt in Berlin-Mitte an einer Ladesäule. Nach Schätzungen werden im Jahr 2030 rund 400.000 E-Pkw in Berlin unterwegs sein.
Christoph Söder/dpa- Berlin: 700 neue Ladepunkte für E-Autos bis 2024.
- 2030: 400.000 E-Pkw prognostiziert, großer Ladebedarf.
- ADAC: Infrastruktur oft unzureichend, besonders in dicht besiedelten Gebieten.
- Schnellladesäulen: bis zu 150 kW, Ladezeit 10-20 Minuten.
- Preisunterschiede und rechtliche Hürden erschweren das private Laden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Berlin gibt es derzeit rund 32.100 Ladepunkte für E-Autos, 821 davon sind Schnellladesäulen. Bei einem Fahrzeugbestand von knapp 80.000 elektrisch betriebenen Fahrzeugen signalisieren die Zahlen auf den ersten Blick eine gute Versorgungslage. „Doch die Realität sieht oft anders aus“, sagt ADAC-Sprecher Leon Strohmaier. „Vor allem in dicht besiedelten Stadtquartieren ohne private Stellplätze bleibt das Laden im Alltag eine Herausforderung.“
Denn von den Ladepunkten sind laut Senatsverkehrsverwaltung nur gut 5.000 öffentlich zugänglich, davon wiederum befinden sich rund 3.200 im öffentlichen Straßenraum. „Die vorhandene Infrastruktur ist damit weder flächendeckend noch bedarfsgerecht“, stellt der ADAC-Sprecher auf Anfrage klar.
Berlin – eine Ladesäule für 15 E-Autos
Sowohl in Berlin als auch in Brandenburg teilten sich rund 15 Autos eine öffentliche Ladesäule, rechnet Strohmaier vor. Von der EU wurde schon 2016 ein Verhältnis von 1:10 empfohlen. Für Brandenburg sei das derzeitige Verhältnis noch eine größere Herausforderung als für die Hauptstadt, da man zwischen den Stromtankstellen längere Wege zurücklegen müsse.
Allerdings gebe es im Flächenland neben den derzeit 3.814 öffentlich zugänglichen Ladepunkten (Stand 1. Januar 2025) eine große Zahl an privaten Wallboxen. „Diese lösen zwar das Problem der täglichen Wege beispielsweise zur Arbeit oder zum Supermarkt“, sagt Strohmaier, „In puncto Spontanität müssen – vor allem wegen der weiten Wege - Abstriche gemacht werden, was vielleicht potenzielle Käufer von E-Autos abschreckt.“
Daher müsse Brandenburg weiter in die Ladeinfrastruktur investieren. Auch um die Elektromobilität in Berlin zu stärken, brauche es einen gezielten Ausbau. „Besonders in Gebieten mit hohem Parkdruck sind mehr öffentlich zugängliche Ladepunkte unerlässlich“, so Strohmaier.
„Auch Schnellladeeinrichtungen an Verkehrsknoten, Einkaufszentren, großen Wohnanlagen sowie Park-and-Ride-Anlagen müssen verstärkt ausgebaut werden, um das Laden im Alltag praktikabler zu machen.“
E-Auto in Berlin: rechtliche Hürden für das private Laden
Gleichzeitig sollten rechtliche Hürden für das private Laden in Miet- und Eigentumswohnungen abgebaut werden. „Vereinfachte Genehmigungsverfahren, klare Regeln zur Kostenverteilung und gezielte Förderprogramme für private Ladeeinrichtungen sind hierfür entscheidend“, betont der ADAC-Sprecher.
Für 2030 prognostiziert die Senatsverwaltung 400.000 E-Pkw, die in Berlin unterwegs sein und einen täglichen Ladebedarf von 2.000 MWh haben werden. Dies entspricht dem Energieverbrauch einer Kleinstadt.
Der Senat feiert immer wieder Kooperationen mit Firmen, die einen Fuhrpark mit E-Autos betreiben, aber ihre neu eingerichteten Ladesäulen auch für Außenstehende zur Verfügung stellen. Insgesamt sind 2024 rund 700 neue Ladepunkte ans Netz gegangen.
Erst vor kurzem haben die Berliner Stadtwerke vier neue Schnellladesäulen eröffnet. Das landeseigene Unternehmen verfügt über 1318 öffentliche Ladepunkte in der Hauptstadt – zwei wurden in der Allee der Kosmonauten in Marzahn eingeweiht.

Lademöglichkeit für E-Mobilität in Berlin: Ein Symbol markiert auf einem Parkplatz eine Lademöglichkeit für Elektroautos.
Hannes P. Albert/dpaAn den Schnelllade-Stationen mit einer Leistung von bis zu 150 kW können E-Autos in zehn bis 20 Minuten bis zu 80 Prozent geladen werden. An herkömmlichen Punkten dauert das bis zu zwei Stunden. Laut Senatsverwaltung hätten auch private Betreiber Genehmigungen für Schnelllade-Einrichtungen im öffentlichen Raum erhalten.
Elektro-Tankstellen mit Bioethanol in Berlin
„Für private Anbieter ist die Einrichtung von Ladesäulen leider immer noch nicht profitabel“, sagt Alexander Sohl, Sprecher von Me Energy. Die Firma mit Sitz in Wildau hat den Brandenburgischen Innovationspreis für ihre mobilen Elektro-Tankstellen mit Bioethanol-Konzept bekommen. Trotzdem musste das Vorzeige-Start-up 2024 Insolvenz anmelden und sich mit dem indischen Investor Trinity Cleantech internationale Hilfe holen.
Me Energy stellt für Firmen Stromtankstellen auf, die ohne Netzanschluss auskommen. In Berlin und dem Umland sind es nach Unternehmensangaben derzeit rund 30 Anlagen. Zu den Kunden, die diese mieten, gehören vor allem Logistikunternehmen, von Paketdienstleistern bis zu Speditionen.
Eine stationäre Ladesäule zu errichten, koste dagegen mindestens 100.000 Euro, erklärt Sohl. In Berlin seien derzeit die Baugenehmigungen eine Hürde. „Viele Teile des Stromnetzes stammen aus den 40er bis 60er-Jahren. Damals hat noch niemand an E-Autos gedacht“, betont der My-Energy-Sprecher.
E-Auto in Berlin: Laternen werden zu Ladesäulen
So will der Senat das Laternenladen weiter ausbauen. Ende Februar 2025 wurde der Weiterbetrieb des ehemaligen Forschungsprojekts ElMobileBerlin mit der ubitricity Gesellschaft für mindestens vier Jahre besiegelt. Neben dem Weiterbetrieb der über 800 Laternenladeeinrichtungen in Marzahn-Hellersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Reinickendorf, Treptow-Köpenick und Spandau habe der Betreiber die Option, zusätzlich bis zu 250 Laternenladeeinrichtungen in anderen Bezirken zu errichten.
Damit Parkplätze an den Laternen nicht von Verbrennern blockiert werden, mussten knapp 100 Standorte umgerüstet werden, mehr als 100 weitere sollen in diesem Jahr folgen. Durch die Schilder könnten die Laternen-Lader auch besser sichtbar gemacht werden.
E-Auto in Berlin: Unterschiede bei Preisen und Bezahlung
Wie finde ich überhaupt die nächste freie Säule? Und woher weiß ich, was für Kosten auf mich zukommen? „Alle Apps von Anbietern von Ladedienstleistungen zeigen die Verfügbarkeit von Ladestationen, egal ob sie von uns oder eon oder von wem auch immer betrieben werden“, erklärt Stephan Netz, Sprecher der Stadtwerke.
Doch bei Bedienung und Bezahlung gibt es große Unterschiede. „Mal brauchen E-Autofahrende eine Ladekarte, mal muss man den Stromfluss mithilfe einer App aktivieren“, erklärt ADAC-Sprecher Strohmaier. Bei der einen Säule zahle man direkt übers Smartphone, bei der anderen kommt eine Rechnung.
Wie viel die Kilowattstunde (kWh) an einer öffentlich zugänglichen Ladestation kostet, sei oft unklar – und komme auf den Anbieter an. „Es gibt verschiedene Tarifmodelle: solche mit und andere ohne Grundgebühr.“ Unter 40 Cent pro kWh erhalten E-Auto-Fahrer unterwegs selten Energie. Laut Vergleichsportals Check24 ist Strom für das Elektroauto bei gleicher jährlicher Durchschnitts-Fahrleistung bis zu 77 Prozent billiger als das Benzin für den Verbrenner.
E-Auto in Berlin: Preisüberblick bei E-Tankstellen fehlt
Einige Betreiber verlangen jedoch nach einer gewissen Standzeit an der Säule einen Aufschlag pro Minute. „Wir brauchen dringend eine Vergleichbarkeit von Preisen, so wie wir das auch beim Tanken kennen“, betont Strohmaier.
Experten-Runde im Roten Rathaus
Am 28. Mai 2025 wird bei der Hauptstadtkonferenz Elektromobilität im Rathaus in Berlin über die neuesten Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen der Elektromobilität und nachhaltigen Mobilität informiert und diskutiert.
Schirmherr ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner. Außerdem werden Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, Verkehrssenatorin Ute Bonde sowie Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft erwartet.
Anmeldungen ab 13 Uhr sind noch möglich. Es gibt auch einen Livestream.




