Sein Geschäft befindet sich seit ein paar Tagen in der Słubicer Fußgängerzone, die von deutschen Besuchern seit Jahrzehnten "Zigarettenstraße" genannt wird. Auch im Zentrum von Stettin gibt es schon seit einiger Zeit ähnliche Shops.
Aber ist der neue Handel nicht illegal? Schließlich sind getrocknete Hanfblüten in der Drogenszene als Marihuana oder "Gras" bekannt, ihr Besitz steht unter Strafe. Und in dem kleinen Laden gibt es nicht nur getrocknete Blüten. Sondern auch Hanföl, Hanfschokolade und sogar Nudeln, Seife und Shampoo mit Extrakten aus der Cannabis-Pflanze (Cannabis ist übrigens  die lateinische Bezeichnung für Hanf.)
"Keine Angst", beruhigt der Verkäufer. "Die Hanfpflanzen für diese Produkte sind so gezüchtet, dass sie weniger als 0,2 Prozent THC enthalten." THC wiederum ist die Abkürzung von Tetrahydrocannabinol – jener Substanz, die auf die Psyche des Menschen die berauschende Wirkung hat.
"Die Pflanzen kommen ausschließlich von Plantagen aus Italien und Spanien", erklärt Mielcarek. In Polen wäre es so gut wie unmöglich, solche Plantagen zu betreiben. "Denn bei 1500 Pflanzen haben bestimmt eine oder zwei einen höheren THC-Anteil. Und dann hat man gleich die Polizei auf dem Hals." Jener Hanf, aus dessen getrockneten Blüten die Droge Marihuana gewonnen wird, hat einen THC-Gehalt von bis zu 30 Prozent.
Ein zweiter in den Pflanzen enthaltener Wirkstoff, dem eine  beruhigende, entzündungshemmende sowie angst- und krampflösende Wirkung zugeschrieben wird, ist das Cannabidiol (CBD). Aus ihm wird das Cannabis gewonnen, das man in einigen EU-Ländern wie den Niederlanden und Belgien, aber eben auch in Italien und Spanien als medizinisches Cannabis kaufen kann.
In Deutschland wird zwar auch  Cannabisöl verkauft, das zum Teil sogar nur 0,0005 Prozent THC enthält. Allerdings gibt es einen seit Jahren anhaltenden Rechtsstreit darum (siehe Infokasten).
Maciej Mielcarek berichtet, dass schon in der ersten Woche seit der Ladenöffnung zahlreiche deutsche Kunden hereingeschaut haben. Eine Frau aus Berlin, die sagte, dass sie an Krebs leidet, habe gleich mehrere Fläschchen des hochkonzentrierten CBD-Öls bestellt.
Beim deutschen Zoll ist man nicht so begeistert. "Unsere Mitarbeiter haben bei einigen Kontrollen solche Produkte gefunden und sich nicht davon beeindrucken lassen, was auf der Packung steht", sagt die Sprecherin des Hauptzollamts in Frankfurt (Oder), Astrid Pinz. Im Gegenteil: In Labors soll geprüft werden, ob der THC-Anteil der Produkte unter 0,2 Prozent liegt. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.
Und was macht man nun eigentlich mit dem grammweise gekauften getrockneten "Gras"? Man kann es in einen Vaporisator stecken, der es zu Gas verdampft, das man einatmen kann. "Wie viel für ihn gut ist, muss aber jeder Einzelne selbst entscheiden", sagt Maciej Mielcarek.

In Deutschland wird über den freien Handel mit CBD-Produkten gestritten


In manchen deutschen Läden sowie übers Internet kann man Öle, medizinisches Marihuana oder auch Tees frei kaufen, die das Cannabidiol (CBD) aus der Hanfpflanze enthalten. Schon im September 2016 hatte der Bundesrat diesen Stoff aber zu einer ärztlich verschreibungspflichtigen Medizin erklärt. Dennoch wird noch immer Cannabisöl mit dem Hinweis verkauft, dass es sich um Nahrungsergänzungsmittel und keine verschreibungspflichtige Medizin handele. Um nicht in Konflikte zu geraten, haben die Internetriesen eBay und Amazon CBD-Produkte aus ihrem Angebot entfernt. Im April fand in Bayern und Baden-Württemberg eine Großrazzia gegen CBD-Shops statt, bei der zahlreiche Produkte beschlagnahmt und unter dem Vorbehalt geschlossen wurden, dass es sich um illegalen Rauschgifthandel oder zumindest Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz handele. Ein Knackpunkt ist, dass die EU-weite Regel, wonach Cannabisprodukte legal sind, die weniger als 0,2 Prozent HC enthalten, in Deutschland umstritten ist. ds