Mauerfall-Jubiläum
: Die Auferstehung des Palastes

Die Planungen für das 30. Mauerfall-Jubiläum stehen. Unter anderem soll der Palast der Republik wieder auferstehen.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Auferstanden aus Ruinen: Mithilfe einer Lichtkunstprojektion soll im November an einer Fassade des neuen Humboldt Forums an den Palast der Republik erinnert werden. Der DDR-Bau mit seinen berühmten Kultursälen wurde 2008 abgerissen. Am alten Standort wird nun das Schloss wieder aufgebaut.

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Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls will sich Berlin in eine riesige Open-Air-Bühne verwandeln. Auf einer „Route der Revolution“ entlang historischer Orte sind Licht- und Hörinstallationen, Ausstellungen und Konzert geplant.

Da ist er plötzlich wieder. Auf der Ostfassade des neuen Humboldt Forums, die nicht mit schlossartigem Stuck auf alt getrimmt wurde, spiegelt sich die Sonne in der markanten rotbraunen Glasfront. Der abgerissene Palast der Republik ist wieder auferstanden. Zumindest auf einer Computer-Visualisierung der Berliner Kulturprojekte GmbH.

Die landeseigene Gesellschaft organisiert nach 2009 und 2014 wieder ein Mauerfall-Jubiläum für die Stadt. Diesmal ist es das 30. Viele junge Berliner und ihre Gäste aus aller Welt haben die Teilung und Wiedervereinigung selbst gar nicht mehr erlebt. „Um den Mauerfall zu verstehen und das Jubiläum zu feiern, werden wir die Geschichte der Ereignisse von 1989/90 genau da in Berlin erzählen, wo sie passiert ist“, erklärte Geschäftsführer Moritz van Dülmen am Mittwoch die Pläne.

So hat sein Kreativ-Team sieben Orte festgelegt, die mit historischen Bildern, Filmen, Ausstellungen und Konzerten bespielt werden. Die sogenannte Route der Friedlichen Revolution führt vom ehemaligen Stasi-Hauptsitz in Lichtenberg über die Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg bis auf den  Kudamm, auf dem nach der Grenzöffnung Ost- und Westberliner gemeinsam die Freiheit feierten.  Auf dem Alexanderplatz dagegen sollen mit Hilfe raumgreifender Inszenierungen die Forderungen der Demonstranten erlebbar gemacht werden, die dort am 4. November 1989 der SED-Führung die Stirn boten.

Die Inszenierungen aus historischen Bildern, Filmen und Soundinstallationen bilden vom 4. bis zum 10. November die Kulisse für ein weiteres Veranstaltungsprogramm, das gemeinsam mit Museen, Gedenkstätten, Vereinen, Bildungseinrichtungen, Initiativen und Künstlern gestaltet wird. Podiumsdiskussionen, Zeitzeugengespräche, Lesungen, Filmvorführungen sowie Poetry Slams runden das Programm ab.

Um die stadtweite Open-Air-Ausstellung auch mit lebendigen Geschichten zu füllen, suchen die Veranstalter Personen, die die Ereignisse 1989 live und vor Ort an den auserwählten Schauplätzen miterlebt haben. „Welche Hoffnungen hatten sie? Welche Ängste? Welche Erwartungen haben sich erfüllt und welche wurden vielleicht auch enttäuscht?“, lauteten Fragen an die Zeitzeugen, so van Dülmen.

Der Senat stellt zehn Millionen Euro bereit. Höhepunkt der einwöchigen Feierlichkeiten ist ein Musikfestival am Abend des 9. November, der in diesem Jahr auf einen feierfreundlichen Sonnabend fällt. Entlang der Route der Revolution sollen auf zahlreichen Bühnen namhafte nationale und internationale Künstler auftreten, deren Sound oder Geschichte mit den Ereignissen von 1989/90 verbunden ist oder die für Neues und Aufbruch stehen. Die musikalische Spanne soll dabei möglichst breit sein. „Wir wollen mit Liedermachern in die Kirchen gehen, Hip-Hop an die East Side Gallery bringen und die Stasi-Zentrale rocken“, kündigte der Kulturprojekte-Chef an.

„Auch wenn die Friedliche Revolution zu den freudigsten Ereignissen der deutschen Geschichte gehören, ist nicht allen nach Feiern zumute“, betonte Kultursenator Klaus Lederer (Linke).  Deshalb solle auch Platz für das Nachdenken über Versäumnisse bei der Wiedervereinigung sein, so Lederer. Auch die rechte Vereinnahmung des damaligen Protestrufes  „Wir sind das Volk“ solle thematisiert werden. Außerdem müsse man daran erinnern, dass der Mauerfall nicht ein rein deutsches, sondern ein mitteleuropäisches Ereignis war. „Deshalb wollen wir zum Jubiläum auch zu Nachbarn wie Ungarn schauen, wo die Wende begonnen hat.“