Mini-Hotel
: Wie Moritz in der Litfaßsäule

Übernachten im mobilen Mini-Hotel: Das Berliner Unternehmen „Slube“ hat auf dem Alexanderplatz einen neuartigen Wohnturm geparkt.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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  • Hereinspaziert bitte: Das neueste Modell der Slube GmbH am Alexanderplatz dient derzeit nur als Anschauungsobjekt und kann mit Geschäftsführer Jörg Scholz besichtigt werden. Ähnliche Mini-Hotelzimmer der Vorgängerversion werden derzeit schon in Lichtenberg und Marzahn vermietet.

    Hereinspaziert bitte: Das neueste Modell der Slube GmbH am Alexanderplatz dient derzeit nur als Anschauungsobjekt und kann mit Geschäftsführer Jörg Scholz besichtigt werden. Ähnliche Mini-Hotelzimmer der Vorgängerversion werden derzeit schon in Lichtenberg und Marzahn vermietet.

    Maria Neuendorff
  • Unterkunft für zwei: Das Doppelbett in dem 4,30 Meter hohen Hotelturm erreicht man per Leiter. In der unteren Ecke befinden sich eine Sitzecke und das Mini-Badezimmer.

    Unterkunft für zwei: Das Doppelbett in dem 4,30 Meter hohen Hotelturm erreicht man per Leiter. In der unteren Ecke befinden sich eine Sitzecke und das Mini-Badezimmer.

    promo
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Sie sehen aus wie eine moderne Litfaßsäule, haben einen Durchmesser von 2,50 Meter und man kann sie in zwei Stunden aufbauen:  Das neueste Serien-Modell kann man derzeit auf dem Alexanderplatz besichtigen.

Der weiße Zylinder auf dem Parkplatz am Alex wirkt im ersten Moment unscheinbar. Erst wer eintritt sieht, dass er der Bau aus isoliertem Stahlbeton alles hat, was ein Hotelzimmer braucht: Doppelbett, WC und Dusche. Die Holzdielen sind mit Fußbodenheizung unterlegt. Neben der abgerundeten Sitzbank mit Klapptisch stehen Kaffeemaschine und Wasserkocher bereit. Das Duschwasser nebenan kommt direkt aus der WC-Decke. Damit das Klopapier nicht nass wird, kann man durch die Mitte des Mini-Badezimmers einen Vorhang ziehen.

„Strom, Wasser, Heizung können von außerhalb gesteuert werden“, erklärt Jörg Scholz, Geschäftsführer der Slube GmbH“, der die ungewöhnlichen Übernachtungsmodule vor Kurzem auf der Internationalen Tourismusbörse vorgestellt hat. Die Ursprungs-Idee geht auf die Veloform Media GmbH zurück. Der Erfinder der Berliner Velotaxen hatte irgendwann angefangen, temporäre Boxen als Aussichtstürme, Kioske und mobile Geldautomaten zu bauen. Einer der Zylinder mit Wendeltreppe auf das Dach stand lange als Infobox an der U-Bahnbaustelle am Roten Rathaus. Dort konnten sich Interessierte nicht nur an Schautafeln über die Verlängerung der U55 informieren, sondern vom Turmdach direkt in den Mammutschacht schauen. Irgendwann sei der damalige Firmen-Gründer auf die Idee gekommen, solch einen Zylinder für sich und seine Familie privat als Wohnturm auszubauen und sich als Wochenendhäuschen in Brandenburg  aufzustellen, erzählt Scholz.

Inzwischen kann man die Mini-Hotel-Türme in der Vorgängerversion, die zum Teil auch mit Terrasse auf dem Dach ausgestattet sind, unter anderem auf dem Forellenhof Rottstock im Hohen Fläming mieten. Eine ganze Hoteltower-Anlage mit verschiedenen Mini-Häusern steht auch schon in Lichtenberg sowie vor einem umgebauten alten Heizhaus in Marzahn. Auf den Arealen, die jeweils an ein Hotel angedockt sind, können sich Touristen  auch in Wohnwürfel und Container anderer Hersteller günstig einmieten.

Ungewöhnliche Unterkünfte auf kleiner Fläche mit intelligenter Raumminimierung liegen in der boomenden, sich immer mehr verdichtenden Touristen-Metropole schon länger im Trend. Die Preise für die "Slubes“ liegen zwischen 48 und 69 Euro pro Nacht für zwei. „Wenn Messe ist, kann es auch teurer werden“, sagt Scholz.

In das neueste Übernachtungsmodul am Alex kann man sich allerdings noch nicht einmieten. Es dient als Anschauungsexemplar, das potenzielle Käufer und Pächter nach Vereinbarung besichtigen können. Scholz stellt sich auch eine Nutzung auf Campingplätzen, an Radwegen aber auch als Studentenunterkünfte vor. „Dieses neueste Modell wurde aus den Vorgängern optimiert“, erklärt der 52-jährige Unternehmer. So habe man zum Beispiel die ursprüngliche Wendeltreppe in dem nur achteinhalb Quadratmeter großen Rund aus Platzgründen durch eine gerade Leiter ersetzt.

Ein bisschen fühlt man sich wie „Moritz in der Litfaßsäule“. Der junge Ausreißer aus dem berühmten Kinderroman übernachtet in der Besenkammer einer Werbesäule mitten auf dem Marktplatz und beobachtet unbemerkt, wie ihn die Menschen suchen. Während man selbst durch Vorhänge geschützt ist, kann man vom Doppelbett in der oberen Etage aus die Autos auf der Karl-Liebknecht-Straße vorbeirauschen und Touristen in Cafés strömen sehen.

Eine Rezeption braucht das Mini-Hotel nicht. „Die Gäste buchen und bezahlen online und öffnen die Tür per Code“, erklärt Scholz. Eigentlich verkauft der Berliner Motorroller. Seine Zukunftsvision ist, die „Slubes“ künftig als „Ladehotels“ für E-Autos zu stationieren. „Dann könnte man die drei- bis vierstündige Ladezeit nutzen, um zu duschen oder zu schlafen.“