MOZ-Serie „Mein Meisterstück“
: Der mehrfache Meister: Schornsteinfeger Nico Schneider

Die Idee für den Beruf kam von seinem Vater. Nico Schneider hat es nicht bereut, Schornsteinfeger geworden zu sein.
Von
Ina Matthes
Ziltendorf
Jetzt in der App anhören
  • Im schwarzen Kehranzug: Schornsteinfegermeister Nico Schneider mit Gesellin Sarah Klevenhusen auf dem Dach bei der Arbeit in Ziltendorf im Landkreis Oder-Spree.

    Im schwarzen Kehranzug: Schornsteinfegermeister Nico Schneider mit Gesellin Sarah Klevenhusen auf dem Dach bei der Arbeit in Ziltendorf im Landkreis Oder-Spree.

    Bernd Geller
  • Meisterbrief von Nico Schneider.

    Meisterbrief von Nico Schneider.

    Bernd Geller
1 / 2

So ist er doch dem Rat des Vaters gefolgt. Schornsteinfeger. „Weil ich den Beruf nicht kannte“, erzählt er. Er hat bei einem Schornsteinfegermeister in Vogelsang ein Praktikum gemacht. „Das hat mir super gefallen“, erinnert er sich. „Ich war viel draußen. Ein Schornsteinfeger hat ein Ansehen bei den Leuten, man wird erkannt. Das war spannend, angenehm, schön.“

Nico Schneider  machte eine Ausbildung bei Andreas Vormelcher in Vogelsang (Oder-Spree). Schneider wurde  ein besonderer Azubi:  Im Spätsommer 1998 war er Landesmeister der Schornsteinfegerlehrlinge in Brandenburg und im November desselben Jahres Vierter beim Bundesausscheid. Sein Ausbildungsbetrieb übernahm ihn. Dort hat er gearbeitet bis zum Mai diesen Jahres. Seitdem ist der Ziltendorfer selbstständiger Schornsteinfegermeister.

Der Weg zum eigenen Kehrbezirk war ein langer. Er führte über eine Warteliste mit Dutzenden Bewerbern – und über eine Meisterprüfung. Die hat Nico Schneider  2003 erfolgreich bestanden.  Als Dienstleister liefert ein Schornsteinfeger allerdings kein Meisterstück – er muss Aufgaben lösen, wie sie ihm im Berufsalltag begegnen. Der praktische Teil von Nico Schneiders Meisterprüfung begann in einem Mehrfamilienhaus. Dessen Bewohner waren es schon gewohnt, dass Prüflinge bei ihnen vorbeikamen. Schneiders Aufgabe: herausfinden, wie ein neu zu bauender Kachelofen im Wohnzimmer und ein mit Gas betriebener Durchlauferhitzer in der Küche an einen Schornstein angebunden werden. Anschluss einer Feuerstätte, so heißt das korrekt. Das bedeutete zunächst zu prüfen – wo soll der Ofen hin, steht er da sicher? An welchen Schornsteinzug kann der Kachelofen angebunden werden? Ist der Abzug für die jeweilige Temperatur der Abgase geeignet, stimmen die Druckverhältnisse? In Mehrfamilienhäusern liegen meist mehrere Schornsteinzüge nebeneinander – dann muss der richtige gefunden werden. Die, an denen gasbefeuerte Heizungen angeschlossen werden dürfen, tragen in der Regel eine gelbe Plakette. Züge für Kohleheizungen sind einfach zu erkennen – am Ruß. Nach der Recherche in der Wohnung kam dann die eigentliche Herausforderung: das Bescheinigungswesen. Nico Schneider erinnert sich an Stapel von Formularen, die er im Anschluss an die Wohnungs-Besichtigung bei seiner Prüfung ausfüllen musste. Erste Schwierigkeit: Die richtigen herausgreifen. Zweit Hürde: korrekt bearbeiten. Da kommt es auf Details an – wie die eindeutige Bezeichnung eines Schornsteinzuges. Zum Beispiel: vom First aus gesehen der äußere rechte Zug.  Zu Schneiders Prüfung gehörte neben dem praktischen auch noch ein fachtheoretischer Teil, bei dem unter anderem auch chemisches Grundlagenwissen abgefragt wurde. Woraus besteht Erdgas? Richtige Antwort: hauptsächlich Methan.

„Abgasleitung aus Kunststoff ersetzt den gemauerten Schornstein“

Dieser Part, erzählt Nico Schneider, wird heute nicht mehr in dieser Form gefragt bei der Meisterprüfung, sondern ist Teil von Sachaufgaben. Solche komplexe, am Berufsalltag orientierte Aufgaben und umweltrechtliche Aspekte spielen heute eine größere Rolle. Aber den guten alten Kachelofen, den gibt es immer noch. „Nur moderner“, sagt der Ziltendorfer. Moderne Kachelöfen haben Heizeinsätze und damit lässt sich die Verbrennung besser steuern. Geheizt wird auch noch mit Kohle, aber vermehrt mit Holz oder Holzpellets. Geändert hat sich auch, dass der Fachmann heute nicht mehr von Schornstein spricht, sondern eher von Abgasanlage. Das ist der Überbegriff für alles, was den Rauch von Holz- oder Kohleheizungen beziehungsweise das Abgas von Gas- oder Ölheizungen aus dem Haus leitet. Bei vielen neugebauten Eigenheimen, die mit Öl oder Gas nutzen, ist dies eine moderne Abgasleitung, beispielsweise aus Kunststoff, kein gemauerter Schornstein mehr.

Nico Schneider ist noch dabei, sich seinen eigenen Betrieb als selbstständiger Schornsteinfegermeister einzurichten. Eine Gesellin, Sarah Klevenhusen, hat er eingestellt. Sein Kehrbezirk reicht von Frankfurt (Oder) über Kliestow bis nach Treplin. Dazu gehört der Frankfurter Oderturm als höchstes Gebäude der Stadt ebenso wie die Autohäuser am Spitzkrug-Center, die Plattenbauten im Zentrum und die Eigenheime in den Vororten. Ölheizungen sind auf den Dörfern noch verbreitet, beobachtet er. „Aber das nimmt ab.“ Die meisten seiner Kunden heizen mit Gas. Auch Holz nimmt als Brennstoff zu. Zur Arbeit des 41-Jährigen gehört auch, die Lagerung von Holz oder Pellets bei Kunden zu begutachten und sie zu beraten. Schön trocken sollte der Brennstoff lagern. „Feuchtes Holz setzt nicht so viel Energie frei, dafür aber mehr Schadstoffe“, erläutert er.  Solche Fragen sind heute auch Teil von Meisterprüfungen.

„In seinem alten Arbeitsbereich kennt ihn fast jeder, nicht nur als Schornsteinfeger“

Die Kohlendioxid-Werte, die Schornsteinfeger bei ihren Messungen in den Haushalten oder bei Firmen erheben, fließen übrigens schon seit Jahren in die Berechnungen des CO2-Ausstoßes für Deutschland ein. Umwelt-Gutachter, Berater, Prüfer, Kontrolleur – das ist vor allem der Job eines Schornsteinfegermeisters. Als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger ist Schneider in seinem Kehrbezirk für die sogenannten hoheitlichen Tätigkeiten zuständig. Dazu zählen unter anderem die Feuerstättenschauen, das heißt die Begutachtung aller Feuerungsanlagen in einem Haus. Wenn es hingegen um wiederkehrende Überprüfungen oder das Kehren von Schornsteinen geht, sind Hausbesitzer frei in der Wahl ihres Schornsteinfegers.

Im schwarzen Kehranzug ist Nico Schneider heute seltener unterwegs. Büroarbeit nimmt einen großen Teil seiner Zeit ein. Doch er arbeitet  gerne an einem schönen Sonnentag auf einem Hausdach – mit einem weiten Blick in die Landschaft, erzählt er. In seinem alten Arbeitsbereich rund um Vogelsang kennen ihn fast alle. „Einen Namen muss ich mir hier erst noch erarbeiten“, sagt er über seinen neuen Kehrbezirk. Wenn im Job der vorbeugende Brandschutz zu seinen Aufgaben gehört, hat er in der Freizeit auch mit der Kehrseite des Themas zu tun: Er engagiert sich in der Ziltendorfer Feuerwehr.

Geregelt: Kehrbezirke und Register

255 Kehrbezirke gibt es laut Wirtschaftsministerium im Land Brandenburg. Für jeden ist eine bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin oder ein bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger bestellt. Freie Stellen werden ausgeschrieben, geeignete Kandidaten können sich bewerben. Für die Auswahl sind die Landkreise und kreisfreien Städte zuständig. Der Bezirksschornsteinfeger übernimmt die sogenannten hoheitlichen Aufgaben wie die Erstellung des sogenannten Feuerstättenbescheides. Geht es dagegen um das wiederkehrende Kehren und Überprüfen ihrer Heizungsanlagen, sind Hauseigentümer seit 2013 frei in der Wahl ihres Schornsteinfegers. Einen Überblick geben die Schornsteinfegerregister.⇥red