Mücken, Bettwanzen, Bandwürmer: Ausstellung über Parasiten im Naturkundemuseum Berlin

Extrem-Ansicht: Das große Modell einer Malariamücke ist eines der optischen Höhepunkte in der neuen Sonderausstellung über Parasiten und Viruserkrankungen im Berliner Naturkundemuseum.
Marc Jerusel/NaturkundemuseumZu sehen gibt es Fischfilets mit Heringswürmern, Amerikanische Riesenleberegel oder eine Vampirfledermaus, die an einem ausgestopften Schaf Blut saugt. Die Ausstellung, die schon vor ein paar Jahren im Haus an der Invalidenstraße zu sehen war, zwischendurch bis nach Australien reiste und erneuert wurde, wirkt in diesem Sommer besonders aktuell.
Mückenplage an der Oder
Denn in manchen Regionen wie an der Oder spricht man in diesem Jahr von einer Mückenplage, die laut Experten vor allem auf den Wechsel von Feuchtigkeit und Wärme zurückzuführen sei.
Forscher nutzen solche Phasen vor allem für Untersuchungen. Sie wollen herausfinden, ob einheimische Mücken in gleichem Maße wie eingewanderte Mücken – etwa die Asiatische Tigermücke – Krankheitserreger übertragen. So meldete die Senatsverwaltung Mitte Juli den Tod einer Blaumeise in Köpenick, bei der das West-Nil-Virus festgestellt wurde. Das Virus stammt aus Afrika und trat Ende August 2018 erstmals in Deutschland auf. Es wird von blutsaugenden Stechmücken übertragen. Hauptwirte sind Vögel. In selteneren Fällen kann auch eine Übertragung auf Pferde und Menschen stattfinden, bei denen es zu Krankheitssymptomen kommen kann, die einem grippalen Infekt ähneln. Selten kann auch eine Hirnhautentzündung ausgelöst werden.
Doch die lästigen Blutsauger übertragen noch viel gefährlichere Infektionskrankheiten. Allein in Afrika sterben jährlich eine Million Kinder an Malaria. In der Ausstellung erfährt der Besucher, wie vor allem die globale Mobilität, Bevölkerungswachstum, Armut und der Klimawandel die Ausbreitung der Seuchen begünstigen. „Staudämme und künstliche Bewässerungen lassen neue Brutgebiete für die Überträger von Infektionskrankheiten entstehen“, heißt es da. Vor allem auch durch das Wachstum von Megacities seien ausgerottet geglaubte Krankheiten wie Pest und Cholera wieder auf dem Vormarsch.
Dabei breitet sich die Asiatische Tigermücke als einer der gefährlichsten Überträger von Virus-Erkrankungen weiter aus. Ihre Larven werden unter anderem über den interkontinentalen Autoreifenhandel verschleppt. Die milden Winter in Mitteleuropa könnten das Vorrücken der Moskitos Richtung Norden erheblich beschleunigen, heißt es auf einer der interaktiven Tafeln der Sonderausstellung.
Schon verbreitet sind in Europa „Taubenzecken“. Eigentlich befallen sie Vögel auf Dachböden. Werden die Tauben ausgesperrt, können die Zecken bis zu zehn Jahre überleben und dringen ausgehungert in Wohnungen ein. Ihre Stiche erzeugen bei Menschen Quaddeln, aber auch gefährliche allergische Reaktionen. Der Mensch kann letztendlich von mehr als 50 Parasitenarten heimgesucht werden, die sein Blut saugen, ihm auf den Pelz rücken und seinen Darminhalt fressen.
Die neu aufbereitete Schau schlägt dabei den Bogen zur Corona-Pandemie. Virologe Christian Drosten erklärt in einem Video, wie Antibiotika-Resistenzen, Massentierhaltung und internationaler Lebensmittelhandel die Ausbreitung zoonotischer Infektionen, also Erkrankungen, die von Tieren auf Menschen überspringen, fördern. Ob es nun der Pelzhandel mit Marderhunden oder die Hufe-Fledermäuse waren, die das Virus auf den Menschen übertrugen, ist immer noch nicht geklärt.
Corona als Warnschuss
Mirjam Knörnschild, Fledermausforscherin des Naturkundemuseums, gibt allerdings Entwarnung, was die einheimischen Flughunde angeht. „In Deutschland muss sich niemand vor Fledermäusen fürchten“, sagt die Expertin. Sie seien nicht mit SARS-CoV-2 infiziert. Im Gegenteil: „Die Tiere fressen die Insekten, die uns sonst stechen würden“, betont Knörnschild. Um Seuchen Einhalt zu gebieten, müsste man vielmehr dafür sorgen, ein gesundes Ökosystem zu erhalten. Ein fortschreitender Verlust der Biodiversität begünstige eher die Zunahme von unbekannten Krankheiten. Die Corona-Pandemie sei für sie ein „Warnschuss.“
Tickets gibt eszurzeit im Internet
Die Sonderausstellung "Parasiten – Life Undercover" ist nur ein Teil eines Rundgangs, der unter den aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen im Naturkundemuseum wieder geöffnet ist. Besucher können sich auch den Sauriersaal, die Nass-Sammlung, die Biodiversitätswand und Präparationsausstellung anschauen. Tickets muss man allerdings online für spezielle Zeitfenster unter www.museumfuernaturkunde.berlin erwerben. Gruppenbuchungen sind derzeit nicht möglich. Das Museumscafé bleibt vorerst geschlossen. ⇥neu