Museum für ostasiatische Kunst: Asien-Flair im Preußenschloss
Und so haben im dritten Stock des wiedererbauten Stadtschlosses japanische Künstler und Handwerker gerade die oktagonförmigen Außenwände aus rostfarbenem Cortenstahl montiert. Die moderne Hülle des traditionellen Teehauses soll an den kriegszerstörten Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche anspielen. Denn bei der Tee-Zeremonie gehe in erster Linie darum, der Unvollkommenheit des Menschen mit Friede und Harmonie zu begegnen“, erklärte Bauleiterin Saki Nakano.
Trinken auf Reisstrohmatten
Noch fehlen der Lehm an den Innenwänden und die acht traditionellen Kyoter Reisstrohmatten, auf denen sich Besucher um die im Boden eingelassene Feuerstelle niederlassen können. Ein Keramikkünstler wird noch Kacheln verlegen. In den Bildernischen sollen künftige Malereien und Grafiken und historische Trinkschalen zu sehen sein. „Alle Tee-Meister sind gleichzeitig Sammler und fast alle Kunstsammler in Japan praktizieren Teezeremonien“, erklärt Alexander Hofmann, Kurator für Kunst aus Japan. Und so steht die Bauskulptur auch symptomatisch für das gesamte Humboldt Forum, das kein starres Museum sein will, sondern ein Haus, in dem praktiziert und diskutiert wird, „in dem man Traditionen und Kulturen erleben und miterleben kann“, sagt Hans-Dieter Hegner.
Abwarten und Teetrinken und die Sorgen hinter sich lassen, das kann der Bauvorstand der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss momentan gar nicht. Die Zeit drängt. Ursprünglich sollte das Humboldt Forum in diesem November eröffnet werden. Daraus resultiert der finanzielle Mehrbedarf von rund 50 Millionen Euro, der einen Tag zuvor öffentlich wurde, erklärte Hegner. Das Kultur- und Ausstellungszentrum im Gewand des wiederaufgebauten preußischen Stadtschlosses soll nun 644,2 Millionen Euro kosten und von September 2020 an in mehreren Schritten eröffnen.
Der Baubeginn für den 40 000 Quadratmeter großen Mega-Bau war 2012. Dass es nun Richtung Endspurt geht, ist nicht zu übersehen. Im Westflügel ist schon eine riesige Drehtür eingebaut. Sie führt in das große Foyer, in dem ein 18 Meter hoher Medienturm installiert ist. Auch ein Großteil der technischen Anlagen in den oberen Etagen ist betriebsbereit. Andere mussten allerdings nach der Prüfung nochmals angepasst werden. „Das hat Einfluss auf den gesamten Bauprozess“, erklärt Hegner. Probleme verursachten aber auch die Baukonjunktur und der Fachkräftemangel.
Problem Fachkräftemangel
„Wir können nicht so viele Bauarbeiter beschäftigen, wie wir wollen“, sagt Hegner. Die Lage sei so angespannt, dass man auch für die Montage des Japanischen Teehauses in Berlin keine Firma fand. Der Entwurf des Sieger-Architekten Jun Ura war in Japan konstruiert und dann für die Schiffsreise nach Deutschland wieder in Einzelteile zerlegt worden. Für den Aufbau des 300 000 Euro teuren Ausstellungsstücks kamen nun extra zehn japanische Handwerker mit nach Berlin.
Den typischen Pulvertee aus zermahlenen Blättern werden künftig Mitglieder des Berliner „Chado Urasenke Teeweg“-Vereins zubereiten, die die Zeremonien auch im alten Teeraum in Dahlem veranstalten. "Ein Teehaus ist keine Dekoration“, sagt Nobuko Socho Sugai-Baumgarten. Die Vereinspräsidentin und Teemeisterin will je nach Jahreszeit verschiedene Tees anbieten und künftigen Besucher entspannte, glückliche Momente bescheren.
Kulturelles Zentrum
Mit dem Humboldt Forum soll Ende 2020 ein neues kulturelles Zentrum in der Mitte Berlins eröffnen. Durch das Zusammenführen mehrerer Sammlungen mit bedeutenden Exponaten – darunter spirituelle Objekte und Kunstwerke aus Asien, Afrika, Amerika – sowie öffentlichen Veranstaltungen will das Humboldt Forum die Welt von gestern, heute und morgen beleuchten. Das moderne Haus in der Hülle des historischen Stadtschlosses wird unter anderem von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit den Staatlichen Museen zu Berlin, der Humboldt-Uni, der Kulturprojekte Berlin GmbH und dem Stadtmuseum bestückt und bespielt. ⇥neu


