Musiker Peter Gotthardt: Ein Leben in vielen Tonarten

Ausgezeichnet für sein Lebenswerk: Komponist, Musiker und Verleger Peter Gotthardt.
Steffi BeyGenau diese Bescheidenheit einerseits, aber ebenso diese deutliche Ansage spiegeln das wider, was der Komponist ist: Ein genialer Musiker: Der mit Talent, Einfallsreichtum und mit handwerklicher Sicherheit sowie einem unverkrampften Herangehen, um jede Lösung ringt.
Das Lebenswerk des 77-Jährigen lässt einen aufhorchen. Über 500 Filmmusiken schrieb der Mahlsdorfer Komponist in den vergangenen fünf Jahrzehnten. Mit seiner populärsten Arbeit für den Streifen „Die Legende von Paul und Paula“ des Regisseurs Heiner Carow, brachte er das Lebensgefühl einer ganzen Generation auf den musikalischen Punkt. Er ließ die damals noch unbekannten Puhdys seine komponierten Filmsongs „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“ einspielen und verhalf der Band mit zum Durchbruch.
Ganz sicher hätte das Liebesdrama von 1973 ohne Peter Gotthardt nie den Kultstatus erreicht. „Es war aber auch für mich eine ganz aufregende Phase“, erzählt er. Schließlich ist Gotthardt klassisch ausgebildet, studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“.
Kurzentschlossen begleitete er damals die Puhdys zu Konzerten, um ein Gefühl für dieses Genre zu bekommen. „Ich habe mich zunächst hineingehört und anschließend unter anderem sinfonische Elemente mit Collagen aus Klassik und Rock verbunden“, berichtet der Mahlsdorfer.
Gerne erinnert er sich an diesen Schaffens-Abschnitt. Während der Entstehung von „Paul und Paula“ sei viel passiert. So viel, dass für den Komponisten feststeht, die Geschichten Drumherum einmal aufzuschreiben. Mit seinem „filmmusikalischen Testament“ brachte er jetzt eine Sammlung heraus, die seine Vielseitigkeit widerspiegelt. Gerne erzählt er auch über andere Arbeiten, die er vor allem vor der Wende zum Klingen brachte. Er komponierte unter anderem für „Das Sandmännchen“ und den DDR-Jugendfilm „Sieben Sommersprossen“. 1997 entstand zur TV-Produktion „Der Hauptmann von Köpenick“, mit Harald Juhnke, die Filmmusik.
Stücke für die Heimat
Die meisten Werke schrieb er zu Hause. Dort steht ein Klavier in der Mitte. Im Flur drängeln sich jede Menge CD`s in Regalen. Peter Gotthard hat sie alle gehört. Davon lässt er sich inspirieren. Sein Spektrum reicht von Kammer- und Orchesterwerken, Chansons und Opern bis hin zu geistlicher Chormusik. Vor fünf Jahren führten unter anderem die Leipziger Thomaner sechs- und siebenstimmige „Psalm-Gebete“ von ihm auf. Diese Stücke widmete er seiner Heimatstadt.
Dass er inzwischen nicht mehr für „übliche Filmmusiken“ gebucht wird, kann er „ganz gut wegstecken“. Und taucht umso tiefer in andere Aufgaben ein. Er arbeitet beispielsweise an einer Oper und würde gerne Orchestermusik für einen Stummfilm komponieren. Filmkunstfreunde können den Künstler im Berliner Zeughauskino erleben, wo er regelmäßig Stummfilme am Klavier begleitet. „Das mache ich für mein Leben gern, weil ich mich dabei zu den Wurzeln meines Berufs zurücktaste“, sagt der Komponist.
Zur Person
Peter Gotthardt wurde am 22. August 1941 in Leipzig geboren. Sein Studium absolvierte er von 1961 bis 1966 an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin in den Fächern Klavier, Korrepetition, Dirigieren und Komponieren. 1965 verfasste er seine erste Komposition, ein Jahr später sein erstes Orchesterwerk. 1968 begann die Zusammenarbeit für den DEFA-Film "Die Russen kommen". Aus der gemeinsamen Arbeit entstanden in den Folgejahren weitere Filme. In den Jahren 1975 und 1976 war Gotthardt zudem Chef für Schauspielmusik am Volkstheater Rostock. 1991 gründete er dann seinen eigenen Musikverlag. Ausgezeichnet wurde er 1990 mit dem Ernst-Reuter-Preis, 2018 mit dem Ehrenpreis des Deutschen Filmmusikpreises. ⇥tsa