Nach Trauerfeier
: Streit über Mord an Danzigs Rathauschef

Adamowicz sei ein Symbol für die Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der regionalen Selbstverwaltung gewesen.
Von
Dietrich Schröder
Warschau/Danzig
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Danzig: Eine Frau erweist dem ermordeten Danziger Bürgermeister Adamowicz, an dessen Sarg die letzte Ehre. Der tödliche Anschlag auf den Danziger Bürgermeister hat Polen geschockt und in tiefe Trauer gestürzt.

Mateusz Slodkowski/ZUMA Wire/dpa

Nur einen Tag nach der Beerdigung des vor einer Woche erstochenen Bürgermeisters von Danzig, Pawel Adamowicz, ist in Polen der  Streit über die Hintergründe der Tat ausgebrochen.

Der Sprecher der größten Oppositionspartei „Bürgerplattform“, Jan Grabiec, sagte in einer Fernsehdebatte, über Adamowicz  sei das politische Urteil, dass er „zu verschwinden habe“, schon vor der Tat ausgesprochen gewesen.

Adamowicz sei ein Symbol für die Rechtsstaatlichkeit und die Unabhängigkeit der regionalen Selbstverwaltung gewesen, die von der Regierungspartei PiS bedroht würden, sagte Grabiec. Weil er die Aufnahme von Flüchtlingen befürwortete, war der Bürgermeister von extrem rechten Kreisen angefeindet worden.

Bei der Trauerzeremonie in der Danziger Marienkirche, an der am Sonnabend Polens Präsident Andrzej Duda und Ex–Bundespräsident Joachim Gauck teilnahmen, hatte der Danziger Erzbischof Slawoj Leszek Glodz gefordert, dass die Sprache der Verachtung aus der Politik und dem gesellschaftlichen Leben verdrängt werden müsse. Der Vorsitzende der PiS–Partei, Jaroslaw Kaczynski, nahm nicht teil.