Nach Ungarn-Wahl in Berlin: Wie „Mauerfall“ - Bedeutung der Abwahl von Orbán

Vor der ungarischen Botschaft in Berlin weht auch die europäische Flagge. Die Reaktionen der Abwahl von Ungarns langjährigem Ministerpräsidenten Viktor Orbán.
Maria Neuendorff- Ungarn wählte die Tisza-Partei von Péter Magyar mit Zweidrittelmehrheit ins Parlament.
- In Berlin gaben 2753 Ungarinnen und Ungarn ihre Stimme in der Botschaft ab.
- Ein Wahlberliner schildert Jubel in Budapest – für ihn fühlte es sich wie ein „Mauerfall“ an.
- Der Verein Freie Ungarische Botschaft protestierte gegen LGBTQ-Restriktionen und fuhr Solidaritätsbusse.
- Ob sich Ungarn den EU-Partnern annähert, bleibt offen, betont der Text mit Blick auf Berlin.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
An der ungarischen Botschaft in Berlin weht neben der Landesflagge die EU-Fahne. Botschaft und Konsulat befinden sich auf der Straße Unter den Linden zufällig auch gleich gegenüber von der Vertretung der Europäischen Kommission.
Ob sich mit der Abwahl von Ungarns langjährigem Ministerpräsidenten Viktor Orbán der mitteleuropäische Binnenstaat wirklich wieder den EU-Partnern annähern wird, muss sich erst zeigen. Die EU-freundliche Tisza-Partei des Oppositionsführers Péter Magyar hat bei der Wahl am Sonntag (12.4.) eine Zweidrittelmehrheit im neuen Parlament erreicht.
Rund 10.000 Menschen ungarischer Staatsangehörigkeit leben schätzungsweise in Berlin. 2753 von ihnen haben am Sonntag in der Botschaft in Mitte ihre Stimme abgegeben, berichtet ein Angestellter. Zur Wahlparty in der Nähe des U- und S-Bahnhofs Warschauer Straße in der Nacht zu Montag habe er selbst es nicht mehr geschafft. „Ich hatte ja von 5 bis 19 Uhr Dienst.“ Danach sei er zwar müde, aber glücklich gewesen, betont der 58-Jährige. Er selbst habe auch die Tisza-Partei gewählt.
CSD-Demo vor ungarischen Botschaft
Während er seine Raucherpause vor der Botschaft beendet, beantragt ein junges Pärchen nebenan im Konsulat Papiere. Auf den Machtwechsel in ihrem Heimatland angesprochen, winken beide sofort ab. „Wir haben nicht gewählt. Die Politiker sind sowieso Lügner“, sagt der Familienvater.
Der Frust sitzt bei einigen immer noch tief. Die Schere zwischen Arm und Reich ist in den vergangenen Jahren immer weiter auseinander gegangen. Die Löhne gelten als verhältnismäßig gering, die Mieten als hoch.
Zudem hätte sich eine Elite aus Loyalisten um Orbán herum herausgebildet, die ihren Reichtum auf Instagram zur Schau stellten, berichtet Péter Adamik, der seit fünf Jahren in Berlin lebt. „Das System unter Orbán war Korruption. Man kann auch von einem Mafiastaat reden“, betont der gebürtige Ungar.
Die Liebe und ein guter Job zogen ihn nach Berlin. In der deutschen Hauptstadt wurde er Mitglied des Vereins Freie Ungarische Botschaft, der sich seit 2017 klar für einen Machtwechsel ausspricht.
Im Rahmen einer Ausstellung übersetzten die Vereins-Mitglieder vor zwei Jahren Straßenkampagnen von Viktor Orbán, in denen auf Plakaten unter anderem Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt wurde. „Wir wollten dem Berliner Publikum zeigen, dass solch eine menschenverachtende Rhetorik in einem europäischen Land möglich ist“, erklärt er.
Solidaritätsbusse aus Berlin nach Budapest
Vor der ungarischen Botschaft in Berlin organisierte der Verein auch eine Protest-Demo, nachdem die ungarische Regierung die „Budapest Pride Parade 2025“ unter Berufung auf den Kinderschutz und ein neues Versammlungsgesetz verbieten wollte.
„Wir haben in Berlin dann Solidaritätsbusse gefüllt und sind nach Budapest gefahren“, berichtet Adamik. Trotz des Verbots hätten in der ungarischen Hauptstadt am Ende rund 200.000 Menschen für LGBTQ-Rechte an der Parade teilgenommen.
Auch zur Parlaments-Wahl am Sonntag ist Adamik extra in die Heimat geflogen. „Die Menschen haben gestern Abend auf der Straße gefeiert und getanzt, als hätte Ungarn die WM gewonnen“, berichtet der Wahlberliner. Fremde hätten sich in den Armen gelegen. „Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es war für uns wie unser eigener Mauerfall“, ist der 33-Jährige immer noch völlig außer sich.
Adamik glaubt aber auch, dass andere europäische Länder wie Deutschland durchaus was aus den Parlamentswahlen lernen könnten. „Es lohnt sich nicht, den Rechtspopulisten hinterherzurennen, mit ihren aufgeblasenen Themen“, sagt er. Man muss wie der Wahlsieger in Ungarn trotzdem zu den Menschen vor Ort gehen und über ihre Probleme reden. „Magyar hat das gemacht und ist bis in die kleinsten Dörfer gefahren.“



Der designierte ungarische Ministerpräsident Péter Magyar ist bei weitem nicht der liberale Europafreund, zu dem er jetzt erklärt wird.