Kiefern und Fichten leiden unter rindenfressenden Käfern, die die Schwächung der Bäume ausnutzen. In diesem Jahr, da ist sich Luthardt sicher, werde man aber auch verstärkt Schäden an den Buchen sehen.
Das ist um so schlimmer, als Brandenburg in den vergangenen dreißig Jahren auf diese Baumart sowie auf Eichen gesetzt hat. Schließlich waren die Wälder hierzulande im Mittelalter vorwiegend Mischwälder mit Buchen und Eichen.
Dahin wollte man zurück, nicht zuletzt um die Waldbrandgefahr der reinen Kiefernwälder zu verringern. Entsprechend wurde im Waldumbauprogramm die Anpflanzung von Buchen und Traubeneichen zwischen Kiefern gefördert. Seit 1990 wurden laut Landwirtschaftsministerium 324 Millionen Euro eingesetzt, um auf rund 80 000 Hektar aus Kiefernmonokultur Mischwald entstehen zu lassen.

Birke als "Zukunftsbaum" in Brandenburg

Luthardt berichtete nun gegenüber dieser Zeitung von einer Prognose seiner Einrichtung für die Waldentwicklung in den nächsten Jahrzehnten. Kommt es zu der von Klimaforschern berechneten Erderwärmung um zwei Grad Celsius im Vergleich zum Ende des 20. Jahrhunderts, habe die Buche keine Zukunft als Hauptbaumart der brandenburgischen Mischwälder, lautet das Fazit. Die Experten empfehlen stattdessen viel breiter aufgestellte Mischwälder mit vier bis fünf Baumarten zwischen den Kiefern. Denkbar wären vor allem die Winterlinde, die Hainbuche, verschiedene Ahorne und die Traubenkirsche. Luthardt bezeichnet auch die Birke als "Zukunftsbaum". Es gebe längst Methoden das bislang als minderwertig angesehene Holz der Birke wirtschaftlich zu nutzen.
Fremdländische Baumarten würden erst in zweiter Linie in Betracht gezogen, so Luthardt. In diesem Zusammenhang geht Thomas Weber, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Brandenburg, viel weiter. Er plädiert für den Einsatz wirtschaftlich gut nutzbarer Baumarten und verweist auf die Libanon-Zeder, die sowohl mit starkem Frost als auch mit Hitze zurecht kommt. Weber fordert, dass die Förderprogramme des Landes schnell angepasst werden und den Waldbesitzern den Anbau anderer Baumarten ermöglichen.
Bei der Zeder ist Luthardt noch zurückhaltend. Man habe diese Baumart deutschlandweit auf dem Schirm, aber sie stehe nicht ganz oben auf der Liste im brandenburgischen Forst-Kompetenzzentrum.

Förster in Brandenburg brauchen Qulifikation

Für Luthardt gibt es noch eine weitere Baustelle: Es muss mehr in Fachwissen investiert werden. Die Förster müssen qualifiziert und die Ausbildung entsprechend auf die neue Situation ausgerichtet werden, sagt er. Schließlich gehe es auch darum, die Privatwaldbesitzer zu beraten und auf die veränderten Klimabedingungen einzustellen.
Weber hofft, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass der Wald "systemrelevant" ist. Entsprechend müsse die Gesellschaft auch in dessen Zukunft investieren. Beispielsweise mit einer CO2-Prämie, schlägt er vor.
Kommentar zum Thema: Ein Fall für Generationen