Obst und Gemüse
: Edeka und Rewe testen essbare Schutzschicht

Edeka und Rewe testen einen neuen Weg, um Obst frisch zu halten: Eine essbare Schutzschicht soll Folienverpackungen ersetzen.
Von
dpa
Berlin
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Länger haltbar mit Beschichtung.

Edeka/Edeka Zentrale AG & Co. KG/obs

Bereits Ende vergangenen Jahres begann Edeka in ausgewählten Supermärkten und Netto-Filialen Avocados zu verkaufen, die mit einer solchen „zweiten Haut“ versehen sind. Sie soll den Wasserverlust und das Eindringen von Sauerstoff verlangsamen. Beides sind Hauptursachen für den schnellen Verderb. Dank der Beschichtung sollen die empfindlichen Früchte zwei- bis dreimal so lange frisch bleiben wie ohne den Schutzüberzug.

Der vom US-Konzern Apeel Sciences entwickelte Schutzmantel besteht laut Hersteller aus rein pflanzlichen Materialien, die in Schalen, Samen und im Fruchtfleisch verschiedener Obst- und Gemüsesorten vorkommen. Er sei geschmacks- und geruchlos und problemlos essbar.

Der Edeka-Kaufmann Falk Paschmann verkauft die behandelten Avocados bereits seit einigen Wochen in seinem Supermarkt in Düsseldorf-Bilk und schwärmt davon: "Das ist eine Lösung für ein wichtiges Problem unserer Zeit.“ Sie biete für alle Beteiligten Vorteile: Für die Kunden, weil die Ware auch daheim noch länger frisch bleibe, und für ihn als Händler, weil er deutlich weniger Verluste habe. Wohl auch deshalb treibt Edeka das Projekt zügig voran. In ersten Märkten sind ab sofort auch Orangen und Mandarinen im Angebot, die mit der neuen Technik länger haltbar gemacht wurden.

Überzeugungsrbeit nötig

Der Konkurrent Rewe zieht in diesen Tagen nach – mit Avocados, die mit einem ähnlichen System behandelt sind. Der Überzug besteht hier aus natürlichem Zucker, Zellulose und pflanzlichen Ölen und stammt vom britischen Hersteller AgriCoat NatureSeal. Auch er soll essbar und gut verträglich sein. Die Früchte werden bereits in bis zu 860 Rewe- und Penny-Märkten verkauft, kündigte das Unternehmen an. „Wir hoffen sehr, dass uns unsere Kunden in unserem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung durch ihre Kaufentscheidung unterstützen“, betonte der Rewe-Manager Eugenio Guidoccio.

Bisher werden die neuen Beschichtungsverfahren in Deutschland nur bei Früchten eingesetzt, deren Schale nicht verzehrt wird. Doch auf Dauer könnte der Überzug auch bei anderen Produkten üblich werden. Das US-Unternehmen Apeel, mit dem Edeka zusammenarbeitet, hat nach eigenen Angaben Rezepturen für 30 verschiedene Obst- und Gemüsesorten entwickelt, darunter Erdbeeren, Tomaten, Äpfel und Paprika. Es bereitet laut Edeka bereits einen Zulassungsantrag bei der EU-Kommission vor.

Der Edeka-Händler Paschmann kann sich gut vorstellen, dass sich die neue Technologie in Zukunft auch bei Früchten durchsetzt, deren Schale mitgegessen wird. „Wie oft passiert es heute, dass man Erdbeeren kauft, ein paar davon isst und dann am nächsten Tag die Hälfte wegwirft, weil sie schon vergammelt sind. Das wäre dann nicht mehr der Fall.“ Für den Händler ist allerdings auch klar, dass vorher noch einige Überzeugungsarbeit nötig sein wird. Auf keinen Fall dürfe man die neue Methode aber heimlich anwenden oder dem Kunden aufzwingen, betont er. Doch hofft Paschmann, dass die Vorteile die Verbraucher letztlich überzeugen. Denn das könne nach seiner Überzeugung dann dazu führen, „dass auf allen Stufen weniger Lebensmittelverschwendung stattfindet“.

Lebensmittelfür die Tonne

Jährlich landen nach einer Studie des Bundesforschungsinstituts für ländliche Räume, Wald und Fischerei mehr als zwölf Mio. Tonnen Lebensmittel im Müll. Der Großteil – sieben Mio. Tonnen – entsteht in Privathaushalten. Jeder Bundesbürger wirft demnach im Durchschnitt etwa 85 Kilo Lebensmittel im Jahr weg. Die Bemühungen um Plastikvermeidung haben das Problem verschärft. Laut "Lebensmittel Zeitung" hat der Verzicht auf Kunststofffolien bei Salatgurken dazu geführt, dass 2019 mehr spanische Gurken vernichtet werden mussten, weil sie den langen Transportweg nicht überstanden hatten.⇥dpa