In Polen ist ein Leck an der Pipeline „Druschba“ entdeckt worden, durch die Öl aus Russland nach Europa fließt. Automatische Überwachungssysteme hatten das Leck entdeckt, teilte der polnische Pipeline-Betreiber Pern am Mittwochmorgen mit. Über die Pipeline wird die Raffinerie PCK in Schwedt versorgt. Der Betreiber der Leitung hat Sabotage vorerst ausgeschlossen. Techniker seien zu der beschädigten Stelle vorgedrungen und hätten das Loch gefunden, teilte das Unternehmen Pern am späten Mittwochabend mit. „Nach den ersten Erkenntnissen und der Art und Weise, wie die Rohrleitung verformt ist, gibt es zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung“, heißt es in dem Statement. Derzeit würden allerdings detaillierte Analysen durchgeführt, um die Ursache des Zwischenfalls zu ermitteln und die Pipeline zu reparieren, damit so bald wie möglich wieder Öl durch die Leitung gepumpt werden könne. Polnische Raffinerien würden aber weiter Öl erhalten, auch mit den deutschen Kunden sei man in Kontakt.

Nur ein Strang der Ölpipeline betroffen

Auch die Raffinerie PCK in Schwedt produziert weiter, wie das Unternehmen bestätigte. Von dem Leck ist nur ein Strang der Druschba-Pipeline betroffen. Die Pipeline besteht aus zwei parallel verlaufenden Rohrleitungen, die unterschiedliche Durchmesser haben. Über den zweiten Strang bezieht die Raffinerie weiterhin Öl. „Aktuell findet die Rohöllieferung mit reduzierter Kapazität statt“, erklärte die PCK Raffinerie. Die Dauer der Einschränkung sei derzeit noch unklar, sodass eine Anpassung der Rohölverarbeitung geprüft werde. Die Raffinerie verfügt über eine alternative Ölversorgung per Pipeline vom Hafen in Rostock, die seit Mitte des Jahres verstärkt genutzt wird. Außerdem habe PCK auch Reserven angelegt.
Der Betreiber der Druschba in Deutschland, die Mineralölverbundleitung GmbH (MVL) erklärte, dass lediglich die Leitung Freundschaft 2 abgestellt sei. Freundschaft 1 sei unverändert in Betrieb. PCK und Leuna erhalten momentan reduzierte Öllieferungen. MVL zufolge sei die Versorgung derzeit jedoch nicht gefährdet.

Brandenburgs Wirtschaftsminister hofft auf schnelle Reparatur

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach geht davon aus, dass die Chancen auf eine schnelle Reparatur gut stehen. Es habe weder eine Explosion noch ein Feuer gegeben. Er rechnet damit, dass der Schaden im besten Fall in zwei bis drei Tagen, im schlechtesten in bis zu zehn Tagen behoben sein könnte. „Der Druckabfall beeinträchtigt die Produktion in Leuna und Schwedt, aber es gibt keine Probleme bei der Auslieferung von Produkten“, sagte Steinbach. Er stehe im engen Kontakt zu Treuhänder und Geschäftsleitung der PCK sowie zum Bundeswirtschaftsministerium.
Es gebe keine Hinweise auf Sabotage, berichtete auch der polnische Sender Radio FM mit Verweis auf Feuerwehrleute und Regierungskreise. Die Versorgung der Region mit Treibstoff und Wärme ist laut PCK-Mitteilung aktuell nicht gefährdet.

Feuerwehrleute suchen in einem Maisfeld

Nach Berichten polnischer Medien ist bei der Havarie an dem Druschba-Strang, der einen Durchmesser von 80 Zentimeter hat, Rohöl ausgetreten. „Die Pumpen wurden sofort abgeschaltet. Der andere Strang der Ölpipeline ist unverändert in Betrieb“, heißt es in dem Statement des Betreibers. Dies gelte auch für das restliche Netzwerk.

Rohöl ist großflächig ausgelaufen

Feuerwehren und weitere Kräfte sind nach Angaben polnischer Medien im Einsatz, um das ausgelaufene Öl abzupumpen. Es soll auf einer Fläche von ca. 1000 Quadratmetern ausgetreten sein. Nach Angaben von Einsatzkräften wird nach einem Leck in einem Maisfeld gesucht, berichtet polsat.news.
Eine Sprecherin der örtlichen Berufsfeuerwehr sagte der Nachrichtenagentur PAP, das Leck befinde sich in dem Dorf Lania, rund 70 Kilometer von der zentralpolnischen Stadt Plock entfernt.
Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums trotz der Beschädigung der Ölpipeline Druschba gewährleistet. Die Raffinerien Schwedt in Brandenburg und Leuna in Sachsen-Anhalt erhielten weiter Rohöl über die Leitung, teilte eine Sprecherin mit. „Sowohl in der PCK Schwedt wie auch in der Raffinerie Leuna wurden in den vergangenen Wochen bewusst vorsorglich die eigenen Ölvorräte vor Ort erhöht.“
Die Pipeline „Druschba“ (Freundschaft) zählt zu den größten der Welt und liefert russisches Öl in mehrere Länder Mitteleuropas. Sie versorgt auch die PCK-Raffinerie Schwedt.
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