Ohne Spatenstich
: Baustart für den größten Solarpark Deutschlands in Brandenburg

Brandenburg wird bald zu einer Quelle für erneuerbare Energien! Der Startschuss für den Bau des größten Solarpark Deutschlands ist gefallen.
Von
Ina Matthes
Weesow-Willmersdorf
Jetzt in der App anhören

Die Solarmodule kommen im Sommer: Derzeit werden Kabel für den Solarpark Weesow-Willmersdorf verlegt. Dafür müssen unter anderem zwei neue Umspannwerke gebaut werden.

Wolfgang Rakitin/MOZ

Die Anlage entsteht auf einer Fläche von insgesamt rund 200 Hek­tar. Dort sollen vier große Solarfelder stehen, die Strom für rund 50 000 Haushalte liefern – das sind rund 180 Millionen Kilowattstunden im Jahr.

Die Corona-Epidemie hat den Baustart des Großprojektes unspektakulär ausfallen lassen. Der offizielle Termin wurde gestrichen, und stattdessen wurden Hygieneregeln verschärft. "Wir haben die Arbeitssicherheitsbestimmungen auf der Baustelle intensiviert“, sagt Dirk Güsewell. Er ist zuständig für die Portfolioentwicklung Erzeugung bei der EnBW und damit auch für das Projekt Solarpark. Ziel ist, den Park bis Jahresende fertigzustellen. Dann soll er komplett ans Netz gehen. Inwieweit die Corona-Epidemie diesen Zeitplan gefährden könnte, ist für Güsewell nicht endgültig absehbar. Die Solarmodule kommen aus China. „Wir haben das Signal vom Hersteller, dass er pünktlich liefern wird.“ Die 465 000 Module sollen ab Mitte des Jahres installiert werden. Das Besondere an diesem Solarpark: Das drittgrößte Energieunternehmen Deutschlands baut ihn ohne staatliche Förderung. Ein Grund: Anlagen, die über das Erneuerbare Energien Gesetz gefördert werden, sind auf eine Leistung von zehn MW begrenzt. „Wenn man die Projekte größer bauen kann, kann man die Kosten reduzieren und Strom zu marktfähigen Preisen anbieten."  Die Kosten für Photovoltaik sind laut EnBW in den vergangenen zehn Jahren über 80 Prozent gefallen. Sonnenstrom gilt als diejenige erneuerbare Energie – nach der Wasserkraft – die sich am schnellsten am Markt durchsetzen kann, wenn man sie im industriellen Maßstab betreibt. Neben dem Verkauf am Strommarkt erwägt das Unternehmen auch einen regionalen Absatz. „Für die Vermarktung sehen wir grundsätzlich verschiedene Optionen. Darunter auch, ob wir den Strom an einen industriellen Abnehmer verkaufen“ , sagt Güsewell. Vielleicht an Tesla? „Das wäre interessant, es gibt aber auch andere mögliche Abnehmer.“ Die Gemeinde soll über die Gewerbesteuer von dem Großprojekt profitieren. Von den mehr als 40 Firmen, die an dem Bau beteiligt sind, kommen 15 aus der Region. Bei den Modulen, die den größten Teil der Wertschöpfung bei dem Projekt ausmachen, sei es aber nicht möglich, auf Angebote aus Deutschland zurückzugreifen.

Rund um die vier großen Solarfelder wird der Bauherr einen ökologischen Ausgleich für die verbauten Flächen schaffen.  Das Areal solle zu einem artenreichen Grünland entwickelt werden. Am Rande des Gebietes sind unter anderem Pflanzungen von Hecken und Wildobst geplant. Es gibt laut EnBW auch eine ökologische Baubegleitung.

Derzeit werden auf der Baustelle Kabel verlegt. Für den Solarpark müssen zwei neue Umspannwerke errichtet werden. Das übernimmt die EnBW-Tochter Netze BW. Angeschlossen werden sie über zwei sieben beziehungsweise vier Kilometer lange Kabeltrassen. Die Solarfelder sollen abschnittsweise bis Jahresende in Betrieb gehen. Dann sollen sie Strom liefern. Der Park Weesow-Willmersdorf wird nicht das einzige Sonnenkraftwerk dieser Art im Land bleiben. Güsewell sieht großes Potenzial für solche Parks und im Flächenland Brandenburg einen attraktiven Standort. In ein bis zwei weitere solche Anlagen will das Unternehmen investieren.

Von der Atomkraftzum Grünstrom

Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG ist mit über 22 000 Mitarbeitern eines der größten Energieunternehmen in Deutschland und Europa. Das Unternehmen versorgt rund 5,5 Millionen Kunden mit Strom, Gas und Wasser sowie mit Energielösungen und energiewirtschaftlichen Dienstleistungen. Nach dem Atomausstieg, der auch für die Kernkraftwerke der EnBW größtenteils das Aus bedeutete, investierte der Konzern mit Sitz in Süddeutschland verstärkt in erneuerbare Energien. 2022 soll kein Atomstrom mehr in Deutschland produziert werden.⇥ ima