Ostalgie: Sonderausstellung im Bezirksmuseum Marzahn: Wenn Erwachsene wieder spielen

Spielzeug in der DDR: Handspielpuppen des VEB Kösener Spielzeug dürften vielen Ostdeutschen noch in Erinnerung sein.
dpa/Jens KalaeneGleich im Eingangsbereich des Bezirksmuseums Marzahn „stolpern“ die Besucher jetzt über diese Kindheitserinnerung. Es ist eine wundervolle Einstimmung auf das, was es in drei Räumen im Erdgeschoss zu entdecken gibt. „Plastekipper und Triola“ lautet das Motto der Sonderausstellung, bei der das Spielen und Spielzeug in der DDR der 1970er- und 80er-Jahre im Mittelpunkt steht. Das Museums-Team um Dorothee Ifland und Iris Krömling hatte die Idee für diese besondere Schau und erarbeitete auch das Konzept. Anfang des Jahres gab es einen Aufruf in den Medien, bei dem Marzahner animiert wurden, Spielsachen von einst zur Verfügung zu stellen. „Die große Resonanz hat uns überwältigt, wir bekamen so viele Leihgaben und Schenkungen“, sagt Iris Krömling, Leiterin von Haus 2.
Die Leute riefen an oder mailten und schickten zunächst Fotos der Spielsachen. Es kam so viel zusammen, dass es schwer fiel, eine Auswahl zu treffen. Übriggeblieben ist eine Fülle von Erinnerungsstücken, die nun 20 verschiedene Themeninseln füllt. In vielen Bereichen dürfen die Besucher selbst Hand anlegen: sich auf nachgestalteten Brettspielen wie „Sandmännchen" oder „Der bunte Würfel“ ausprobieren, kleine Bastelleien herstellen oder sogar mit der Triola musizieren. Aus hygienischen Gründen ist das Instrument an eine Art Blasebalg angeschlossen, der per Schalter animiert wird. Wer will, kann dann die bunten Tasten drücken und sich über den Klang aus vergangenen Zeiten freuen.
Der im Ausstellungsmotto genannte Plastekipper wurde in Raum 1 in den Mittelpunkt gerückt. Er steht im Innern eines nachempfundenen Klettergerüstes, neben zwei alten Rollern. In den Vitrinen sind unter anderem Plastik-Baukästen drapiert mit Pebe-Steinen, Holzburgen, aber auch ferngesteuerte Autos, ein Postspiel und ein mit vielen kleinen Päckchen gefüllter Kaufmannsladen. Auch eine Leseecke ist vorhanden mit original DDR-Kinderbüchern wie „Alfons Zitterbacke“ oder „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“.
Mit Hinweisen und Überblick
Über jeder Themeninsel hängt ein farbiges Hinweisschild in Form einer Triola, auf dem viele Details durchaus humorvoll erklärt werden: Was Pebe beispielsweise bedeutet, wo die Spielsachen produziert wurden, wie viele Kinderbuchverlage es gab, wie beliebt Buntpapier und Suralin waren oder welches Kinderspielzeug importiert wurde. „Zeitgenössische Schwarz-Weiß-Fotos von spielenden Kindern aus Marzahn unterstreichen den lokalen Blick“, sagt Iris Krömling.
Auch Puppen, Indianer, Plüschtiere und Militärspielzeug werden in mehreren Vitrinen und in Regalen gezeigt. Und überall, wo farbige Handflächen an den Wänden kleben, dürfen die Besucher selbst etwas ausprobieren. Innerhalb der ersten Ausstellungstage kommentierten bereits viele Erwachsene wohlwollend ihre Eindrücke und bedankten sich im Gästebuch „für die liebevoll zusammengestellte und wunderbare Schau, bei der jeder noch mal in seine Kindheit eintauchen darf“.
Für Schulklassen bietet das Bezirksmuseum spezielle Projekttage an: mit Führung, Spielmöglichkeiten und einem Rätsel.
Weitere Informationen: Bezirksmuseum Marzahn, Haus 1, Alt-Marzahn 51. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 15. Mai 2020 montags bis freitags (außer an Feiertagen) von 10 bis 18 Uhr. Telefon: 030 54790921