Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) kämpft um seine Fahrgäste. Mit einem neuen Angebot sollen insbesondere Gelegenheitsfahrer angesprochen werden. Dazu hat der Aufsichtsrat des VBB jetzt seine Zustimmung gegeben. Nach einer Mitteilung von Montag werden in zwei Pilotprojekten ab Januar 2022 flexible Tarifangebote in Berlin und Frankfurt (Oder) getestet. Das VBB-Abo-flex- und das VBB-FlexTicket sollen über den Zeitraum von zwei Jahren getestet werden. Sie sollen vom VBB in regelmäßigen Abständen evaluiert, begleitet und geprüft werden.

Für Frankfurt (Oder) ist geplant:

In Frankfurt (Oder) ist für das Stadtgebiet (Geltungsbereich Frankfurt AB) ein neues, flexibles Abonnement-Angebot vorgesehen: Das VBB-Abo flex. Fahrgäste erhalten durch Zahlung eines monatlichen Grundbeitrages in Höhe von 4,90 Euro die Möglichkeit, Fahrausweise des um 25 Prozent ermäßigten Bartarifs für das Stadtgebiet Frankfurt (Oder) zu erwerben.
Das heißt:
  • VBB-Abo flex: flexibles Tarifangebot Frankfurt (Oder)
  • Testgebiet: Frankfurt (Oder) AB
  • Pilotzeitraum: Januar 2022 bis Dezember 2023
  • Vertrag zur Zahlung einer Grundgebühr von 4,90 Euro pro Monat, monatlich kündbar·
  • 25 Prozent Ermäßigung auf den Einzelfahrausweis und 24-Stunden-Karten Regeltarif im Tarifbereich Frankfurt (Oder) AB

Zweites Modell gilt für Berlin:

In der Hauptstadt Berlin wird ein anderes Modell getestet: Das VBB-FlexTicket: Fahrgäste mit flexiblem Mobilitätsbedarf können hier ein 8er-Paket an Fahrtberechtigungen für 24 Stunden für das Stadtgebiet Berlin (Tarifbereich AB) zum Preis von 44 Euro, also 5,50 Euro je 24 Stunden, erhalten. Die im Paket erworbenen 24-Stunden-Karten können innerhalb eines Monats abgerufen werden. Das Paket wird digital als Handyticket angeboten, aber auch an ausgewählten Kundenzentren beziehungsweise in Verkaufsstellen analog verfügbar sein.
Das heißt:
  • VBB-FlexTicket: flexibles Tarifangebot Berlin
  • Testgebiet: Berlin AB
  • Pilotzeitraum: vsl. Januar 2022 bis Dezember 2023
  • Kontingent von 8 Fahrtberechtigungen für 24 Stunden
  • Ausgabe als persönliches Ticket
  • Keine Mitnahme von Personen
  • Verfall nicht genutzter 24-Stunden-Karten nach einem Monat
  • Ausgabe als Handyticket (alternativ ergänzend in ausgewählten Kundenzentren per Kundenkarte und Wertabschnitten)
Preis-Kontingent für Berlin AB: 44 Euro (5,50 Euro pro Tag)

Kritik aus Brandenburg

Mit dem neuen Angebot reagiert der VBB auf den drastischen Rückgang an Fahrgästen durch die Pandemie. Homeoffice und flexible Arbeitsformen haben im Jahr 2020 und im ersten Halbjahr des Jahres 2021 zu einem Einbruch der Fahrgastzahlen von 32 Prozent und einem Einnahmenrückgang von rund 20 Prozent geführt, heißt es in der Mitteilung des VBB. Daraus entstehe die Notwendigkeit, das bestehende Tarifsortiment zu überprüfen und um Produkte für den flexiblen Mobilitätsbedarf von Pendlerinnen und Pendlern, die häufiger im Homeoffice sind, zu erweitern.
Während die FDP im Berliner Abgeordnetenhaus von einem interessanten und bedarfsgerechten Angebot sprach, kritisierte die Linke im Brandenburger Landtag, dass das FlexTicket nicht im Berliner Umland mit dem Taribereich C gelte, wo viele Pendler wohnten. „An ihnen geht der Modellversuch komplett vorbei.“ Der VBB solle nachsteuern. „Die neuen Flex-Tickets sollten wenigstens im Tarifgebiet ABC beider Städte angeboten werden“, hieß es in der Meldung der Linksfraktion. Anderenfalls sei der Test flexiblerer Ticketmodelle bereits vor seinem Start zum Scheitern verurteilt.